Die
Tiroler Kartenspiele
Bieten, Watten, Perlaggen
Von
≡ Hermann Schwaighofer, Innsbruck
Wagner'sche Universitäts=Buchhandlung
(Eckart Schumacher)
Innsbruck, Museumstraße 4
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In Perlaggerkreisen wurde in den letzten Jahren vielfach der Wunsch geäußert, diese alten Perlaggerregeln dadurch zu verbesser, daß man Punkte, die verschiedene Deutungen zulassen und dadurch zu Streitereien Anlaß gaben, besser und klarer stilisierte, das heißt, so präzis und unzweiteutig abfasse, daß irgend ein Zweifel über das, was damit gesagt werden soll, ausgeschlossen ist. Dieer schwierigen Aufgabe der Regelverbesserung haben sich nun im Jahre 1924 unter der Leitung des um das Perlaggen seit langen Jahren verdienstvollen Herrn Landschaftsbeamten i. P. Ahlois Winkler eine Anzahl von bekannten und erfahrenen Perlaggern unterzogen und die modernisierten Regeln am 5. April 1924 zur Begutachtung und Annahme einer im „Grauen Bären" zu Innsbruck abgehaltenen Perlaggerversammlung vorgelegt.
Diese Versammlung, an der eine sehr große Anzahl der ältesten und bewährtester Perlagger aus Innsbruck-Stadt, rechtes und linkes Innufer, Wilten, Hötting, Höttingerau, Pradl, Amras, Mühlau usw., darunter auch der Senior der Tiroler Perlagger, der alte Bärenwirt, Herr Johann Innerhofer, teilnahmen, war sich einig, daß es notwendig sei, aus den Regeln alles auszumerzen, was zu unleidlichen Streitereien Anlaß geben könnte ...
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... Diese neuen Regeln werden nun jetzt im vorliegenden Büchlein das erstemal veröffentlicht. Die Perlagger, die sie zusammenstellten, bilden sich keinesfalls ein, etwas vollständig Fehlerfreies und lückenlos Ideales geschaffen zu haben; sie haben mit bestem Wissen und Gewissen, gestüßt auf ihre anerkannten Kenntnisse im Perlaggen, ehrlich; versucht, die Regeln so zu formulieren, daß in Zukunft eine Doppeldeutung oder eine andere Auslegung eines Bunktes asgeschlossen ift ... Die Tatfache, daß die allseits anerkannten Kapazitäten der edlen Perlaggerei, die Altmeister Herr Innerhofer senior und Herr Winkler, die schon im Jahre 1890 bei der Aufstellung der alten Regeln ein gewichtiges Wort mitsprachen, sowie viele andere altbewährte und erfahrene Perlagger der verschiedensten Gesellschaftstkassen aus Stadt und Land bei der Umarbeitung und Neuaufftellung der Regeln im Jahre 1924 mitwirkten und dieselben voll und ganz gutheißen und anerkennen, bietet die volle Gewähr, daß sich die ehrlichen Freunde des königlich edlen Perlaggspieles nichts vergeben, wenn sie die neuen Regeln als bindend und offiziell betrachten und künftig zu Nutz und Frommen des schönen Spieles und um den Perlaggerstreit endlich zu bannen, nur nach ihnen spielen.
Innsbruck, im Dezember 1926.
—Kommentar —
Tja, wenn sich die Kapazitäten einig sind, dann nennt man das Demokratie.
Ich warte, bis man beim Schach auch einmal abstimmt, dass es da keinen diskriminierenden Sieg geben kann, und jedes Spiel mit einer Entschuldigung für den vielfachen Figurenraub beendet werden muss.
Ich bin mir sicher, es finden sich dann auch genügend Ja-Sager.
Im Ernst: eine Schöpfung, auch wenn sie 4 Väter im Pfau, oder viele in den 1820-er Jahren hat, bleibt - besonders dann, wenn sie Erfolg hat und sich vielfach verbreitet - eine schützenswerte Kulturleistung, und alle, die neue Regeln oder einen Konsens erreichen, dürfen ganz einfach etwas Neues definieren und spielen - müssen es aber als etwas Neues benennen.
Nur dann, wenn Inkonsistenzen, Gedankenfehler oder unspielbare und widersprüchliche Regelungen aplaniert werden müssen, darf man das Spielfeld den Neuerern überlassen.
Richtigerweise wendet sich der verdiente Autor nun den Vorläuferspielen zu, denn die schufen die Elemente, und Motive, deren glückliche Komposition das verteufelte Atoutspiel hervorbrachte, das im ersten Jahrhundert die Spiele Bieten, Watten und Gilt aus den Wirtshäusern räumte.
Nur das Watten überlebte in Spielerkreisen mit Niveau, Bieten ist ein Anfängerspiel, Gilt ging im Perlaggen auf.
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Das Bieten
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Das Bieten wird mit vollen deutsfchen Karten, das heißt mit 32 Blättern, gespielt. Die acht Blätter jeder Farbe haben die herkömmliche Rangordnung: As (Sau), König, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Achter und Siebener. Das höhere Blatt sticht das niederere seiner Farbe. Der Wert der vier Farben, Herz (Rot), Laub (Grün),
Schell und Eichel ist untereinander vollkommen gleich, das heißt, man kann mit einer Farbe nur ein Blatt derselben Farbe stechen. Es gibt also keinen Trumpf.
Am Bieten können zwei, drei, vier, fünf und mehr Spieler teilnehmen. Am unterhaltsamsten ist es, wenn drei, vier oder fünf spielen.
Jeder Spieler spielt selbständig für sich.
Vor Beginn des Spieles wird abgehoben; wer die niederste Karte abhebt, gibt aus. Die Asse gelten beim Abheben und Geben als die niederste Karte. Wer das erste As abhebt, gibt.
Nun beginnt das Spiel, nachdem man vorher ausgemacht hat, auf wieviel Gutpunkte gespielt wird. Spielen mehr als drei Spieler, wird man eine niederere Zahl, spielen weniger, wird man eine höhere Zahl festlegen. Man nimmt nach
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altem Brauch immer eine ungerade Zahl, wie 5, 7, 9, 15 ...
...Der Geber läßt zuerft den rechts von ihm sitzenden Spieler „abheben", wobei die abgehobene Karte weder angeschaut, noch den anderen Spielern gezeigt werden soll und teilt dann die Karten, indem er von rechts nach links, also im Sinne des Uhrzeigerganges oder „wie man das Mus rührt", zuerst jedem Spieler eine und dann jedem zwei gibt, so daß also jeder Spieler drei Karten in der Hand hält.
Die fünf Figuren, die beim Bieten die Hauptrolle spielen, unabhängig von einander zählen und zum Anschreiben von einem oder mehreren Gutpunkten brechtigen, find folgende:
Der vom Geber Iinks sitzende Spieler spielt eine Karte aus und legt sie vor sich offen hin. Die folgenden machen es ebenso. Es muß unter allen Umsländen Farbe bekannt
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werden. Man ist aber nicht verpflichtet, die ausgespielte Karte zu überstehen, man kann auch darunter gehen, d.h. „laschieren". Wer gestochen hat, spielt dann die zweite Karte aus, die er rechts neben seine erste hinlegt. Der Stich wird nicht eingezogen wie bei den meisten anderen Kartenspielen. Wer die zweite Karte sticht, spielt die dritte, Ietzte Karte aus. Wer diese sticht, hat den letzten Stich, hat damit das „Spiel" gemacht und bekommt einen Punkt gutgeschrieben. Ebenso bekommen die Spieler einen Punkt gutgeschrieben, die das „Herz", „Laub", „Gleich" oder „Hanger" machen, das heißt, die das höchste Herz, Laub, Gleich oder Hanger am Tisch liegen haben, wobei die herkömmliche Rangordnung, As ift besser als König, Zehner ist besser als Neuner usw. gilt. Ein dreifaches Gleich oder ein dreifacher Hanger heißt „dritzig"" und ist besser als jedes zweifache. Also drei Siebener sind z. B. höher als zwei Assen.
Daß die Punkte für die gemachten Figuren so „stillschweigend" gutgeschrieben werden, kommt jedoch beim Bieten sehr selten vor. In der Regel wird sowohl über das Spiel, als auch über Herz, Laub, Gleich und Hanger eine Wette angetragen. Es wird „geboten", wovon ja das Spiel seinen Namen hat. Der Ausspieler hat die Vorhand und somit das Recht, als erster zu bieten. Er kann das tun, bevor er noch feine erste Karte ausgespielt hat oder erst, wenn er sie schon vor sich auf dem Tisch liegen hat.
Hat er z. B. eine mittelhohe Karte von Herz oder Laub (Unter oder Ober z. B.), so wird er schon bevor er ausspielt sagen: „Ich biete mein Herz" oder: „Gilt mein Herz", womit er zu erkennen gibt, daß er glaubt, das höchste Blatt der betreffenden Farbe in der Hand zu haben. Die anderen Spieler müssen nun unverzüglich auf die Anfrage ant=
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worten, und zwar in der Reihenfolge nach links hin vom Ausspielenden. Die Antwort auf das Gebotene kann dreierlei Art sein.
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Glaubt der Gefragte unter allen Umständen die angetragene Wette zu gewinnen, ist er völlig sicher, das bessere Blatt der gebotenen Figur in der Hand zu haben als sein Gegner (das ist natürlich der Fall, wenn er z. B. Herzas, Laubas, ein Gleich von drei Assen oder das „Spiel", das ist den letzten Stich, aufgelegt in der Hand hat), so gibt er „Drei" oder einen „Groschen". Es bedeutet das, in andere Kartenspielsprache übersetzt, soviel wie „Kontra* geben. Auf
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einen „Groschen" muß sofort geantwortet werdben; wird er „gut" gelassen, so schreibt der Spieler, der den Groschen gegeben hat, zwei Gutpunkte. Dabei ist zu bemerken, daß auf den Groschen nicht nur derjenige, der die Figur geboten hat, antworten muß, sondern, so lange der Grofchen nicht angeschaut wird, auch alle anderen Mitspieler. Erst wenn alle den Groschen gut sein gelassen haben, ist die Figur erledigt.
Wird aber der „Groschen" angeschaut oder gehalten, wird die Figur genau wie oben bei einer gewöhnlich gehaltenen Figur im Verlauf des Spieles entschieden, wobei die Spieler, die in der Reihenfolge nach dem kommen, der den Groschen gegeben hat, ebenfalls nicht zu einer Antwort verpflichtet find.
Wer den „Groschen" macht, also wer die höchste Figur hat, auf die Drei gegeben wird, schreibt sich drei Gutpunkte auf.
Aus dem oben Gesagten geht hervor, daß es dem Hintermann, wenn er eine sehr gute Karte, z. B. Laubas, Herzas usw. in der Hand hat, sehr leicht ist, einen „Groschen" zu geben, wenn zwei Spieler vor ihm bereits um eine Figur raufen.
Mehr als „Drei" oder ein „Groschen" können beim Bieten nicht gegeben werden, so daß also das höchste, was ein Spieler in einer Figur machen kann, drei Punkte sind.
Wir haben bis jetzt immer den Fall angenommen, daß der Vorhandhabende eine Figur bietet, bevor er ausspielt. Das wird er aber in den seltensten Fällen tun. Meistens wird er ausspielen, ohne etwas zu sagen. Da beim Bieten der Ietzte Stich das „Spiel" und damit eine Figur bedeutet, ist es natürlich angezeigt, hohe Stichkarten bis zum Schluß
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zu behalten. Es sei denn, daß man drei Blätter von derselben Farbe mit dem As oder andere sehr hohe Karten in der Hand hat. In diesem Fall spielt man das As aus und bietet gleich Spiel.
Wenn man mittelhohe Karten, z. B. Unter, Ober, König, hat, ist es nicht angezeigt, schon gleich als erstes Blatt ein Herz oder Laub auszuspielen, weil man dadurch seine Karte verrät. Hat man aber nur ein niederes Herz oder Laub, mit dem man voraussichtlich die Figur doch nicht macht, kann man es ungeniert ausspielen. Es werden sich dann schoen die anderen darum raufen. Hat man zwei Herzen oder Lauben, sfagen wir z. B. das As und den Achter, so wird man als
Ausspieler gut tun, den niederen Achter als sogenannten „Locker" auszuspielen; haben die anderen dann auch diese Farbe, so wird sie geboten, worauf man natürlich nicht geht; dabei hat man den Vorteil, zuwarten zu können und im geeigneten Moment einen „Groschen" zu geben. Fast sicher macht man auf diese Weise zwei Punkte. Hätte man aber vor dem Ausspielen schon das Herz geboten, würde es vielleicht gut gelassen worden sein. Die Herz= und Laubkönige nennt man beim Bieten die Schuldenmacher; wenn das As im Spiel ist, zahlt man mit ihnen leicht darauf; es ist verführerifch, mit einem König z. B. einen am Tisch liegenden Ober oder Unter anzubieten, man begibt sich dabei aber auch in die Gefahr, einen „Groschen" zu bekommen, weil ja noch das höhere As im Spiel sein kann.
Sehr beliebt und eigentlich der Hauptwitz des Spieles ist das sogenannte „Jagen", in die andere Kartenspielsprache übersezt „das Bluffen". Es läßt sich bei jeder Figur anwenden; die beste Gelegenheit dazu hat man, wen(n) man in der Hinterhand ist.
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Ein Beispiel möge das an einem Spiel zu viert beweisen.
Also der erste spielt den Herzunter aus, der zweite gibt den Herzachter zu, weil er kein höheres Herz hat und sagt gar nichts, weil ihm sein Achter zum Anbieten doch zu niedrig erscheint und er annimmt, daß der Ausspieler mit seinem Unter nicht „geht", der dritte hat keine Herz und gibt eine kleine Karte zu. Ich als vierter habe aber den Herzzehner in der Hand; ich werde nun zu jagen versuchen und möglichst schneidig und selbstbewußt das Herz bieten. Gelingt es, den Herzunterbesitzer zu überzeugen, daß ich das bessere Herz habe, wird er es mir „gut sein lassen", er „läuft davon", wie man sagt und ich schreibe trotz meiner niedereren Karte einen Gutpunkt.
Traut mir jedoch der Herzunterbesiter nicht, so wird er sagen, er schaut mein Herz an, in diesem Falle wird mir natürlich nichts übrig bleiben, als eben den kürzeren zu ziehen und dem Gegner zwei Gutpunkte schreiben zu lassen.
Dieser wird aber, wenn er erst meinen Herzzehner gesehen hat, ein übriges tun, und mir einen Groschen in der Herz geben, den ich natürlich gut sein lasse, wodurch er auch nicht mehr als zwei schreibt.
Komplizierter wird natürlich der Fall, wenn der Ausspieler wohl den Herzunter ausgespielt hat, aber noch eine höhere Herz, z. B. den König, hinten hält, und auch ich zu meinem Herzzehner noch das Herzas habe. Wenn ich in diesem Fall mit dem Zehner den Unter biete, werde ich vom Gegner, der auf seinen König baut, ganz sicher einen Groschen bekommen, den aber ich mit dem As mache.
Man bedenke daher immer, daß ein Spieler, der auf die ausgespielte Herz oder Laub das erstemal zugibt, noch immer
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ein höheres Blatt hinten haben kann, da er ja zum Überstechen nicht verpflichtet ist. Farbe bekannt muß unter allen Umständen werden. Wer nicht die ausgespielte Frbe bekennt, obwohl er sie in der Hand hat, dem werden eine vorher zu bestimmende Anzahl von Gutpunkten abgestrichen, man sagt, er wird um zwei usw. „gestraft". Gibt auf ein ausgespieltes Herz oder Laub niemand Farbe zu; schreibt der Ausspieler eins und auch wenn er nur den Herz oder Laub=Siebener hätte. Ist keine Herz oder Laub im Spiel, schreibt diese Figuren niemand.
Der Fall, daß ein Spieler ein dritziges Gleich oder einen dritzigen Hanger hat, kommt selten vor. Wenn er klug zu Werke geht, wird er mit einem Dritzigen fast immer eine gute Schrift machen. Hat er z. B. drei Neuner, so wird er vorderhand darauf warten, ob nicht andere Spieler ein Gleich bieten; ist dies der Fall und wird das Gleich angeschaut, so wird er, bevor er so noch seine Karten verrät, einen Groschen geben. Bietet niemand das Gleich, so wird er es selbst tun; da auch ein zweifaches Gleich nicht allzuhäufig ist, wird ein Spieler, wenn er beim Gegner einen Neuner sieht, mit zwei Zehner oder Unter gewöhnlich das Gleich
halten. Sehr aussichtsreich, einen Groschen zu machen, ist es, wenn einer zwei Asse bietet und man selbst ein kleines dritziges Gleich in der Hand hat. Ganz dasselbe wie vom Gleich gilt vom Hanger.
Haben zwei Spieler das gleich hohe Gleich oder den gleich hohen Hanger, so sagt man, er „flieht" und es schreibt niemand einen Gutpunkt; gleichgültig, ob die Figur gar nicht geboten, ob sie gut gelassen, ob sie angeschaut oder ob ein Groschen gegeben ift.
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We schon gesagt, gilt auch das Machen des letzten Stiches als Figur. Es tritt hier also der Fall ein, daß nicht der, der am meisten Stiche hat, das „Spiel" macht, sondern einzig und allein der, der den letzten Stich macht. Auch das „Spiel" kann beim Bieten wie die anderen Figuren geboten werden. Hat man es sicher in der Hand, was z. B. der Zall ist, wenn man z. B. drei Blätter von einer Farbe in der Hand hat und auf das erste Blatt, das man ausgespielt hat, niemand Farbe zugegeben hat, dann weiß man, daß die zwei restlichen Blätter sog. „Böcke", das heißt unüberstechlihe Karten, sind, und kann ungeniert Spiel bieten. Haben die Gegenspieler halbwegs hohe Karten, werden sie das Spiel „anschauen". Mit einem As in der Hinterhand gelingt es oft, „Drei" in „Spiel" zu machen, wenn das As gerade die Farbe der beim dritten Stich ausgespielten
Karte hat. Im übrigen achte man beim Bieten genau, daß jeder Spieler richtig Farbe bekennt und nicht, wie man sagt, Farbe verleugnet. Auf Herz und Laub gibt man, weil es Figuren sind, ohnehin Obacht. Es ist aber auch von Wert, auf Schell und Eichel zu achten, wie nachstehendes Beispiel beweist.
Nehmen wir an, ich habe den erften Stich gemacht und komme nun zum Ausspielen. Ich habe Eichelas und Eichelsiebener in der Hand und spiele naturgemäß das Eichelas aus. Ich sehe, daß keiner Eichel zugibt und biete darauf, bevor ich weiter ausspiele, „Spiel", das angeschaut wird. Mein Eichelsiebener, der „Bock" sein muß, wird aber jetzt vom Eichelachter, den einer mit oder ohne Absicht auf mein As nicht zugegeben hat, gestochen. In diesem Falle muß ich sofort protestieren und den Missetäter, der Farbe verleugnet hat, vom Schreiber um eine vorher festgesekte An=
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zahl von Gutpunkten, gewöhnlich zwei, strafen lassen. Übersebe ich das durch eigene Unachtsamteit, habe ich, wenn das nächte Spiel begonnen hat (d. h., wenn die erste Karte bei diesem auf dem Tisch liegt), kein Recht mehr zur Reklamation. Es heißt daher beim Bieten Obacht geben, daß man nicht übervorteilt wird.
Liegt die dritte Karte des Ausspielenden schon auf dem Tisch, darf nur mehr derjenige Spiel bieten, der ein Blatt von derjelben Farbe in der Hand hält. Bietet jemand beim letzten Stich, ohne Farbe in der Hand zu haben, Spiel, oder hält er es ohne Farbe zu haben, werden ihm ebenfalls Gutpunkte gestrichen.
Während der früheren Phasen des Spieles, also während des Ablegens des ersten und zweiten Stiches, kann man „Spiel" wann man will und ohne jede Beschränkung auf eine bestimmte Farbe bieten. Wird das angebotene „Spiel" gut sein gelassen, so hat der, dem es gut ist, einen Gutpunkt errungen, das Spielen und Bieten um die anderen Figuren geht jedoch wie sonst weiter. Die Spieler müssen der Reihenfolge nach wie sonst ihre Karten auf den Tisch legen und es werden die Figuren geboten und gehalten wie sonst. Ein Zusammenwerfen der Karten vor Beendigung des Spieles und Erledigung aller Figuren ist, wie schon gesagt, unstatthaft.
Das Ausgehen.
Wer zuerst eine von vornherein bestimmte Punktezahl erreicht, geht aus und hat damit gewonnen. Wer als Ietzter diese Zahl erreicht, also als letzter ausgeht, hat verloren. Beim Ausgehen nun bekommen die fünf Figuren, die sonst untereinander gleichwertig sind, einen Rang, und zwar gilt folgende Rangordnung:
1. Herz, 2. Laub, 3. Gleich, 4. Hanger, 5. Spiel, das heißt, beim Ausgehen gilt das Herz mehr als das Laub usw.
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Man sagt, es geht früher aus. Und zwar gilt auch das schlechteste Herz, also der Herzsiebener, mehr als das beste Laub, die Laubas, und das eledste zweifache Gleich, z. B. zwei Siebener, mehr als der beste sogenannte höchstdritzige Hanger (As, König, Ober) und jede der vier Figuren, Herz, Laub, Gleich, Hanger, geht vor dem Spiel (dem letzten Stich) aus; nur im Fall, daß kfeiner der Spieler eine dieser vier Figuren hat, geht Spiel aus. In früheren Zeiten und auch jetzt noch in manchen Orten gilt Laub beim Ausgehen als beste Farbe, daher fommt auch der alte Brauch, das Bieten „Laubbieten" zu nennen.
Fehlen einem Spieler zum Ausgehen, d. h. zum Erreichen einer bestimmten Anzahl Gutpunfte, nur mehr zwei Punkte (hat er also z. B., wenn das Spiel auf sieben geht, fünf), so darf er nur mehr eine Figur bieten. Fehlen ihm drei Punkte, darf er nur mehr zwei Figuren, fehlen ihm vier Punkte, darf er nur drei Figuren, fehlen ihm fünf Punkte, darf er nur vier Figuren bieten. Bietet er mehr, so „überbietet" er sich und wird „gestraft", d. h., es werden ihm eine bestimmte Anzahl Gutpuntte abgestrichen. Wird ihm diese Figur angeschaut und er macht sie wirklich, ist er aus. Denn das Vorgebotene und Angeschaute geht früher aus als alle anderen Figuren, unbeschadet der Rangordnung der Figuren. Wird ihm diese Figur gutgelassen, schreibt er einen Gutpunkt, hat nun sechs und darf nicht mehr bieten. Wer dennoch bietet, dem werden eine besftimmte Anzahl Gutpunkte, gewöhnlich zwei, gestrichen. Es ist eine wichtige Spielregel, daß man mit sechs (oder mit einem Punft weniger als die Punktezahl, auf die gespielt wird) nicht mehr bieten darf, denn nun treten die Figuren mit der oben angegebenen Rangordnung in ihre Rechte. Der Schreiber soll einen
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Spieler, der sechs hat, dadurch aufmerksam machen, daß er durch die Schrift des betreffenden einen senkrechhten Strich macht. Wenn alle Spieler sechs haben, also keiner mehr bieten darf, geht also das befte Herz zuerst aus, dann das beste Laub usw., nicht etwa als zweites, das zweitbeste Herz. Hat nur ein Spieler sechs, die anderen aber z. B. fünf, dann es pässieren, daß die, die fünf haben, vor dem, der sechs hat, ausgehen, wenn ihnen eine gebotene Figur gehalten wird und sie sie machen. Auch in diesem Falle geht das Vorgebotene unbedingt aus, auch wenn der, der sechs hat, das Herzas besitzt.
Praktisches Beispiel: Drei Spieler bieten einen halben Liter Wein aus, und zwar geht es zweimal auf sieben; der jeweilige Verlierer hat ein Viertele Wein zu zahlen. (Man sagt, man spielt eine Halbe Wein aus, zu sieben ein Viertele.)
A gibt an: Beim ersten Gang haben erhalten: B den Eichelkönig, Eichelneuner und Eichelsiebener; C das Laubas, Herzober und Schellzehner; A Laubkönig, Schellkönig und Herzunter. B at die Vorhand und spielt den Eichelkönig aus, C gibt den Schellzehner zu und sagt gar nichts, weil er mit seinem guten Laub und guten Herz lieber abwartet, bis ein anderer etwas bietet. A, der auch schöne Herzen und Lauben in der Hand hat, wird, bevor er eine Karte hinunterlegt, seine Laub bieten, die C mit dem As natürlich „anschaut", darauf gibt A den Schellkönig zu, er könnte auch den Herzunter oder den Laubkönig zugeben, würde sich aber dadurch nur seine Karte verraten. Nun gehört der Stich, da niemand den Eichelkönig gestochen hat, dem B; dieser wird nun, da ja seine zwei kleinen Eichel, die er noch in der Hand hat, „"Böcke", das heißt, unüberstechlich sind, Spiel bieten, bevor er
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noch eine Karte auswirft. Das „Spiel", das heißt den letzten Stich, glauben natürlich die beiden anderen Spieler mit ihren hohen Karten zu machen und „schauen" es an, worauf B den Eichelneuner ausspielt. C, der nun an die Reihe kommt, wird, bevor er zugibt, mit seinem Herzober das Herz bieten, das wiederum A, der den Herzunter hat, anschaut; darauf erst gibt er den Herzober zu und behält sich das Laubas, mit dem er denkt, A, der die Laub ja geboten hat, noch einen Groschen in die Laub geben kann und überdies noch das Spiel zu machen hofft, zurück. A bleibt nun nichts anderes übrig, als den Herzunter zuzugeben und sich auf seinen Laubkönig zu verlassen. Mit seinem Eichelneuner ist B nun wieder im Stich geblieben und spielt weiter seinen Eichelachter aus (den kleinen Hanger Eichelneuner, Eichelachter zu bieten, hat in diesem Fall gar keinen Witz. C sieht nun, daß er mit seinem Laubas das Spiel nicht machen kann und gibt jetzt dem A im Laub einen Groschen, den A mit seinem König „anschaut", hauptsächlich deshalb, weil erst die erfte Runde im Spiel gespielt wird; würde z. B. dieser Fall in der zweiten und der dritten Runde vorkommen, wo der C schon drei oder vier Gutpunkte hat, so würde der A, weil er ja mit seinem König nicht ganz sicher ist, den Groschen bei zwei gut sein lassen, damit der andere nicht ausgeht. C legt dann sein Zaubas auf den Tisch und A muß sich mit seinem König als geschlagen bekennen. Nun ist das erste Spiel fertig und der Schreiber, der verlangen muß, daß die Karten ruhig auf dem Tisch liegen bleiben und nicht voreilig zusammengeworfen werden, beginnt der Reihe nach bei den Spielern die gemachten Gutpunkte festzustellen.
Also der ausspielende B macht zwei für das angeschaute Spiel (er hat den letzten Stich gemacht) und eines im
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Hanger (Eichelneuner und Eichelachter), weil keiner der anderen einen Hanger hat. Zusammen also drei.
C schreibt zwei im Herz mit dem Herzober (A hat das Herz mit dem Herzunter angeschaut, aber nicht gemacht) und drei im Laub, weil E mit seinem Laubkönig nicht „gegangen" ist. Also zusammen fünf.
A schreibt mit seiner schönen Karte weder das Herz noch das Laub, sondern mit seinen zwei Königen (Schellkönig und Laubkönig) nur eins im Gleich. (Er hat das gar nicht geboten, weil er lieber warten wollte, bis vielleicht ein anderer mit zwei Unter oder Ober bietet, da hätte er dann einen Groschen geben können. Da aber kein anderer ein Gleich besaß, schreibt er einfach stillschweigend eins.)
Der Spieler, der die Schrift führt, hat mit Kreide auf eine kleine schwarze Tafel drei Kolonnen gemalt, die Namen der Spieler B, C, A (sich selbst als Schreiber am Schluß), bezw. die Anfangsbuchstaben derselben darüber geschrieben und das ganze mit der großen Ziffer 7 gekrönt, die anzeigt,
daß das Spiel auf sieben ausgeht. Nun schreibt er den Spielern die gemachten Punkte auf, bezw. setzt sie in die betreffende Kolonne. Also: B 3, C 5 und A 1.
Nun beginnt die zweite Runde, die B angibt, so daß C diesmal die Vorhand hat. Es haben Karten: C Laubneuner, Schellneuner und Schellachter; A Herzas, Laubzehner und Eichelsiebener; B Herzober, Eichelas und Eichelneuner. Da C ichon fünf Punkte hat und das Spiel auf sieben ausgeht,
dürfte er nur mehr eine Figur bieten; er wird aber mit feiner niederen Karte, weil er ein Gleich und einen Hanger in der Karte hat, gar nichts sagen, sondern einfach ausspielen. Da er zwei Schellen hat und man zwei von einer Farbe nicht gern auseinanderspielt, weil man damit unter Umständen
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Spiel machen kann, spielt er den Laubneuner aus. Da A nur den Laubzehner hat und natürlich nicht weiß, ob B in der Hinterhand mit einer höheren Laub paßt und einen Groschen gibt, wenn er die Laub bietet, wird er am besten gar nichts sagen und einfach den Laubneuner mit seinem Laubzehner stechen; C wird dann seinen Eichelneuner, mit dem er sich doch seinen Stich verhofft, zugeben. A, der mit dem Laubzehner Stich geblieben ist, spieft nun, ohne etwas zu sagen, seinen Schellsiebener aus, er hat ja Zeit, mit seinem Herzas zu passen. B nun, der jetzt an die Reihe kommt und gezwungen ist, auf den Schellsiebener des A entweder das Eichelas oder den Herzober zugugeben, wird nun sein Herz bieten; C, der als erster antworten muß, sagt: „Ich habe keines!" oder: „Es ist gut!" A aber mit seinem As gibt dem B einen Groschen, den B mit seinem Ober, weil er meint, A will ihn vielleicht jagen, „anschaut". Da nun B weiß, daß dem A seine dritte Karte ein Herz sein muß, und da A mit seinem Schellfiebener noch immer im Stich, und daher die Möglichkeit vorhanden ist, daß ihm der Stich wirklich bleibt und somit seine Herz dann auswerfen muß, wird daher nicht den Herzober, sondern das Eichelas zugeben; C sticht aber nun mit dem Schellachter den Schellsiebener und wirft, ohne etwas zu fagen, seinen Schellneuner aus; er kann sich das leisten, denn er braucht nur mehr zwei Gutpunkte, die er in Gleich und Hanger stillschweigend zu machen hofft. Die anderen zwei Spieler sehen nun, daß sie das Spiel, das heißt den letzten Stich, nicht mehr machen können, da sie beide keine Schell mehr haben, und sagen deshalb „Spiel gut!" Jetzt dreht sich der Kampf nur mehr um das bessere Herz zwischen A und B. A geht natürlich mit seinem As als Sieger hervor und macht seinen Groschen.
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B schreibt diesmal gar nichts und bekommt dafür auf der Tafel einen horizontalen Strich (ein sogenanntes Bantl); C hat ein Gleich (Laubneuner und Schellneuner) und einen Hanger (Schellneuner und Schellachter), sind zwei, und macht noch dazu den letzten Stich und damit das Spiel, er schreibt also im ganzen drei und ist fomit, da er schon fünf gehabt hat, aus, hat gewonnen und braucht nicht mehr mitzuspielen. A schreibt eins in Laub, da er die höchste Karte, den Zehner, in dieser Farbe hat, und drei in Herz mit dem Herzas, da B den Groschen, den er ihm gegeben hat, angeschaut bat; also im ganzen vier.
Die in den einzelnen Spielen gemachten Punkte werden auf der Tafel untereinander geschrieben und erst am Schluß des ganzen Spieles zusammengezählt.
Nun spielen nur mehr A und B miteinander. Da C aus ist, gibt A die Karten aus. B erhält Eichelneuner, Eichelachter und Herzachter; A Laubas, Laubachter und Schellkönig. B spielt den Eichelneuner aus und sagt gar nichts; da A den Laubachter zugibt und B nun weiter im Stich bleibt, wird B, da er erst drei Punkte in der Schrift hat, anfangen zu bieten; also bietet er sein Gleich (Herzachter und Eichelachter) sowie seinen Hanger (Eichelneuner und Eichelachter). Da A keine dieser beiden Figuren besizt, muß er beide gut sein und seinem Gegner zwei Gutpunkte schreiben
lassen. B, der nun auch fünf hat, setzt nun alles auf eine Karte und bietet, vor er noch auswirft, das Spiel. Er kalkuliert dabei folgendermaßen: Hat A zu dem Laub, das er auf die erste Karte zugegeben hat, eine höhere Herz als sein eigener Achter ist, so ist er (B) immer verloren; denn dann macht A in Herz und Laub je eins und ist damit aus, Es kann aber auch der Fall sein, daß A gar keine Herz hat;
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in diefem Fall ist B immer aus, ganz gleichgültig, ob A das Spiel haltet oder gut sein läßt. Haltet A nämlich das Spiel, so macht B sicher, da A ja weder den Eichelachter noch den Herzacher stechen kann, und B macht zwei und ist aus. Läßt A das Spiel gut sein, dann hat B damit sechs
und noch die Herz, die auf alle Fälle vor dem Laubas des Gegners ausgeht. A kann mit seiner guten Karte, obwohl er schon fünf hat, in diefem Fall gar nichts machen, denn, wie gesagt, ob er das Spiel anshaut oder gut sein läßt, ist er immer verloren, weil er nur eine Figur, nämlich das
Laub, macht, während sein Gegner B Gleich, Hanger, Spiel und Herz und damit mindestens vier Gutpunkte hat und damit ausgeht. Ja sogar wenn A schon sechs gehabt hätte, hätte ihm, wenn B richtig spielt, sein Laubas nichts genützt. B darf in dem Falle (wenn A schon sechs hat) nur nicht das Herz bieten. Wenn er unachtsam ist und schlecht spielt, indem er statt vorher Gleich, Hanger und Spiel zu bieten, das Herz bietet, ist er aber verloren, denn dann geht dem A sein Laub vor dem Gleich, Hanger oder Spiel aus. A hat also das Spiel verloren und bekommt ein „Noggerl"
oder „Bummerl", das ist eine kleine Null neben seinem Anfangsbuchstaben oder der Kolonne, was so viel bedeutet, daß er ein Viertel Wein zu zahlen hat. Das zweite Viertel Wein wird dann auf dieselbe Weise ausgespielt. Beim zweiten und folgenden Spiel gibt dann der Spieler an, der rechts vom Verlierer ist, damit dieser die Vorhand hat.