Die
Tiroler Kartenspiele
Bieten, Watten, Perlaggen
Von
≡ Hermann Schwaighofer, Innsbruck
Wagner'sche Universitts=Buchhandlung
(Eckart Schumacher)
Innsbruck, Museumstrae 4
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In Perlaggerkreisen wurde in den letzten Jahren vielfach der Wunsch geuert, diese alten Perlaggerregeln dadurch zu verbesser, da man Punkte, die verschiedene Deutungen zulassen und dadurch zu Streitereien Anla gaben, besser und klarer stilisierte, das heit, so przis und unzweiteutig abfasse, da irgend ein Zweifel ber das, was damit gesagt werden soll, ausgeschlossen ist. Dieer schwierigen Aufgabe der Regelverbesserung haben sich nun im Jahre 1924 unter der Leitung des um das Perlaggen seit langen Jahren verdienstvollen Herrn Landschaftsbeamten i. P. Ahlois Winkler eine Anzahl von bekannten und erfahrenen Perlaggern unterzogen und die modernisierten Regeln am 5. April 1924 zur Begutachtung und Annahme einer im Grauen Bren zu Innsbruck abgehaltenen Perlaggerversammlung vorgelegt.
Diese Versammlung, an der eine sehr groe Anzahl der ltesten und bewhrtester Perlagger aus Innsbruck-Stadt, rechtes und linkes Innufer, Wilten, Htting, Httingerau, Pradl, Amras, Mhlau usw., darunter auch der Senior der Tiroler Perlagger, der alte Brenwirt, Herr Johann Innerhofer, teilnahmen, war sich einig, da es notwendig sei, aus den Regeln alles auszumerzen, was zu unleidlichen Streitereien Anla geben knnte ...
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... Diese neuen Regeln werden nun jetzt im vorliegenden Bchlein das erstemal verffentlicht. Die Perlagger, die sie zusammenstellten, bilden sich keinesfalls ein, etwas vollstndig Fehlerfreies und lckenlos Ideales geschaffen zu haben; sie haben mit bestem Wissen und Gewissen, gestt auf ihre anerkannten Kenntnisse im Perlaggen, ehrlich; versucht, die Regeln so zu formulieren, da in Zukunft eine Doppeldeutung oder eine andere Auslegung eines Bunktes asgeschlossen ift ... Die Tatfache, da die allseits anerkannten Kapazitten der edlen Perlaggerei, die Altmeister Herr Innerhofer senior und Herr Winkler, die schon im Jahre 1890 bei der Aufstellung der alten Regeln ein gewichtiges Wort mitsprachen, sowie viele andere altbewhrte und erfahrene Perlagger der verschiedensten Gesellschaftstkassen aus Stadt und Land bei der Umarbeitung und Neuaufftellung der Regeln im Jahre 1924 mitwirkten und dieselben voll und ganz gutheien und anerkennen, bietet die volle Gewhr, da sich die ehrlichen Freunde des kniglich edlen Perlaggspieles nichts vergeben, wenn sie die neuen Regeln als bindend und offiziell betrachten und knftig zu Nutz und Frommen des schnen Spieles und um den Perlaggerstreit endlich zu bannen, nur nach ihnen spielen.
Innsbruck, im Dezember 1926.
Hermann Schwaighofer.
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Das Bieten
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Das Bieten wird mit vollen deutsfchen Karten, das heit mit 32 Blttern, gespielt. Die acht Bltter jeder Farbe haben die herkmmliche Rangordnung: As (Sau), Knig, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Achter und Siebener. Das hhere Blatt sticht das niederere seiner Farbe. Der Wert der vier Farben, Herz (Rot), Laub (Grn),
Schell und Eichel ist untereinander vollkommen gleich, das heit, man kann mit einer Farbe nur ein Blatt derselben Farbe stechen. Es gibt also keinen Trumpf.
Am Bieten knnen zwei, drei, vier, fnf und mehr Spieler teilnehmen. Am unterhaltsamsten ist es, wenn drei, vier oder fnf spielen.
Jeder Spieler spielt selbstndig fr sich.
Vor Beginn des Spieles wird abgehoben; wer die niederste Karte abhebt, gibt aus. Die Asse gelten beim Abheben und Geben als die niederste Karte. Wer das erste As abhebt, gibt.
Nun beginnt das Spiel, nachdem man vorher ausgemacht hat, auf wieviel Gutpunkte gespielt wird. Spielen mehr als drei Spieler, wird man eine niederere Zahl, spielen weniger, wird man eine hhere Zahl festlegen. Man nimmt nach
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altem Brauch immer eine ungerade Zahl, wie 5, 7, 9, 15 ...
...Der Geber lt zuerft den rechts von ihm sitzenden Spieler abheben, wobei die abgehobene Karte weder angeschaut, noch den anderen Spielern gezeigt werden soll und teilt dann die Karten, indem er von rechts nach links, also im Sinne des Uhrzeigerganges oder wie man das Mus rhrt, zuerst jedem Spieler eine und dann jedem zwei gibt, so da also jeder Spieler drei Karten in der Hand hlt.
Die fnf Figuren, die beim Bieten die Hauptrolle spielen, unabhngig von einander zhlen und zum Anschreiben von einem oder mehreren Gutpunkten brechtigen, find folgende:
Der vom Geber Iinks sitzende Spieler spielt eine Karte aus und legt sie vor sich offen hin. Die folgenden machen es ebenso. Es mu unter allen Umslnden Farbe bekannt
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werden. Man ist aber nicht verpflichtet, die ausgespielte Karte zu berstehen, man kann auch darunter gehen, d.h. laschieren. Wer gestochen hat, spielt dann die zweite Karte aus, die er rechts neben seine erste hinlegt. Der Stich wird nicht eingezogen wie bei den meisten anderen Kartenspielen. Wer die zweite Karte sticht, spielt die dritte, Ietzte Karte aus. Wer diese sticht, hat den letzten Stich, hat damit das Spiel gemacht und bekommt einen Punkt gutgeschrieben. Ebenso bekommen die Spieler einen Punkt gutgeschrieben, die das Herz, Laub, Gleich oder Hanger machen, das heit, die das hchste Herz, Laub, Gleich oder Hanger am Tisch liegen haben, wobei die herkmmliche Rangordnung, As ift besser als Knig, Zehner ist besser als Neuner usw. gilt. Ein dreifaches Gleich oder ein dreifacher Hanger heit dritzig" und ist besser als jedes zweifache. Also drei Siebener sind z. B. hher als zwei Assen.
Da die Punkte fr die gemachten Figuren so stillschweigend gutgeschrieben werden, kommt jedoch beim Bieten sehr selten vor. In der Regel wird sowohl ber das Spiel, als auch ber Herz, Laub, Gleich und Hanger eine Wette angetragen. Es wird geboten, wovon ja das Spiel seinen Namen hat. Der Ausspieler hat die Vorhand und somit das Recht, als erster zu bieten. Er kann das tun, bevor er noch feine erste Karte ausgespielt hat oder erst, wenn er sie schon vor sich auf dem Tisch liegen hat.
Hat er z. B. eine mittelhohe Karte von Herz oder Laub (Unter oder Ober z. B.), so wird er schon bevor er ausspielt sagen: Ich biete mein Herz oder: Gilt mein Herz, womit er zu erkennen gibt, da er glaubt, das hchste Blatt der betreffenden Farbe in der Hand zu haben. Die anderen Spieler mssen nun unverzglich auf die Anfrage ant=
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worten, und zwar in der Reihenfolge nach links hin vom Ausspielenden. Die Antwort auf das Gebotene kann dreierlei Art sein.
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Glaubt der Gefragte unter allen Umstnden die angetragene Wette zu gewinnen, ist er vllig sicher, das bessere Blatt der gebotenen Figur in der Hand zu haben als sein Gegner (das ist natrlich der Fall, wenn er z. B. Herzas, Laubas, ein Gleich von drei Assen oder das Spiel, das ist den letzten Stich, aufgelegt in der Hand hat), so gibt er Drei" oder einen Groschen. Es bedeutet das, in andere Kartenspielsprache bersetzt, soviel wie Kontra* geben. Auf
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einen Groschen mu sofort geantwortet werdben; wird er gut gelassen, so schreibt der Spieler, der den Groschen gegeben hat, zwei Gutpunkte. Dabei ist zu bemerken, da auf den Groschen nicht nur derjenige, der die Figur geboten hat, antworten mu, sondern, so lange der Grofchen nicht angeschaut wird, auch alle anderen Mitspieler. Erst wenn alle den Groschen gut sein gelassen haben, ist die Figur erledigt.
Wird aber der Groschen angeschaut oder gehalten, wird die Figur genau wie oben bei einer gewhnlich gehaltenen Figur im Verlauf des Spieles entschieden, wobei die Spieler, die in der Reihenfolge nach dem kommen, der den Groschen gegeben hat, ebenfalls nicht zu einer Antwort verpflichtet find.
Wer den Groschen macht, also wer die hchste Figur hat, auf die Drei gegeben wird, schreibt sich drei Gutpunkte auf.
Aus dem oben Gesagten geht hervor, da es dem Hintermann, wenn er eine sehr gute Karte, z. B. Laubas, Herzas usw. in der Hand hat, sehr leicht ist, einen Groschen zu geben, wenn zwei Spieler vor ihm bereits um eine Figur raufen.
Mehr als Drei oder ein Groschen knnen beim Bieten nicht gegeben werden, so da also das hchste, was ein Spieler in einer Figur machen kann, drei Punkte sind.
Wir haben bis jetzt immer den Fall angenommen, da der Vorhandhabende eine Figur bietet, bevor er ausspielt. Das wird er aber in den seltensten Fllen tun. Meistens wird er ausspielen, ohne etwas zu sagen. Da beim Bieten der Ietzte Stich das Spiel und damit eine Figur bedeutet, ist es natrlich angezeigt, hohe Stichkarten bis zum Schlu
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zu behalten. Es sei denn, da man drei Bltter von derselben Farbe mit dem As oder andere sehr hohe Karten in der Hand hat. In diesem Fall spielt man das As aus und bietet gleich Spiel.
Wenn man mittelhohe Karten, z. B. Unter, Ober, Knig, hat, ist es nicht angezeigt, schon gleich als erstes Blatt ein Herz oder Laub auszuspielen, weil man dadurch seine Karte verrt. Hat man aber nur ein niederes Herz oder Laub, mit dem man voraussichtlich die Figur doch nicht macht, kann man es ungeniert ausspielen. Es werden sich dann schoen die anderen darum raufen. Hat man zwei Herzen oder Lauben, sfagen wir z. B. das As und den Achter, so wird man als
Ausspieler gut tun, den niederen Achter als sogenannten Locker auszuspielen; haben die anderen dann auch diese Farbe, so wird sie geboten, worauf man natrlich nicht geht; dabei hat man den Vorteil, zuwarten zu knnen und im geeigneten Moment einen Groschen zu geben. Fast sicher macht man auf diese Weise zwei Punkte. Htte man aber vor dem Ausspielen schon das Herz geboten, wrde es vielleicht gut gelassen worden sein. Die Herz= und Laubknige nennt man beim Bieten die Schuldenmacher; wenn das As im Spiel ist, zahlt man mit ihnen leicht darauf; es ist verfhrerifch, mit einem Knig z. B. einen am Tisch liegenden Ober oder Unter anzubieten, man begibt sich dabei aber auch in die Gefahr, einen Groschen zu bekommen, weil ja noch das hhere As im Spiel sein kann.
Sehr beliebt und eigentlich der Hauptwitz des Spieles ist das sogenannte Jagen, in die andere Kartenspielsprache bersezt das Bluffen. Es lt sich bei jeder Figur anwenden; die beste Gelegenheit dazu hat man, wen(n) man in der Hinterhand ist.
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Ein Beispiel mge das an einem Spiel zu viert beweisen.
Also der erste spielt den Herzunter aus, der zweite gibt den Herzachter zu, weil er kein hheres Herz hat und sagt gar nichts, weil ihm sein Achter zum Anbieten doch zu niedrig erscheint und er annimmt, da der Ausspieler mit seinem Unter nicht geht, der dritte hat keine Herz und gibt eine kleine Karte zu. Ich als vierter habe aber den Herzzehner in der Hand; ich werde nun zu jagen versuchen und mglichst schneidig und selbstbewut das Herz bieten. Gelingt es, den Herzunterbesitzer zu berzeugen, da ich das bessere Herz habe, wird er es mir gut sein lassen, er luft davon, wie man sagt und ich schreibe trotz meiner niedereren Karte einen Gutpunkt.
Traut mir jedoch der Herzunterbesitzer nicht, so wird er sagen, er schaut mein Herz an, in Diesem Falle wird mir natrlich nichts brig bleiben, als eben den krzeren zu ziehen und dem Gegner zwei Gutpunkte schreiben zu lassen.
Dieser wird aber, wenn er erst meinen Herzzehner gesehen hat, ein briges tun, und mir einen Groschen in der Herz geben, den ich natrlich gut sein lasse, wodurch er auch nicht mehr als zwei schreibt.
Komplizierter wird natrlich der Fall, wenn der Ausspieler wohl den Herzunter ausgespielt hat, aber noch eine hhere Herz, z. B. den Knig, hinten hlt, und auch ich zu meinem Herzzehner noch das Herzas habe. Wenn ich in diesem Fall mit dem Zehner den Unter biete, werde ich vom Gegner, der auf seinen Knig baut, ganz sicher einen Groschen bekommen, den aber ich mit dem As mache.
Man bedenke daher immer, da ein Spieler, der auf die ausgespielte Herz oder Laub das erstemal zugibt, noch immer
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ein hheres Blatt hinten haben kann, da er ja zum. ber- Stechen nicht verpflichtet ift. Sarbe befannt mu unter allen Umftnden werden. Wer nicht die ausgefpielte Warbe bea "Zennt, obwohl er fie in der Hand hat, dem werden eine vor- ber zu beftimmende Anzahl von Gutpunften abgeftrichen, man jagt, er wird um gwei ufw. gejtraft. Gibt auf ein auss gefpieltes Herz oder Laub niemand Farbe zu; fchreibt der Yusjpieler eins und auch wenn er nur den Herz oder Laub fiebener htte. Sft feine Herz oder Laub im Spiel, fchreibt diefe Figuren niemand. Der Fall, da ein Spieler ein dritiges Gleich oder einen drigigen Hanger hat, fommt jelten vor. Wenn er Hug zu Werke geht, wird er mit einem Drikigen faft immer eine gute Schrift macden. Hat er 3. B. drei Neuner, fo wird er vor derhand darauf warten, ob nicht andere Spieler ein Gleich bieten; ift dies der Fall und wird das Gleich angefchaut, fo wird er, bevor er fi noch feine Karten verrt, einen Grofchen geben. Bietet niemand das Gleich, Jo wird er es felft tun; da aud) ein zweifaches Gleich nicht alfzuhufig ift, wirb ein Spieler, wenn er beim Gegner einen Neuner fieht, mit zwei Zehner oder Unter gemhnlid) das Gleich halten. Sehr ausfichtsreich, einen Grofchen zu machen, ift es, wenn einer awei Affe bietet und man jelbft ein fleines driiges Gleich in der Hand hat. Ganz dasfelbe wie vom Gleich gilt vom Hanger. Haben zwei Spieler das gleich hohe Gleich oder den gfeich bohen SHanger, fo jagt man, er flieht und es fehreibt nie= mand einen Gutpunft; gleichgltig, ob die Figur gar night geboten, ob fie gut gelaffen, ob fie angefhaut oder ob ein Grofchen gegeben ift. 13 Wie Ichon gejagt, gilt auch das Machen des lebten Stiches als Figur. Es tritt hier alfo der Wall ein, da nicht der, der am meiften Stiche hat, das Spiel* madt, jondern einzig und allein der, der den legten Stich macht. Auch das Spiel fann beim Bieten wie die anderen Figuren ge- boten werden. Hat man es ficher in der Hand, was 3. B. der Zall ift, wenn man 3. B. drei Bltter von einer Farbe in der Hand hat und auf das erfte Blatt, das man aus gejpielt hat, niemand Farbe zugegeben hat, dann wei man, da die zwei reftlichen Bltter fog. Bde, das Heit unberftechlihe Karten, find, und fann ungeniert Spiel bieten. Haben die Gegenfpieler halbwegs hohe Karten, werden fie das Spiel anfchauen. Mit einem As in der Hinterhand gelingt es oft, Drei in Spiel zu machen, wenn das As gerade die Farbe der beim dritten Stich ausgefpielten Karte hat. Im brigen achte man beim Bieten genau, da jeder Spieler richtig Farbe befennt und nicht, wie man fagt, Farbe verleugnet. Auf Herz und Laub gibt man, weil es Biguren find, ohnehin Obacht. Es tft aber auch von Wert, auf Schell und Eichel zu achten, wie narhftehendes Beifpiel bemeift. Nehmen wir an, ich habe den erften Gtich gemacht und fomme nun zum XAusipielen. Ich habe Eichelas und Eichel- fiebener in der Hand und fpiele naturgem das Eichelas aus. Sch fehe, da feiner Eichel zugibt und biete darauf, bevor ich weiter ausfpiele, Spiel, das angefchaut wird. Mein Eichelfiebener, der Bod fein mu, wird aber jet vom Eichelachter, den einer mit oder ohne Abficht auf mein As nicht zugegeben hat, geftochen. In diefem Falle mu ich fofort proteftieren und den Miffetter, der Farbe ver- leugnet hat, vom Schreiber um eine vorher fejtgefekte An- 16 zahl von Butpunkten, gewhnlich zwei, ftrafen Taffen. ber: febe ich das durch eigene Unachtfamteit, habe ich, wenn das nchte Spiel begonnen hat (d. h., wenn die erfte Karte bei diefem auf dem Tifch Liegt), fein Necht mehr zur Nekla= mation. Es heit daher beim Bieten Obacht geben, daf man nicht bervorteilt wird. Liegf die drilfe Karte des Husipielenden fon auf dem Ti), darf nur mehr derjenige Spiel biefen, der ein Blatt von derjelben Farbe in der Hand Hlt. Bietet jemand beim lebten Sticy, ohne Farbe in der Hand zu haben, Spiel, oder hlt er es ohne Farbe zu haben, werden ihm ebenfalls Gutpuntte geftrichen. Whrend der frheren Phafen des Spieles, alfo whrend des Ablegens des erften und zweiten Stiches, fann man Spiel warn man will und ohne jede Befchrntung auf eine bejlimmte Farbe bieten. Wird das angebotene Spiel gut fein gelaffen, fo ha der, dem es gut ift, einen Gutpunft errungen, das Spielen und Bieten um die anderen Figuren geht jedoch wie fonft weiter. Die Spieler mjlen der Reihenfolge nad wie fonft ihre Karten auf den Tifc) legen und es werden die Figuren geboten und gehalten wie fonjt. Ein Zufammenmerfen der Slarten vor Beendigung des Spieles und Erledigung alfer Figuren tft, wie fchon gefagt, unftatthaft. Das Ausgehen. Wer zuerjt eine von vornherein be fimmte Punktezahl erreicht, geht aus und hat damit gewonnen. Wer als Iegter diefe Zahl erreicht, alfo als legter ausgeht, hat verloren. Beim Ausgehen nun befoms men die fnf Viguren, die fonft untereinander gleichwertig find, einen Rang, und gwar gilt folgende Rangordnung: 1. Herz, 2. Laub, 3. Gleich, 4. Hanger, 5. Spiel, das heit, beim Ausgehen gilt das Herz mehr als das Laub ufw. 2 17 Man fagt, es geht frher aus. Und zwar gilt auch das Tchlechtefte Herz, alfo der Herzfiebener, mehr als das befte Laub, die Laubas, und das Eleinfte zweifache Gleich, 3. B. zwei Giebener, mehr als der bejte jogenannte hchft- driige Hanger (Rs, Knig, Ober) und jede der vier Figuren, Herz, Laub, Gleich, Hanger, geht vor dem Spiel (dem lebten Stich) aus; nur im Fall, da feiner der Spieler eine diefer vier Figuren hat, geht Spiel aus. In frheren Zeiten und auch jegt noch in manchen Orten gilt Laub beim Ausgehen als beite Zarbe, daher fommt aud) der: alte Braud), das Bieten Laubbieten zu nennen. Sehlen einem Spieler zum Xusgehen, d. h. zum Erreichen einer beftimmten Anzahl Gutpunfte, nur mehr zwei Punfte (hat er alfo 3. B., wenn das Spiel auf fieben geht, fnf), lo darf er nur mehr eine Figur bieten. Sehlen ihm brei Punkte, darf er nur mehr zwei Figuren, fehlen ihm vier Bunte, darf er nur drei Figuren, fehlen ihm fnf Puntte, darf er nur vier Ziguren bieten. Bietet er mehr, jo ber- bietet er fi) und wird geftraft, d. h., es werden ihin eine beftimmte Anzahl Gutpuntte abgeftrichen. Wird ihm diele Figur angefchaut und er mad fie wirklich, ift er aus. Denn das Borgebofene und Ungeihaute geht frher aus als alfe anderen Figuren, unbeihadef der Rangordnung der Figuren. Wird ihm Ddiefe Figur gutgelaffen, jchreibt er einen Gut- punft, hat nun fehs und darf nicht mehr bieten. Wer dennod bietet, dem merden eine beftimmte Anzahl Sutpuntte, gewhnlich zwei, geftrichen. Es ift eine wichtige Spielregel, da man mit fechs (oder mit einem Bunft weniger als die Bunftezahl, auf die gefpielt wird) nicht mehr bieten darf, denn nun treten die Figuren mit der oben angegebenen Rangordnung in ihre Rechte. Der Schreiber foll einen 18 Spieler, der fechs hat, dadurd aufmerffam machen, da er durch die Schrift des betreffenden einen fenfrecdhten Strid) madt. Wenn alle Spieler fechs haben, alfo feiner mehr bieten darf, geht alfo das befte Herz zuerft aus, dam das befte Laub ufm., nicht etwa als zweites, das zweitbefte Herz. Hat nur ein Spieler fechs, die anderen aber 3. B. fnf, fann es pffieren, da die, die fnf haben, vor dem, er lechs hat, ausgehen, wenn ihnen eine gebotene Figur gehalten wird und fie fie machen. Auch in diefem Falle gebt das Vor- gebotene unbedingt aus, auch wenn ber, ber fechs hat, das Herzas befibt. Praftiihes Beilpiel: Drei Spieler bieten einen halben Liter Wein aus, und zwar geht es zweimal auf fieben; der jeweilige Verlierer hat ein VBiertele Wein zu zahlen. (Man fagt, man Ipielt eine Halbe Wein aus, zu fieben ein Biertele.) A gibt an: Beim erjten Gang haben erhalten: B den Eicheltnig, Eichelneuner und Eichelfiebener; CE das Laubas, Herzober und Scellgehner; AM Laubfnig, Schelffnig und Herzunter. 8 hat die VBorhand und fpielt den Eichellnig aus, E gibt den Schellzehner zu und jagt gar nichts, weil er mit feinem guten Raub und guten Herz lieber abwartet, bis ein anderer etwas bietet. A, der aud) Jchne Herzen und Lauben in der Hand hat, wird, bevor er eine Karte hinunterlegt, feine Laub bieten, die E mit dem As natrlich anfhaut, darauf gibt A den Schellfnig zu, er fnnte auch den Herzunter oder den Laubfnig zugeben, wrde fich aber dadurch nur feine Karte verraten. Nun gehrt der Stich, da niemand den Eichelfnig geftochen hat, dem B; diefer wird nun, da ja feine zwei Eleinen Eichel, die er noch in der Hand hat, "Bde, das heit, unberftechlich find, Spiel bieten, bevor er 2* 19 noch eine Karte ausmwirft. Das Spiel, das heit den legten Stich, glauben natrlich Die beiden anderen Spieler mit ihren hohen Karten zu machen und fchauen es an, worauf 3 den Eichelneuner ausfpielt. G, der nun an die Reihe tommt, wird, bevor er zugibt, mit feinem SHergober das Herz bieten, das wiederum WU, der den Herzunter hat, an- fehaut; darauf erft gibt er den Herzober zu und behlt fich das Qaubas, mit dem er dent U, der Die Laub ja geboten bet, noch einen Grofchen in die Qaub geben fann und ber: dies noch das Spiel zu machen hofft, zurd. U bleibt nun nichts anderes brig, als den Herzunter zuzugeben und fid) auf feinen Zaubfnig zu verlaffen. Mit feinem Eichelneuner ift B nun wieder im Stich) geblieben und Ipielt weiter feinen Eichelachter aus (den fleinen Hanger Eichelneuner, Eichel: echter zu bieten, hat in diefem Fall gar feinen Wit). EC fieht run, da er mit feinem LZaubas das Spiel nicht machen kenn und gibt jebt dem A im Laub einen Grofehen, den A mit feinem Knig anfchaut, hauptjchlich deshatb, weil erst die erfte Runde im Spiel gefpielt wird; wrde 3. B. diefer Fall in der zweiten und der dritten Runde vorfommen, wo der E fchon drei oder vier Gutpuntte hat, fo wrde der A, weil er ja mit feinem Knig nicht ganz ficher ift, den Grofchen bei zwei gut fein laffen, damit der andere nicht ausgeht. & Legt dann fein Zaubas auf den Tifch und A mu fi) mit feinem Knig als gefchlagen befennen. Nun ift dus erjte Spiel fertig und der Schreiber, der verlangen mu, da die Karten ruhig auf dem Tifch Tiegen bleiben und nicht voreifig aufammengemworfen werden, beginnt der Reihe nad) bei den Spielern die gemachten Butpunfte feitzuftelfen. Alfo der ausfpielende B macht zwei fr das angejchaute Spiel (er hat den lebten Stich gemacht) und eines im 20 Hanger (Eichelneuner und Eichelachter), weil feiner der anderen einen Hanger hat. Zufammen aljo drei. E jchreibt zwei im Herz mit dem Herzober (U hat das Herz mit dem Herzunter angefchaut, aber nicht gemacht) und drei im Laub, weil E mit feinem Laubfnig nicht gegangen it. Alfo zufammen fnf. A Ichreibt mit feiner jchnen Karte weder das Herz nod) das Laub, fondern mit feinen zwei Knigen (Schellfnig und Zaubfnig) nur eins im Gleich. (Er hat das gar nicht ges boten, weil er lieber warten wollte, bis vielleicht ein anderer mit zwei Unter oder Ober bietet, da htte er dann einen Grofchen geben fnnen. Da aber fein anderer ein Gleich befa, fohreibt er einfach ftillfeyweigend eins.) Der Spieler, der die Schrift fhrt, hat mit Kreide auf eine Feine fehwarze Tafel drei Kolonnen gemalt, die Namen der Spieler B, , U (fi) felbjt als Schreiber am Schlu), bezw. die Anfangsbuchltaben Derfelben darber gefchrieben und das ganze mit der groen Ziffer 7 gefrnt, die anzeigt, da das Spiel auf fieben ausgeht. Nun fchreibt er den Spielern die gemachten Punkte auf, bezw. fet fie in die betreffende Kolonne. Alfo: 8 3, E5 und A. Nun beginnt die zweite Runde, die B angibt, fo dab CE diesmal die Vorhand hat. Es haben Karten: E Zaubneuner, Schellneuner und Schellachter; AM Herzas, Zaubzehner und Echelffiebener; B Herzober, Eichelas und Eidyelneuner. Da ichon fnf PBunfte hat und das Spiel auf fieben ausgeht, drfte er nur mehr eine Figur bieten; er wird aber mit feiner niederen Karte, weil er ein Gleich und einen Hanger in der Starte hat, gar nichts jagen, fondern einfach ausfpielen, Da er zwei Schellen hat und man zwei von einer Farbe nicht gern auseinanderfpielt, weil man damit unter imftnden 21 Spiel maden Eann, fpielt er den Zaubneuner aus. Da A nur den Zaubzehner hat und natrlich nicht wei, ob B in der SHinterhand mit einer hheren Laub pat und einen Grofchen gibt, wenn er die Laub bietet, wird er am beiten gar nichts lagen und einfach den Zaubneuner mit feinem Laubzehner ftechen; CE wird dann feinen Eichelneuner, mit dem er fich doc) feinen Gtich verhofft, zugeben. U, der mit dem Laub zehner im Stich geblieben ift, fpieft nun, ohne etwas zu jagen, feinen Schellfiebener aus, er hat ja Zeit, mit feinem Herzas zu paffen. B nun, der jet an die Reihe fommt und gezwungen ift, auf den Schellfiebener des A entweder das Eichelas oder den Herzober zugugeben, wird nun fein Herz bieten; G, der als erfter antworten mu, jagt: Sch habe feines! oder: Es ift gut! U aber mit feinem As gibt dem 3 einen Grojchen, den B mit feinem Ober, weil er meint, A will ihn vielleicht jagen, anfchaut. Da nun B wei, da dem U feine dritte Karte ein Herz fein mu, und da U mit feinem Schellfiebener noch immer im Stich, und Daher die Mglichkeit vorhanden tft, dab ihm der Stich wirflich bleibt und fomit feine Herz dann auswerfen mu, wird daher nicht den Herzober, fondern das Eichelas zugeben; E fticht aber nun mit dem Schellachter den Schellfiebener und wirft, ohne etwas zu fagen, feinen Schellneuner aus; er fann fi das leiften, denn er braucht nur mehr zwei Gutpunfte, die er in Gleih und Hanger ftillfehweigend zu machen hofft. Die anderen zwei Spieler jehen nun, da fie das Spiel, das heit den le&ten Stich, nicht mehr machen fnnen, da fie beide feine Schell mehr haben, und fagen deshalb Spiel gut! Jet dreht fich der Kampf nur mehr um das beffere Herz zwilhen A und B. U geht natrlich mit feinem As als Sieger hervor und macht feinen Grofchen. 22 B fchreibt diesmal gar nichts und befommt dafr auf der Tafel einen horizontalen Strich (ein fogenanntes Bantl); E hat ein Gleich (Laubneuner und Schellneuner) und einen Hanger (Schellneuner und Schellachter), find zwei, und madit noch dazu den lebten Stidy und damit das Spiel, er fchreibt alfo im ganzen drei und ift fomit, da er fchon fnf gehabt hat, aus, hat gewonnen und braucht nicht mehr mitzu- jpielen. U fchreibt eins in Laub, da er die hdjfte Karte, den Zehner, in diefer Farbe hat, und drei in Herz mit dem Herzas, da 3 den Grofchen, den er ihm gegeben hat, ange= fchaut bat; alfo im ganzen vier. Die in den einzelnen Spielen gemachten Punkte werden auf der Tafel unfereinander gefchrieben und erft am Schlu des ganzen Spieles zufammengezhlt. Nun fpielen nur mehr A und B miteinander. Da aus ift, gibt U die Karten aus. B erhlt Eichelneuner, Eichel: aditer und Herzachter; U Laubas, Raubachter und Schell- fnig. 3 fpielt den Eichelneuner aus und jagt gar nidjts; da U den Laubachter zugibt und B nun weiter im Stich bleibt, wird B, da er erft drei Punkte in der Schrift hat, anfangen zu bieten; alfo bietet er fein Gleich (Herzachter und Eicheladhter) Towie feinen Hanger (Eichelneuner und Eichel- ochter). Da U feine diefer beiden Figuren befigt, mu er beide gut fein und feinem Gegner zwei Gutpunfte fchreiben laffen. B, der nun auch fnf bat, jet nun alles auf eine Karte und bietet, vor er noch ausmirft, das Spiel. Er Lal- fuliert dabei folgendermaen: Hat A zu dem Laub, das er auf die erfte Karte zugegeben hat, eine hhere Herz als fein eigener Achter ift, fo ift er (B) immer verloren; denn dann macht A in Herz und Laub je eins und ift Damit aus, Es fanin aber auch der Fall fein, da U gar keine Herz hat; 23 in diefem Fall ift B immer aus, ganz gleichgltig, ob A das Spiel haltet oder gut fein lt. Haltet X nmlich das Spiel, fo madt es 3 fier, da A ja weder den Eichelachter noch den Herzacter ftechen kann, und B madit zwei und ift aus. Lt A das Spiel gut fein, dann hat B damit fechs und nod) die Herz, die auf alle Flle vor dem Laubas des Gegners ausgeht. A kann mit feiner guten Karte, obwohl er fchon fnf hat, in diefem Fall gar nichts machen, denn, wie gejagt, ob er das Spiel anfhaut oder gut fein lt, ift er immer verloren, weil er nur eine Figur, nmlich das Laub, macht, whrend fein Gegner B Gleich, Hanger, Spiel und Herz und damit mindeftens vier Gutpunfte hat und damit ausgeht. Ja fogar wenn A fchon fechs gehabt htte, btte ihm, wenn 3 richtig fpielt, fein Laubas nichts ge nt. B darf in dem Falle (wenn U fchon fechs hat) nur nicht das Herz bieten. Wenn er unadtfam ift und fchlecht fpielt, indem er ftatt vorher Gleich, Hanger und Spiel zu bieten, das Herz bietet, ift er aber verloren, denn dann geht dem A jein Laub vor dem Gleich, Hanger oder Spiel aus. . A hat aljo das Spiel verloren und befommt ein Noggerl oder Bummerl, das ist eine kleine Null neben seinem Anfangsbuchstaben ober der Kolonne, was so viel bedeutet, da er ein Viertel Wein zu zahlen hat. Das zweite Viertel Wein wird dann auf dieselbe Weise ausgespielt. Beim zweiten und folgenden Spiel gibt dann der Spieler an, der rechts vom Verlierer ist, damit diefer die Vorhand hat. 1 Das Bieten mit dem MWeli, lim das Bieten fomplizierter und interefjanter zu geftalten, wird vielfach auch mit dem fogenannten Weli gefpielt. Es find dann ftatt 32 Karten 33 im Spiel. Der Welt, eigentlich 24 Scheltfechfer, Schellmeli . genannt, unterfcheidet fi fchon uerlich von den anderen Karten; es find auf ihm nicht nur jechs Schellen, fondern nod) dazu eine Eichel und ein Herz, aber fein Qaub abgebildet. Am oberen Rand der Karte fteht in groen Buchftaben das Wort Welt, daher pricht man auch von einem geichtiebenen* Weli. Der Welt ift beim Bieten eine Art Univerjalfarfe, das heit, derjenige, der ihn im Blatt hat, fanri ihm, je nad Belieben, die Be- deutung einer anderen Karte beilegen, er fann ihn gu jeder anderen Karte machen, er fann ihn taufen, wie man fagt. Die Nafurkarfe (Originalfarte), zu der man ihn fauff, ift und bleibt aber unfer allen Umftnden hher und fliht den Deli. Alfo wenn man 3. 3. den Welt in der Hand hat und ihn zum Herzas gemacht hat, fo ift diefes getaufte Herzas wohl beffer als der Herzknig, aber nicht beffer als das Herzas. Die Naturfarte (Driginalfarte) ift alfo dem Weli gegenber immer hher. Beim Bieten mit dem Welt ift folgendes zu beachten: Wird der Weli von dem zum Abheben Berechtigten (alfo dem vom Sartengebenden rechts Sitenden) abgehoben, jo darf er ihn herausheben und behalten. Er befommt dann beim weiteren Geben nur mehr zwei Karten. Man kann mit dem Weli natrlich jede gebotene Figur anfchauen, da man ihn ja zu jeder Farbe machen und ihm jeden Rang geben fann. Man mu aber dann, und das ijt fehr wichtig, den Welt auch zum Madhen der angefhaufen Figur oder Farbe benuben. Es fei denn, da man die ge- botene Figur nochmals in der Hand habe, Wenn man eine gebotene Figur mit dem Weli gut fein gelaffen hat, darf man fie hinterdrein natrlich nicht mehr machen. Ein Bei: ipief wird das beffer verftndfich machen. 25 Alfo fagen wir, es wird zu dritt gefpielt und MX Hat den Weli, den Schellneuner und den Laubneuner; B hat Herz unter, Zaubzehner und Eichelunter und E hat Herzas, Eichellnig und Schellfnig in der Hand. U hat gegeben und 8 fpielt den Eichelunter aus; E fagt nichts und fticht mit dem Eicelfnig; nun fnnte A ja ohne weiteres den Eicheltnig mit feinem Weli ftechen, wenn er diefen in die Eichelas verwandeln wrde. A wird das aber nicht tun, fon dern den Schelfneuner zugeben und abwarten, was C aus wirft, da A ja hofft, mit dem Weli, den er ja auch zu Herz oder Zaub taufen und beim lebten Stich in eine gute Karte verwandeln kann, in der Hinterhand mehr zu profitieren. Es bleibt alfo mit feinem Eichelfnig im Stich und wirft nun, weil er mit feinem Herzas paffen will, den Schellfnig aus. Nun ift U faft gezwungen, etwas zu bieten, und er wird, bevor er zugibt, das Laub bieten; wird das Laub angefchaut, jo fann er mit dem Weli das Laubas machen, wird es gut fein laffen, har er ja den Laubneuner in der Hand, mit dem er das Necht hat, die Laub zu bieten. Alfo A bietet mit feinem Neuner das Laub und verlangt ven B Antwort; 8, der nur den LQaubzehner hat, wird. das Laub gut fein laffen, ebenjo , der gar feines in feiner Karte hat. Nun gibt A feinen Laubneuner zu und B feinen Laubzehner, um nicht feinen Herzunter zu verraten. C, ber das Herzas als unberftechliche Bodtarte in der Hand hat, fommt nun als Stichhabender zum Ausipielen, bevor er jedoch ausfpielt, wird er Spiel oder Herz bieten; was er auerft bietet, ift in diefem Falle Gefchmadsjache; alfo fagen wir, er bietet zuerft das Spiel; das wird A mit feinem Welt, den er ja zu einem beliebigen As machen fanni, felbjtvers ftndlich anfchauen. Darauf bietet C weiter, ohne auszu 26 Ipiefen, feine Herz, die A natrlich mit dem Weli auch enihaut. Dann erjt fpielt E fein Herzas aus. U fieht num, da er mit feinem Weli verloren ift, denn er fan mohl such ein Herzas machen, das aber fchlechter ift als das naturige, das heit, das Driginal-Herzas des C. A wird daher jet noch, bevor er feinen Welt auf den Til Tegt oder herzeigt, tradhten, eine Figur zu bieten, die er noch machen kann, und das tft in Diefem Falle das Gleich; denn wenn er auch mit dem Welt das gebotene Herz angefchaut bat und daher mit dem Weli unbedingt ein Herz marhen mu, bringt er mit dem Weli als Herzneuner drei Neuner aujammen, Die bejjer find als die zwei Knige des . Er wird aljo das Gleich bieten; B, der zuerft Antwort geben mu, wird es mit feinen gmei Untern, die ja ohnehin [don Ihlechter find als die zwei Knige des GC, felbjtverjtndlich nicht anfchauen und auch E wird es tro feiner zwei Knige gut fein laffen; er braucht fich nur folgendes vor Augen zu fhren, um gu Diefem Entichlu zu fommen: A hat zuerfi das von ihm, dem , gebotene Spiel und dann das ge botene Herz angefchaut, infolgedeffen hat er ficher eine hohe Herztarte in der Hand; da A mit dem Herzneuner Spiel und Herz anfchaut, ift ganz unwahrfceinlich, infolgedellen lges naheliegend, da A den Weli hat, mit dem er fid) ja, wie man fagt, wenden fann, indem er entweder baniit das Herzas oder den Hergneuner madt. Schaut nun C mit feinen awei Rnigen das Gleih an, madht A mit feinem Welt drei Neuner und [chreibt Damit zwei Gutpuntte. Lht hingegen das Gleich gut fein, fo fchreibt AU nur eins im Gleich, denn er kann mit feinem WWeli, den er zu einem Herz machen mu, feine andere Figur mehr zufammenbringen. Wre aber 3. 2. fein Weli noch frei, oder htte er anllait 27 dem Schellneuner 3. B. den Herzneuner in der Hand, fo fnnte er, wenn das Gleich gut gelaffen ift, mit dem Melt immer noch den Herzzehner, und damit einen Hanger machen. Man erjieht daraus, da es meiftens vorteifhaft t, fich - mit dem Welt nicht fchon gleich am Spielanfang zu binden, fondern etwas zugumwarten; hat man zum Welt dazu ein eines Herz oder Laub, jo fpiele man es getroft als Lod- vogel aus, vielleicht bieten es dann die anderen und man fann einen Grofchen geben; ift aber in diefem Fall das Driginal-Herz: oder Zaubas im Spiel, verliert man natrlich tro dem Weli die Figur, hat aber noch immer die Mg- lichkeit, zur Eleinen Herz oder Laub mit Dem Weli ein Gleich oder einen Hanger, oder gar beide dazuzumaden. 3. 8. _ man hat Laubrreuner und Herzachter und den Welt, Laub und Herz find geboten und man hat beide angefchaut; da aber Herz: und Laubas im Spiel find und man daher mit dem Weli feine von diejen beiden Figuren madt, tauft man den Welt zum SHerzneuner, bringt fomit ein Gleich und einen Hanger zufammen und macht auch zwei Punkte, Roc mehr bluffen- fann man mit Welt und 3. B. einer mittleren Herz in folgendem Fall. Sagen wir, A hat den Welt und den Herzunter in der Hand, B den Herzgtr; 3 bietet fein Herz und U fchaut es jelbftverftndfich- an. Wenn nun B feinen Herzober ausfpielt, gibt man. rufig den Herzunter gu und fann ihm nun im geeigneten Mo- ment (wenn man fich vergemiffert hat, da das As nicht im Spiel ift) mit dem Welt einen Grofchen geben. Wird--der - Grofhen angefchaut, fchreibt man drei, wird er gut. jein .gelaffen, zwei und der Weli wird frei und fan zum Madjen einer anderen Figur, insbefondere zum Spiel, benubt werden. 28 Wil man mit dem Weli das Spiel, das ift den legten Stich, machen, mu man jehr darauf achten, da man die richtige Farbe hat; denn zum Spielmachen und um es in der Teten Runde bieten zu fnnen, mu man unbedingt die Farbe der am Beginn der lebten Runde ausgefpielten Karte haben und mu whrend der frheren zwei Runden immer richtig Farbe befannt haben. Alfo jagen wir, B Hat am Beginn der zweiten Nunde das Eichelas ausgefpielt, E hat eine fleine Schell und X, der den Weli und den Herzzehner in der Hand hat, den Herazehner zugegeben. Nun bietet B das Spiel und A geht natrlich mit dem Welt nicht. Wenn nun B 3. B. noch eine Kleine Eichel hat, fann U mit feinem Weli nie das Spiel machen, weil er auf den vorlekten Stich, wo das Eichelas ausgefpielt wurde, fein Eichel zugegeben, euch den Weli zu feinem folden gemadt, und aljo defla= tiert hat, da er mit dem Weli auf das Eichelmachen ver- sichtet. Wohl aber fnnte er das Spiel maden, wenn 8 eine andere Farbe, Schell, Herz oder Laub, ausfpielt und die betreffenden Natur-(Driginal)-Affe nicht im Spiel find. Selbjtverltndlih darf AU im obigen Fall auch nicht das Spiel bieten, wenn B einfach, ohne etwas zu jagen, bei Be- ginn der leten Aunde feine Eleine Eichel auswirft; in diefem Falle wird der Welibefiger vom Schreiber um eine Anzahl von vorher bejtimmten Gutpuntten geftraft. Fr den Bieter ift es ein groer Vorteil, fi) die Karten, die im Spiel find, einigermaen zu merken, nachdem Die Wahrfcheinlichkeit ziemlich gro ift, da amei oder drei beieinanderliegende Karten auch durd) Mifchen und Abheben nicht auseinanderfommen. Wenn alfo in der erfien Runde 3. 3. ein Spieler den Herzlnig und das Herzas in feinen 29 drei Karten gehabt hat und das zweite Mal befonme ich den Herzfnig, jo werde ich mich hten, mit dem Herzfnig das Herz zu bieten oder anzufchauen, weil ich faft mit Sicherheit annehmen fann, da fi das Herzas im Spiel befindet. 30 Das Spisbieten. In einigen Gegenden des Dberinntales wird ein noch tompfizierteres Bieten gefpielt, als es das mit dem Weli ift. Man heit diefes wenig verbreitete Spiel das Spit- bieten. Es unterfcheidet fich vom Bieten mit dem Weli da- durch, da auer dem Weli noch zwei andere Karten, und zwar der Schelle und der Eichelfiebener, die fogenannten Spite, in eine beliebige Karte getauft und verwandelt werden fnnen. Die Rangfolge bdiefer drei wandelbaren Univerfalfarten ift unter fid: Weli, Schellfiebener, Eichel: fiebener. Die Natur-(Driginal-)Rarte ift aber auch hier beffer. Diefes fchwere und jelten mehr gefpielte Bieten ift eigenifich mehr ein Berlaggen mit drei Karten. (Siehe dort.) ne 5 31 Das Watten.W Zu den in Tirol, insbefondere am Lande, beliebteften Kartenipielen gehrt das Watten, ein uraltes, ziemlich ein- faches Rutjcherjpiel, das zu zweit, gewhnlich aber zu viert, gefpielt wird. Auch gemattet wird, wie geboten, nie um Geld, fondern um das Getrnk, gewhnlich einen Liter Wein, den die verfierende Partei zu zahlen hat, der aber gemeinfchaftlich getrunfen wird. Das Watten wird mit 32 deutichen Karten gefpielt. Das Watten zu zweit. Wie beim Bieten, wird aud) beim Watten um das Geben abgehoben; wer die niederfie Karte abhebt, gibt an (Us ift nieder). Seder Spieler befommt fnf Karten, und zwar auerft zwei und dann drei. Beim Watten gibt es nur eine Figur, und das ift das Spiel. Zum Unterjchied vom Bieten, wo ber das Spiel hat, der den legten Stic macht, gewinnt beim Watten der das Spiel, der von den fnf Stichen drei madjf. Der Spieler, der beim Watten Vorhand hat, alfo zum Ausfpielen fommt, fagt ben fogenannten Schlag an, das beit, er beflimmt aus feinen fnf Karten, die er in der
W von "wattn" (hat) [ladin. batte(r)(kmpfen, schlagen); die Dolomitenladiner sagen noch heute zu diesem Kartenspiel battad; w deshalb durch das b ersetzt, weil das im Mittelhochdeutschen vielfach so gehalten wurde. 32 I | Hand hat, unabhngig von der Farbe, eine Rangfategorie (As, Knig, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Achter, Siebener), die dann fr Diefes Spiel hochwertiger ift als alle anderen Karten. Hat man von einem Rang zwei oder mehrere, allo bat man in feinen fnf Karten zwei oder mehrere Affen ujw., fo wird man felbitverftndfih diefe zum Schlag machen, und zwar wird man da immer die niedrigjten Werte whlen; hat man 3. B. zwei Giebener und zwei Alfen, fo wird man die Giebener zum Schlag machen, weil ja die Mile ohnehin gute Karten find, mit denen man Stiche zu maden hofft. Hat man, was nicht felten vor- tommt, als Schlaganfagender nicht zwei Karten berfelben Ranghhe, fondern fnf von verfehiedenen Rngen in der Hand, tut man am beiten, die niederfte Karte, alfo wenn man einen bat den Giebener, als Schlag anzufagen. Hat der Borhandhabende feinen Schlag angefagt, dann fagt der, der die Karten ausgegeben hat, Trumpf an, das heit, er beftimmt von feinen fnf Karten, die er in der Hand hat, eine Zarbe, die Trumpf t; er wird in den meiften Fllen die Farbe whlen, von der er die meijten und Tchnften Bltter in der Hand hat. Hat jedoch der Trumpfanfager auch einen Schlag in feiner Karte, alfo find 3. B. die Neuner Schlag und bat der Trumpfanfager den Zaubneuner und no eine fchne Laub dazu, fo ift zu berlegen, ob er Laub Trumpf machen foll, aud) wenn er 3. 3. drei mittelmige Herzen in feiner Karte htte. Man nennt das beim Rechten bleiben. Denn der Trumpfichlag, in diefem Falle der Laubs neuner, aud) der Rechte genannt, ift die hchfte Karte im ganzen Spiel. Er fticht alles. Nach dem Schlag: und Trumpfanfagen ift die Reihen- folge des Wertes der Bltter folgende: 3 33 1. Die hchfte Karte ift der Trumpfichlag, aud) der Rechte genannt, in diefem Falle der Laubneuner, er fticht alles, auch die anderen Schlge und alle Trmpfe. Wird der Rechte ausgejpielt, mu Trumpf zugegeben tverden, jofern man einen hat; man fann alfo, wenn man XAusjpieler ift, mit dem Rechten Trmpfe hofen. Schlge brauchen nicht zu= gegeben werden, wenn der Rechte ausgefpielt wird. 2. Nach) dem Rechten folgen die drei mit ihm gleich hohen Rangfarten, unabhngig von der Farbe, die fie zeigen; die Schlge find in diefem Falle alfo die drei Neuner; fie find untereinander gleichwertig und fhren auch den Namen die Blinden. Ein ausgefpielter Blinder fan nur vom Redten, nicht aber von einem anderen Blinden geftochen werden; gleichgltig, ob 3. B. beim le&ten Stich) der Gegner auch noch einen gleichwertigen Blinden in der Hand hat. Die drei Blinden find Hochwertiger als jeder Trumpf und ftechen jeden Trumpf. 3. Die Trmpfe. Das find Karten ber vom Ausgeber als Trumpf (Atout) beftimmten Zarbe, nach ihrer Rangordnung Us, Knig, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Uchter, Siebener, die alle Karten der anderen Farben, mit Ausnahme ber Schlge, ftechen. Es dreht fih nun darum, mglichft viele Stiche zu machen, wer drei Stiche macht, ift Sieger. Dabei ift zu beachten: Dat beim Watten nit berffohen werden mu. Es ift alfo Lajchieren geftaftet. Trumpf zugegeben, alfo Farbe befannt, mu nur werden, wenn der Trumpfidlag, der Redjte oder fonft ein Trumpf ausgejpielf wird. 34 Wird ein blinder Schlag ausgefpielt, braucht meder Trumpf nod Farbe befannf werden, au) beiteht feine Ber- pflihtung, in diefem Falle mit dem Rechten zu ftechen. &s braudt aud) fonff nihf Farbe befannt zu werden. Aud beim Watten wird wie beim Bieten gebofen; da es nur eine Figur, bas Spiel, gibt, dreht fi) beim Watten alfes um diefes. Hat ein Spieler nach dem Schlag: und Zrumpfanjagen fo gute Karten in der Hand, da er glaubt, Tier drei Stiche. zu machen, fo bietet er fofort das Spiel, bietet alfo dem Gegner zur Wette an, da er drei Stiche macht. Der Gegner mu fofort Antwort geben; hat er fchne Karten, alfo Schlge und Trmpfe, fo geht er nicht, Ichaut elfo das Spiel an; hat er fchlechte Karten, fo fagt er gut und das Spiel ift fehon fertig, bevor es eigentlich ange fangen hat. Der, dem das Spiel gut ift, befommt gwei Punkte gutgefchrieben, und ein neues Spiel beginnt, bei dem jebt Die Nollen vertaufcht find; der, der frher Schlag angefagt bat, gibt die Karten aus und fagt, nachdem der jet VBorhandhabende Schlag angelagt hat, Trumpf an. Wird jedoch das Spiel gehalten oder angefihaut, fo beginnt das Spiel; Dabei wird aber jeder Stich vom Stedjen- den eingezogen und nicht, wie beim Bieten, die Karte offen auf dem Tifch liegen gelajfen. Sieht der Gegner, der das Spiel angefchaut hat, im Verlaufe des Spieles, da er drei Stiche fiher madit, jo gibt er einen Grofchen, das heit Drei, wie beim Bieten, den der andere entweder gut fein laffen, balten oder noch weiter fteigern fann, indem er Wier (fo- viel wie Nefontra) gibt. Diefe Steigerung fanin bis Steben und bis zu Spielaus fortgefet werden. Meiltens wird aber beim Watten nicht gleich am Spiel: beginn fchon geboten, fondern zugemartet, bis eine oder die 3* 35 andere Partei einen oder zwei Gtiche hat; bei diefer Ge- Tegenbeit lt fich natrlich oft auch mit nichts etwas madhen; man fann einen furchtjamen Gegner bei diefem Spiel leicht jagen (bluffen). Im brigen ift aber das Watten zu zweit ein ziemlich harmfofes Spiel, bei Dem ficher der gewinnt, der die befjeren Karten befommt. Hat einer der Spieler drei Schlge und darunter den Rechten, fo mu er, wenn er nicht ganz dumm fpielt, unbedingt drei Stiche machen; ebenfalls hat er faft fiher drei Stide mit dem Rechten, einem Blinden und einem guten Trumpf. Es ilt daher das Watten zu zweit nicht bejonders intereffant und wird auch nicht mehr allzu- hufig gefpielt. Das Walten zu viert. Ganz anders ift es mit dem Matten zu viert, das das Zeibjpiel der Tiroler Bauern geworden ift. Die Regeln find diefelben wie beim Watten zu zweit, nur da eben vier Mann |pielen, von denen je zwei, die fi) freugweile gegen- berfigen, zufammenfpielen und tradhten, gemeinfam Die zum Gewinnen ntigen drei Stiche zu machen. _ Ein Moment verleiht aber dem Watten zu viert, wie aud dem fpter zu beichreibenden Perlaggen eine ganz befondere Note und unterjcheidet diefe typijchen Zirofer Spiele von allen anderen Kartenfpielen der Welt. Whrend nmlich beim Tarod, Whift ufw. Die zwei zufammenjpielenden Part: ner, die zwei DVerbndeten, volles Stillfchweigen bewahren mffen und einander nicht mitteilen oder durd) Zeichen zu ver- ftehen geben drfen, was fr Karten fie in der Hand haben, it das beim Watten ohne weiteres erlaubt. Sa, es ift nicht nur erlaubt, fondern gehrt fogar zur Regel, da man feinem 36 Partner fofort durch Zeichen zu verftehen gibt, ob man 3. B. den Trumpfichlag, den Rechten oder blinde Schlge, und wieviel davon, ob und was fr Trmpfe man im Blatt hat. Diefes Deuten, wie man es heit, verleiht dem Spiel einen ganz eigenartigen Charalter, es ift weniger mehr ein ftummes Kartenfpiel, wie 3. B. Tarod, bei dem mglichit wenig gejprochen werden foll, fondern ift mehr ein unge- niertes gegenfeitiges Hin und Herreden, da man ja aud) jederzeit feinem Partner laut jagen fann, was er tun foll, Der Hauptwig beim Deuten ift, wie man beim praftifchen Spiel bald darauffommen wird, der, da man feinem Bartnier die Karte, von der man ihm mitteilen will, da man fie befit, mit einer Gefte anzeigt, Die womglich feiner der Gegner fieht. Man beutet alfo auf keinen Fall, wenn man die Augen der Gegner auf fich gerichtet fieht. Da das fchnelle und unauffllige Deuten gelernt fein mu und eine gewilfe Routine und Schlauheit erfordert, wird das Matten zu einem fehr fubjeftiven Spiel, bei Dem nicht nur die guten Karten, fondern auch die perfnliche berlegenheit in bezug auf das Deuten und Beobachten den Ausfchlag gibt. Nah altem Braud und berlieferung gibt es beim Watten fr das Deuten der Schlge beftimmte Zeichen, und zwar zeigt man feinem Partner den Befik des Trumpf- ichlages, des Rechten, an, indem man mit beiden Augen nach oben jdielt, alfo einen fogenannten Augenauffchlag mad}. Die Blinden, alfo die anderen drei Schlge, deutet man, indem man mit einem Auge blinzelt; jo oft man blingelt, to viele Schlge hat man. Hat man Trmpfe, fo zeigt man das mglicft unauf- fllig, indem man einen oder mehrere Finger einer Hand 37 ausftredt. Der Daumen bedeutet da das Us und der Zeiger und Mittelfinger die mittleren Trmpfe ab flnig; trom: melt man mit dem Eleinen und Ningfinger nur fo leicht bin, fo bedeutet Dies, Da man nur unbe- deutende Lleine Trmpfe befit. Im brigen farin jeder Spieler auch ganz ungeniert jederzeit fragen, ob er eine ausgeworfene Karte flicht, ob er einen Trumpf oder Schlag bineingeben foll ufw. Hat man weder einen Schlag nod) einen Trumpf, fo zeigt man dies an, indem man mglidjt unauffllig mit dem SKopfe fchttelt wie beim Neinjagen. Man heit das abdeuten. Ein praftifches Beifpiel wird das leichter verjtndlich machen. Wenn vier Mann watten, wird zuerft zufammengehoben, das heit, jeder der vier hebt eine Karte ab, die zwei, Die die gwei niederjten Karten abgehoben haben, und jene, die die zwei hchften Karten abgehoben haben, bilden eine Partei, man fagt, fie fommen aufammen. Wurden gleich hohe Karten abgehoben, }o wird geftrichen, das heit, die gleichen Karten werden mweggeichoben und die darunter liegende gilt. As gilt auch hier, wie beim Bieten, als niedrigfte Karte. Einer von der Partei, die die niedrigen Karten abgehoben bat, gibt das Spiel an, nachdem zuerft ausgemacht wurde, auf wieviel Punkte das Spiel gefpielt wird. Gewhnlich Ipielt man zweimal auf 15 und lt es jedesmal eine Halbe Wein gelten. Die Partei, die alle beidemal verfpielt, das heiht alle beidemaf |pter als ihre Gegner die Summe 15 erreicht, ift verloren und zahlt den ganzen Liter Wein, Der aber von allen vieren gemeinfam getrunfen wird. Geminnt jede Partei einmal, fo fagt man, man hat ein Bruderfpiel und jeder von den vieren zahlt ein Viertel Wein. 38 Gegeben wird, wie beim Bieten, nad) links hin, und gwar gibt man jedem guerft zwei, und dann drei Karten; doc {ft hier das Geben von zuerft zwei Karten feine jtarre Regel, da 25 in manchen Orten blich ift, zuerft drei Karten au geben. Der Iinfs neben dem Geber A fiende Spieler 8 fagt Schlag an, der Geber felbft Trumpf. Um verjcies dene Unannehmlichleiten zu vermeiden, ift allgemein ein- gefhrt und gilt als Spielregel, da die reftlidien zei Spieler, alfo E, der Partner des U, und D, der Partner des B, die Karten erjt anfchauen drfen, wenn B und A Schlag und Trumpf bereits angezeigt haben. Man ver- meidet Dadurd, da D dem B 3. B. vorzeitig andeutet, was er (B) Schlag anfagen foll; das htte natrlich fr die Partei B-D groen Wert, wenn 3. . D zwei oder drei Achter ufw. in der Hand hat, whrend B nur von jedem Wert eine Karte in der Hand hat und nicht wei, ob er feinen Partner erratet, wie man fi ausdrdt. Sft ein mal Schlag und Trumpf angefagt, fo beginnt mglicft fo, da Die Gegner nichts merken, das gegenfeitige Deuten. Da der Schlaganfagende ausfpielen mu, ift es fr ihn natr- lich von groer Bedeutung, mglichft genau zu wilfer, was fein Kompagnon D in der Hand hat; es ift Daher unbedingt notwendig, da der Partner des Schlaganfagenden mglichjft tajch anzeigt, was er hat. Sehr hufig ift es der Tall, da der Schlaganjagende zwei Schlge und darunter den Rechten bat; deutet ihm dann fein Partner auch nod) an, da er einen Schlag hat, fo fnnen fie das Spiel, wenn fie nicht genz fchlecht fpielen, gar nicht mehr verlieren. Sie fnnten nun gleich von vornherein Drei bieten, oder einmal zuwarten. 3 wird alfo einmal zuerft. da ja jedes Neden und Fragen erlaubt ift, feinen Bartner D fragen, was er auswerfen foll; 39 in diefem alle ift es aber gar nicht heifel, was er wirft. Yu fr EC ift es ziemlich gleichgltig, was er tut, denn A, fein Partner, der Trumpf angefagt hat und daher aud) einige davon haben wird, in der Hinterhand ift. Alfo E gibt zu und D fticht auf Gehei von 3, der ihn mit den Worten: Benn du einen Blinden haft, tuft ihn eini! ermuntert, mit feinem Blinden. A bleibt nun nichts anderes brig, als zus zugeben, denn er fanin weder mit einem anderen Blinden noch mit einem Trumpf den Blinden vor ihm ftechen. Die Partei BD hat alfo den erften Stich und D fommt zum Ausipielen. Bei einem fo aufgelegten Spiel, denn B madt mit feinem Rechten und Blinden noch beftimmt je einen Stich, bietet nun B=D felbjtverftndlich Drei oder das Spiel, das die Gegenpartei fehr wahrfcheinlich gut fein Tt. Sit das Spiel gut, wird nicht mehr weitergefpielt, die Karten aufammengemorfen, der |[pielhabenden Partei zwei Buntte gutgeichrieben und neu ausgegeben. Das Geben |chreitet immer in der Runde nad linfs hin fort, fo da alfo das zweiternal CE Schlag und B Trumpf anfagt. Wenn vier gute Spieler beifammen find, die gerne jagen und fich insbejondere durch falfhes Deuten gegenfeitig irre- zufhren trachten, ift das Watten ein fehr unterhaltfames Spiel. Ganz Schlaue haben es natrlich los, mglicjft rafd, ohne da einer der Gegner etwas fieht, ihre Karten zu deuten, um dann mglidft auffllig und naiv zu blinzeln ujw., da der Gegner auf die faljche Deuterei hineinfallen Toll. Bei einiger Aufmerffamleit werden aber zwei Bartner, die halbwegs auch fonft Kartenfpieler find, nie im falfchen Moment etwas gut fein laffen oder anfihauen, da fie ja durd) gegenfeitige richtige Verftndigung und Fragen fehon im Kauf des Spieles darauffommen, ob fie drei Stiche maden 40 fnnen oder nicht. Vorbedingung ift, da ein Partner dem anderen richtig deutet und da der fchwchere dem beiferen und routinierteren Spieler, der das Spiel leitet, auch) folgt. Wenn gleich gute Spieler fpielen, leitet gewhnlich Der, der Schlag anjagt, auf der einen, und der, der Trumpf anjagt, auf der anderen Geite das Spiel; dabei ift es vorteilhaft, da nur der Partner dem Spielleiter deutet, und nicht auch umgefehrt; man verrt fich Dabei die Karten nicht und der Spielleiter wei |chon allein, was er zu tun hat, wenn ihm die Karten des Partners, den er ja ungeniert auch offen fragen fann, befannt find. Sehr wichtig ift es beim Watten zu viert, da man recht: zeitig feine Blinden anbringt, das heit, mit ihnen ein- fficht, denn fonft fanri es paflieren, da man beim Ieten Stich noch einen Blinden in der Hand hat, der, da man ihn auf einen eusgefpielten Blinden zugeben mu, verloren ift. Die Auffchreibung, die einer der Mitfpieler zu fhren bat, gejchieht, wie beim Bieten, indem man die von den Barteien gemachten Gutpunfte untereinander fchreibt, 3. B. die Partei, die jeweils nichts fehreibt, befommt in ihre Aubrif einen wagrechten Strid). Hat eine Partei die Summe von 13 oder 14 Gutpunften erreicht, fo Darf fie nicht mehr Drei bieten; der Schreiber hat das auf der Tafel anzuzeigen, indem er die Rubrik diefer Partei mit einem fenkrechten Strich durdhftreicht. Sit man im Zweifel, wer die Karten zu teilen hat, fo weilf die Sceift, das heit, es wird aus der Schrift auf der Tafel feftgeftellt, wer gu geben hat; man braudt nur zu wilfen, wer Das erfte Spiel angegeben hat, um ber- auszubringen, wer gibt. Wenn 3. B. U das erfte gegeben 41 bat, jo gibt B das zweite, C das dritte, D das vierte, A das fnfte, B das fechlte, E das fiebente Spiel ufw. Diefe Beftimmung ift fehr wichtig, weil es in der Hie des Ge- fechtes fters vorfommt, da eine Partei mit oder ohne Abficht zweimal hintereinander gibt, oder bezw. zweimal hintereinander nicht gibt, um fi) 3. B. im zweiten Fall den Vorteil des zweimaligen Schlaganfagens zu fiern. Wenn ein Spieler nocd) vor Beendigung des Spieles darauffommt, daB in falfcher Reihenfolge gegeben wurde, mu neu und tichtig, fo wie es die Schrift weilt, gegeben werden. Nur dann, wenn das Spiel frhon fertiggejpielt und im ndjft- folgenden die erjten zwei Karten fchon auf dem Tifche liegen, befteht das in falfcher Reihenfolge gefpielte Spiel zu Recht. 472 Das Kritifch-Watten zu viert. Diejes fehr intereffante Spiel unterfcheidet fich vom ge- whnlichen Watten zu viert dadurd, da hier nod, drei Karten im Spiel find, die alles, afjo nihf nur die Trmpfe, fondern aud alle Schlge flechen. Diefe drei Karten heit man die trififhen, ihr Wert ift fir, das heit, er ift nicht von der Trumpffarbe oder dem Rang des jeweiligen Schlages abhngig. Diefe drei hchften Karten beim Kritifh-Watten Iind: . 1. der Herzfnig, allgemein der Marfl* genannt; 2. der geichriebene Weli (Schellfechfer, Schellmeli); 3. der Schellfiebener, Eleiner Weli oder Schellfpi genannt. Hat ein Kartenfpiel, wie es am Lande oft vorfommt, nur 32 Bltter, ift der Welt alfo nicht vorhanden, tritt an feine Stelle der Schellfiebener und als dritter Fritifcher der Eichelfiebener, auch Eichelfpig geheien. In manchen Gegenden ift brigens aud) der Eichelfiebener ftndiger Kritifcher. Wer einen oder mehr FKritifche abhebt, kann fie behalten. Die Rangnummer der drei Fritifchen untereinander ift Herztnig, Weli, Schellfiebener; der Herzknig ijt alfo, wie man auch fagt, der Gottsberfte und fticht alles; zweit: befte Karte ift der Weli, drittbefte der Schellfiebener; dann 43 folgen erft der Rechte und die blinden Schlge. Fr ge- whnlih mu auf die Kritiichen, wenn fie ausgefpielt werden, niht Trumpf zugegeben oder Farbe befannf werden; ift jedoch Herz Trumpf und wird der Herzknig ausgefpielt, jo mffen die Trmpfe, mit Ausnahme des Rechten, zugegeben werden. Derfelbe Fall tritt beim Welt und dem Schelffiebener ein, wenn Schell Trumpf ift. Es ift dies jedoch feine ftarre Regel, da hufig auc jo gefpielt wird, daB nur auf den Rechten Trumpf zugegeben werden mu. Zu beachten ift beim Kritifch-Watten folgendes: Kommt man zum Schlaganfagen und hat fnf verfchiedene Rang farten in der Hand, wird man nicht den Siebener als Schlag whlen, weil ja einer oder gar zwei davon (Schelf- und Eicheljiebener) jowiefo [hon Kritifche find. Selbjtverftndlih ift auch heim Kritifh-Watten das Deuten die groe Hauptfache; vor allem anderem ilt es wichtig, dem Partner mitzuteilen, was fr Kritifche man hat. Gewhnlich wird der Martl (der Herzknig) dur Augen- auffchlagen, zum berboden Hinauffchielen, gedeutet. Den gefchriebenen Weli zeigt man an, indem man den Mund wie zum Kffen formt, oder gar ein wenig das Bungenfpigel herausftredt; den Schellfiebener deutet man fo hnlich, mit dem Mund und Zunge feitwrts. Den Rechten zeigt man beim Kritifch-Watten durch Blin- zeln mit dem rechten Auge, die Blinden dur Blinzeln mit dem linken und wohl auch dur kurzes Achlelfchupfen an. Doc, wie gejagt, gibt es fr das Deuten felbitverftndlich feine firen Regeln, in der Gegend wird fo gedeutet und in der fo, die Hauptfache ift nur die, da einen der Partner 44 verfteht, ohne Da der Gegner wei, was gedeutet wurde. Ganz Raffinierte machen natrlich unter fi) eigene Ge- heimgeichen aus, 3. B. Verftndigung mit den Fen, bei Deuten mit den Augen zur Irrefhrung. Diefe Trids werden befonders bei Preis-Watten angemendet, die jahr- aus, jahrein in Tirol am Lande ftattfinden und oft mit fehr hohen Preifen dotiert find. Wie aus dem obigen erfichtlich ift, ift das Kritifch-Watten ein jehr fompliziertes und intereffantes Spiel, das die volle Aufmerkjamfeit der Beteiligten erfordert. 43 Das Perlaggen oder das Perlaggfpiel. Das Perlaggen,. das beliebtefte Kartenjpiel der Tiroler, das von arm und reich, von Brger, Bauer, Arbeiter und Edelmann mit der gleichen Zeidenfihaft gefpielt wird, ift im Verhltnis zu anderen deutfchen Kartenfpielen gar nit alt. Nicht einmal hundert Jahre find es her, dak im deutfchen Sdtirol der Name Perlaggen auftauchte. Schon lange vorher war bort das fogenannte Giltfpiel, befonders bei Kutihern und Fuhrleuten, im Gebraud, das unferem heutigen Bieten hnlih war. Einer Giltfpielgefellichaft, die ihren Stammtifc beim Pfauen in der Bindergaffe zu Bozen. aufgefchlagen hatte und der die Herren Alois von Perfhammer, Ferdinand Gile, Johann Sarer "und Jofef Pfandzelfer angehrten, war aber das einfache Gilten mit der Zeit zu wenig anregend und abwecdhflungsreich und fo fhrten fie im Jahre 1833 *) die Neuerung ein, da fie den Eicheljiebener, den Eichelober und den Eichelunter als Karten bezeichneten, die in diefer Rangordnung allen an- deren Karten berlegen fein follten und die man berdies *) Das Verlaggen [cheint aber body noch lteren Urfprungs zu fein, denn %. . Zingerle berichtet in feinen Sagen und Gebrudhen aus Zirol (erfchienen 1859 bei Wagner, Innsbruck) von etlihen Bauern, denen an einem Quatembertag des Gahres 182*, als fie beim Waibl- wirt in Meran bis fpt in die Nacht hinein unter Zludyen und Streiten barlaggten, der Teufel in Beftalt eines Jgers erihienen fei, 46 nad) Belieben in jede andere Karte verwandeln, allo taufen konnte. Urfprnglich hatten diefe drei berfarten mit ihren Tpeziellen Eigenfchaften feinen eigenen Namen. Erft einige Sahre fpter tauchte der Name Berlagg auf, der ent- fchieden italienifcher Abftammung ift *). Das erfte Berlagger- bchl, das im Jahre 1853 von einigen Etfchlndern ver- fot wurde und im Verlag der Wagnerfchen Buchhandlung 1853 erfchienen ift, leitet den Namen vom italienifchen Berlich, Berloch ab, wie der Italiener cherzmweife den Teufel nennt. Da Perlagg wirklich fo was mie Teufel beien mu, fieht man auch aus unferem uralten Beterlfpiel, 0 der Peterl mit der Zauberformel Perligg Perlagg die Teufel aus der Hlle zitiert und herumhpfen lt. Fr die Wahrfceinlichkeit, dab das Wort Perlagg aus dem Stalienifchen ftammt, fpriht auch die Tatfache, da der Name Perlaggen erft auftauchte, als der obengenannte Herr Gile von GSalurn an ber welfchen Grenze, wohin er von amtswegen verfet worden war, wieder nach Bozen zurd- getommen war. Es ift anzunehmen, da Herrn Gile, der das neuartige Gilten mit den lberfarten in Salurn ein- fhrte, auch Italiener zufchauten, und ihrer Vermunderung ber die drei Karten, die alles ftechen und die man in jede andere Karte verwandeln fann, mit den Worten Berlich, Berloch Ausdrud gaben, etwa mie unfere beutfchen Bauern Zuifl, Tuifl! gefagt haben wrden. Diefes melfche Wort wurde nun von Herrn Gile nad) Bozen gebracht und in Berlagg germanifiert **). *)J.B Shpf fhreibt in feinem 1866 bei Wagner, Innsbruck, erfhienenen Tiroler Jhiotikon perlagken und vergleiht es mit dem italienifhen barlacchio, Taugenichts. **) Herr Dr. Forher-Mayr, Bozen, teilte mir mit, in Gdtitol einmal 47 Das Spiel als folches ift und bleibt ein echt deutiches Tiroler Spiel; ganz abgejehen davon, da der Italiener unfere Spieltarten gar nicht kennt, wrde das Spiel mit feinen Spibfindigkeiten und [chwer zu berechnenden Ziguren- zufammenftelfungen feinem Charakter ganz und gar nicht entjprechen. Das Berlaggen ift das Rartenfpiel der Deutfch- tiroler, mit deren Gemtsart das Spiel und feine Durd) fhrung vollfommen bereinftimmt. Von diefer Tatfache find eingefleifchte Perlagger fo berzeugt, da fie behaupten, ein Nichttiroler lernt das Perlaggen fein Lebtag nicht. Das Verlaggen fand nun mwahrfcheinlich burd) die Fuhr: leute eine ungemein rafche Verbreitung; einige Jahre nadj- . dem es in Bozen das erftemal gefpielt wurde, war es bis in die hinterftien Talwintel Nord und Sdtirols hinein befannt und beliebt. Hiezu mag wohl auch beigetragen haben, da das Spiel nie um Geld, fondern ausfchlielih um Wein gefpielt wurde und wird, der von den Spielern gemeinfam getrunten wird. Durch) die rafche und weite Verbreitung des Perlaggens tam es, da man in verfchiedenen Orten nach verfchiedenen Regeln fpielte; um dem abauhelfen und in das ganze eine gewiffe Einheitlichfeit zu bringen und um ben bisherigen Nichtperlaggern eine Anleitung zu geben, gaben einige Bozner im Jahre 1853 ein 46 Geiten ftarkes Heftchen heraus, das fich, Das Tiroler National oder Berlagg-Spiel, erflrt von einigen Etfchlndern, betitelt und bei Wagner in Inns- die Anficht gehrt zu haben, der Name PBerlagg komme vom italtenifchen per loeche (um bie Gnfe), mas darauf flieen liebe, dah beim Per- laggen um eine Gans gefpielt murbe. Da aber die Gnfe im Etfchtal nidt heimifh, find und beim Perlaggen faft ausnahmslos um Wein gefpielt wird, ift wohl kaum anzunehmen, dab der Name mit Bnfen etwas zu tun hat. 48 brud erfchienen tft. Das Heft, das fogenannte erfte Berlaggerbchl, fand reikenden Abjag und trug weiter viel zur Verbreitung des intereflanten Spieles bei. Diefes erfte Perlaggerbchl enthielt wohl eine fehr gute Erklrung des Spieles und eine Erluterung der allge meinen Spielregein; auf Details lie es fich jedoch nicht ein. Durd die abmwerhflungsreichen Zufammenftellungen, welche dasfelbe bietet, durch unrichtige Auffaffung im allgemeinen und durd die GStreitfucht einzelner fam es, da beim Per- faggen fehr oft geftritten und fogar der Sprudy Botteswort und Berlaggerftreit whren fort in Emigfeit ein geflgeltes Wort wurde. Um dem abgubelfen und endlich Ordnung in das Perlaggen zu bringen, wurde im Jahre 1890 nach Innsbrud der erfte Tiroler Berlaggerkongre einberufen. Er fand unter uerft sahlreicher Beteiligung von Stadt und Land aus Nord und Sdtirol am 19. April 1890 im Adambru"-Saal ftatt *), und nahm einen glnzenden Verlauf. *) Berichte ber den Perlaggerkongreh im Jahre 1890, Innsbrucker Nachrichten vom 21. Upril 1890: Bom Perlaggeriag. Die groe Lundesverfammlung in Angelegenheit des Berlaggens hat nun ftattgefunden, und zwar unter einer Beteilis gung, melde die Erwartung der meiften bertraf. Aus dem Ober- und Unterinntal (Imft, Ried, Kufftein, Briglegg ufm.), aus dem Zden des Landes, ja felbft aus Wien mairen Freunde des Spieles zufammen- gekommen. VBorgejtern abends waren in einer bewegten Berjammlung beim Grauen Bren die Regeln desfelben unter Zugrundelegung der vom Komitee vorgelegten Perlaggerordnung feftgelegt, wobei es oft, befonders bei $ 9, zu greren Wortgefedh.en kam. Gm wefentlihen wurde der Entwurf mit mehreren Abnderungszufen angenommen. Um 2 Uhr war Schlu der Eigung. Eeftern mittags um 1 ihr begann im Adambrufaal das Preisperlaggen; an der Nordwand des Caales Bingen die verlockenden Preife, SO an der Zahl, und mit den auf 100 Gulden gefhten Zierden einen Wert von 560 Gulden reprfens tierend. Die Zahl der Epieler betrug 338. Um 7 Uhr abends war das Breisipielen zu Ende und es begann das Militrkongert unter Leitung 4 49 Im jelben Iehre noch erfhien das neue, zwlf Geiten umfaffende Perlaggerbchl, betitelt: Das Perlagg-Spiel. Erflrung diefes Spieles nebjt den Regeln, wie diefelben beim erften tirolifchen PBerlaggerfongre am 19. Aprit 1890 feftgeftellt wurden. Im Selbjtverlag des Ausfchuffes fr den Perlaggerktongreh 1890. Innsbrud. Drud der Wagnerfchen Buchdruderei. des Herrn Kapellmeifters Pitfehmann. Nach dem zweiten Stce er: folgte die Zuerkennung der Preife. Diefelben entfielen auf folgende Herren: 1. (10 Duhaten) Tofef Schober, hier. 2. Karl S, Htting. 3. Engelbert Binager, Gendarmerie-Wachtmeifter, hier. 4. Johann Sparber, Kufitein. 5. Karl Guggenbicdhler, hier. 6. Gofef Warafin, Phlau. 7. Tanaz Puelacher, Wilten. 8 Anton Scledl, Htting. 9. Franz Brandl, Mhlau, 10. Dornauer, Innsbrud, ufm. Am 23. April 1890 melden die Innsbrucker Nachrichten weiter: Nah einem uns vom Komitee zugegangenen Ausweis war die Zahl der Teilnehmer am fonntgigen Preisperlaggen 358 (nicht 338), hievon maren aus Amras 4, Arzl bei Innsbruck 5, Bozen 3, Briren 2, Brir- legg 2, Gries a. Br. 2, Hall 10, Htting 19, Jenbach 5, Sagls 1, Tmit 2, Innsbruck 170, Kaltern 1, Rufitein 7, Zandeck 6, Leifers 1, Matrei 3, Mblau 31, Pradl 2, Rattenberg 1, Nied 2, Nie 2, Calurn 1, Steinach 1, Sterzing 1, Telfs 1, Bill 1, Wilten 72, Was die Bewinfte anbelangt, fo haben mir die zehn erften Gewinner bereits mitgeteilt; Davon gewannen mit 7 Punkten die dort genannten vier erjten Herren 10, 8, 6 und 5 Dukaten; mit 6 Punkten gewannen 19 Herren Breife von 4 Dukaten bis 2 Gulden; mit 5 Punkten gewannen die brigen Sieger Preife von 32 Gulden; ohne ein Spiel gu gewinnen, wurden drei Herren aus- gezeihnet. Die fnf erften Befte maren Dukaten mit feidenen ahnen, die weiteren 27 Dukaten mit Schleifen und Blumenzierden. Bon den 15 Spielern mit 6 Punkten ging Herr Guggenbichler, bei denen mit 5 Bunkten Herr Nikolodi, beide aus AInnsbrud, als Cieger hervor. 47 Gewinner find aus Innsbrud, je 9 aus Wilten und Mhlau, 5 aus Htting, 2 aus Kufftein, je 1 aus Aral, Hall, Tenbach, Imft,Rieb, Matrei, Gries. Sozen und Salurn. 50 Der Hauptwert diefes Perlaggerbchls befteht darin, da die vom Kongre fr richtig und gltig befundenen Regeln fein fuberlich in 32 Paragraphen gefegt wurden und num= mehr allen Perlaggern als Evangelium zu gelten hatten. Aber wie nichts vollfommen auf der Welt ift, fo trifft das auch bei den Regeln des Perlaggerbcls zu. Trogdem die beiten Spieler ihrer Zeit mitarbeiteten und vor allem anderen jedwebe Fweideutigfeit vermeiden wellten, ift es ihnen doch nicht ganz gelungen, alles fo Elar und deutlich aufzujegen, da man es nicht auch anders auslegen fnnte. Und dadurch wurde natrlich dem Streit wieder Tr und Tor geffnet, es legt eben der eine den Paragraph fo und fo aus und der andere anders. Wenn es fich oft nur um Wortklaubereien dreht und alles fchlielich nur Spibfindig- feiten find, ift es doch nicht notwendig, Da das ganze edle Spiel des Berlaggens darunter leidet. Es haben fih daher im Jahre 1924 wieder befannte Perlagger zufammenge- funden und fid zuc Aufgabe gejeht, die alten Regeln vom Jahre 1899 fo umzuarbeiten (feine neuen aufzuftellen), das beipt TElijtih) fo abzufaffen, da in Zufunft nad menid- liher Borausfidt, wenn jeder diefe Regeln befolgt, ein Perlaggftreit unmglih ifl. Die Grundlagen des Spieles find felbjtverftndlich unverndert geblieben. Nachjtehend Die Tiroler Stimmen berichteten: Der groe Perlagger-Landtag, fr den fo viel Neklame gemacht wurde, hat aljo glcklich ftattgefunden. Das Ziel, welches er fich gefeht hat, den Berlaggerftreit zu endigen, wird er freilich kaum erreichen; denn Gtreit gehrt fo zur Wefenheit diefes Nationalfpieles, da es mit dem Aufhren desfelben Jeinen Haupireiz verlre. Am Samstag war der Kongre beim Grauen Vren fehr gut, au) von auswrts, befucht; es wurde auf das eifrigfte debattiert. Die gedruckte Vorlage erfuhr mehrfache Abnderungen, jedoch blieb es bei fieben Perlaggen, und diefe Entfcheidung wird die Perlaggvlker von Sd: und Nordtirol in zwei Heerlager teilen. Das 4% 51 wird zuerft das alte Berlaggerbcdhl vom Jahre 1890, unver- ndert abgedrudt und dann anfchliekend daran die im Jahre 1924 neu ftilifierten Regeln verffentlicht. Serbftverftndlih mu es jedem Perlagger felbjt ber- Isjjen bleiben, nach ben alten oder nach den mobdernifierten Regeln zu jpielen. Vorerft wird verfucht, foweit dies durch Worte mglich ift, eine Anleitung. zum Perlaggen zu geben. Obwohl behauptet wird, da man das Perlaggen nur durd aktives Mitipielen richtig lernt, ift es doch notwendig, den Anfnger mit den Grumbdbegriffen auf diefem Wege befannt zu machen. Die Teinheiten diefes fchnften und intereffanteften elfer Kartenfpiele wird er allerdings nie aus einem Perlag- gerbchl lernen. Das Spiel wird mit den befannten deutfchen Karten, und zwar mit 33 Blatt, alfo mit dem Weli, gefpielt. Das Spiel hat vier Farben, und zwar Herz, Laub, Schell und Eichel; der Rang der Farben untereinander ift gleich. Dede Farbe zhlt acht Bltter nad) befannter Rang ordnung: Us, Knig, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Adhter, Siebener. Das Spiel kann zu zweit oder zu viert gefpielt werden; gewhnlich Ipielt man zu viert, zwei gegen zwei. geltrine Preisperlaggen verlief glnzend Das Arrangement erregte allgemeine Bewunderung. Dem Komitee, an deflen Epike der Herr Zagerhausverwalter BLL ftand, gebhrt allgemeine Anerkennung. Es beteiligten fich 336 Epieler, und zwar in Blodis zu je 32, Es wurde eiftigft gejpielt und nicht einmal viel geftritten. Unter den eifrigen Spielern mar aud; der Herr Bezirkshauptmann Hofladher. Die eriten vier Hauptbefte mit je 7 Punkten gewannen: Jofef Schober, landichafts licher Amtsdiener; Eueh jun. von Htting; Vinaker, Wachtmeilter der Gendarmerie; Frarber von Kufftein. Das fnfte Beft gewann Warafin, Gaftmirt in Mhlau. 52 -a Seder Spieler erhlt fnf Karten. Es gibt aber auch) eine Abart, die nur zu zweit mit fieben Karten gefpielt wird. Zufammengehoben wird genau fo wie beim Matten zu viert (fiehe Seite 38). Die Partner fiten fich treugmeife gegenber. . Bei Beginn des Spieles gibt der Spieler, der die niedrigfte Karte (As ift immer nieder) abgehoben hat, an. Bevor er ausgibt, mu er feinem Nachbarn zur Rechten (von der Gegenpartei) abheben laffen. Inter, den 33 Karten, mit denen perlaggt wird, befinden fich vier fogenannte fln- dige Perlaggen; es find dies Karten, die allen anderen dadurch berlegen find, da fie erftens alle anderen Karten ftechen und da man fie zweitens nach Belieben in eine andere Karte verwandeln, das heit taufen fan. Das ift hatrlich fo zu verftehen, da ich diefe Karte nur einmal bengen fann, ic fann alfo entweder damit, jagen: wir, Trumpfas machen und ftechen; oder aber, wenn es mir zu einer Figur beffer pat, fie in den Herzunter, den Schell fen oder font eine beliebige Karte verwandeln, aljo aufen. Dieje bevorzugten Karten find nun: der Herzlnig, aud) Maril zenannt, als der Goitsberfte; der Weli (der ge- {hriebene Meli); der Schellfiebener der (leine Welt oder Schellfpig) und der Eichelfiebener Eichelfpib). Es find biefelben, die wir fehon vom Kritifh-Watten her als die Rritifchen fennen, nur mit dem Unterfchied, da fie beim Perlaggen nicht nur die Hdjften find, fondern da man fie dazu auch noch verwandeln kann. Es find alfo tichtige Teufels-(Berloche-)Rarten. 33 Die Rangordnung unter diejen vier flndigen Perlaggen, die die Grundpfeiler des Perlaggens find, ift folgende: Der Hchfte ift der Martl (Herzlnig), dann folgen Welt, Schelffiebener und Eichelfiebener. Wenn der zum WUbheben Beredfigfe einen von ob- genannten Perlaggen abhebt, jo fann er ihn behalten. It unter dem abgehobenen Perlagg noch einer, fo gehrt auch diefer dem Wbheber, ebenjo auc) ein dritter und vierter. Es ift alfo mglich, da der Abheber alle vier ftndigen Berlaggen heraushebt. Der Abheber ift verpflichtet, allen Spielern den oder bie abgehobenen Perlaggen zu zeigen. Hat er diefer Pflicht gengt, braudt er whrend des Spieles niemandem mehr mitzuteilen, was er abgehoben bat. Nach dem Abheben werden die Karten nad lints hin geteilt. Leder Spieler erhlt fnf Karten, und zwar das erftemal zwei, Das zmweitemaf drei. Der Geber hat darauf zu achten, ob und wieviel Perlaggen der Abheber heraus: gehoben hat; hat er einen herausgehoben, erhlt er das erjftemal nur eine Ktarfe; hat er zwei herausgehoben, gar feine; hat er drei herausgehoben das erftemal gar feine, das gweitemal zwei; bei vier herausgehobenen das erftemal feine und das zweitemal eine. Macht der Geber da einen Fehler und gibt 3. B. dem Abheber, trodem er einen Perlaggen herausgehoben hat, das erftemal zwei Karten, fo fnnen die Gegner verlangen, day noch einmal neu gemifcht und neu ausgegeben wird. In diefem Falle fommt der vom Geber rechts Sikende zum Borteil, ein zmweitesmal abheben zu drfen. Auch die Perlaggen, die er allenfalls beim zweitenmal abhebt, darf er behalten! 54 Hat der Geber die Karten richtig geteilt, fo da jeder der vier Spieler fnf Karten in der Hand hat, fo fhlgt er die nchte Karte, alfo die einundzwanzigfte, als Trumpf auf, d. h., die Farbe, die er aufichlgt, ift-Die Trumpffarbe und fticht die Karten der drei anderen Farben. Es find alfo 21 Karten im Spiel; 12 bleiben verbedt auf dem Tijch liegen und feine davon, aud) nicht die oberjte oder die unterfte, Darf nad) dem Ausgeben von den Spielern angelchaut werden. Bon der Trumpffarbe haben nun wieder Drei Karten, und zwar der Siebener, der Unfer und der Ober, den Rang eines Berlaggs und heien daher die Trumpfperlaggen. Diefe drei Trumpfperlaggen haben diefelben Eigenfchaften wie die vier ftndigen Perlaggen, d. h. fie Stechen alle Trmpfe fowie alle anderen Bltter, und man fann fie ebenfalls taufen; fie find jedoch im Nang niederer als die vier ftndigen. Die Rangordnung unter fi ift Siebener, Unter, Ober. Der GSiebener ift aljo der befte, der Dber der Ichlechtefte, worauf wohl zu achten ift. Wenn alfo Trumpf aufgefihlagen ift, haben wir folgende Perlaggen (nach der Rangordnung) im Spiel: Wenn Herz Trumpf ift, fieben, nmlich: Herzlnig, Weli Schellfiebener, Eichelfiebener, Herzfiebener, Herzunter, Herz ober; dann die Trmpfe Herzas, Herzzehner, Herzneuner und Herzachter. (Herztnig fllt hier als Trumpf aus, da er ohnehin Berlagg ift.) Wenn Laub Trumpf ift, ebenfalls fieben, nmlich: Herz Fnig, Weli, Schelffiebener, Eichelfiebener, Laubfiebener, Raubunter, Zaubober; dann die Trmpfe Laubas, Qaub- fnig, Laubzehner, Laubneuner, Zaubacdhter. (Wenn Laub 53 Trumpf ift, haben wir alfo die grte Anzahl von GStid; tarten.) Wenn Schell oder Eichel Trumpf, find nur fedys Berlaggen im Spiel, da der Trumpfliebener (Schell: oder Eichelfiebener) ohnehin ftndige Perlaggen find und damit ein Perladg mwegfllt. Die Zahl der Perlaggen und ihre NRangorbnung ift brigens in manchen Gegenden Tirols verfchieden. In Sd- tirol 3. B. gelten auer den oben angefhrten auch nod) der Eichelunter und der Eichelober als ftndige Perlaggen. Hat der Geber als Trumpf einen Siebener, Unter oder Ober, alfo einen Trumpfperlagg, aufgejdlagen, und hat er einen anderen Trumpf in feinen fnf Karten, fo fann er nit nur, fondern er mu den aufgefhlagenen Trumpf- perlagg mit dem Trumpf, den er in der Hand Haf, aus teufhen. Das Austaufhen mit einem anderen Trumpf- perlagg (es kann 3. B. vorfommen, da man den Siebener auffchlgt und den Ober in der Hand hat) ift unftatthaft. Hat man mehrere Trmpfe in der Hand, jo wird man vor teilhafter mit dem niederften abtaufchen. Wird einer von den vier ftndigen Perlaggen aufgefchlagen, fo ift die Farbe Trumpf, der er angehrt, alfo bei Herzfnig Herz ufm., und fann auch mit einer Karte derfelden Farbe ausgetaufcht werben; der Weli gilt dabei als Schell. Hat der Geber keinen Trumpf, fann er alfo nicht aus taufchen, fo geht das Necht des Austaufrhens auf feinen Partner ber. Hat auch der feinen Trumpf, fo bleibt der Berlagg liegen; die Gegenpartei darf ihn auf gar feinen Vall austaufchen. Ift einmal ausgefpielt und auf die erfte Karte zugegeben oder diefe geftochen worden, fo hat die zum Wustaufch berechtigte Partei den Anfpruch auf das 56 Austaufhen verloren. Es darf daher die Gegenpartei durd) Nusmwerfen dem Austaufchen nicht vorgreifen. Vergit oder berfieht die zum Wustaufch berechtigte Partei das Aus taufchen, fo ift das ihr eigener Fehler, von dem fie nur lelbjt den Schaden hat. Fr die Gegenpartei ift es ehr wichtig, fi) zu merten, wer abgetaufcht hat und was fr ein Perlagg abgetaufcht wurde. Man ift, wenn das Spiel einmal im Gange ift, keinesfalls mehr verpflichtet, zu fagen, was abgetaufcht wurde und wer abgetaufht hat. Beim Perlaggen ift nmlich oberfte Grundregel, da man Dbadht gibt. Ein Spieler jchfft nicht, jagt man. Kann die gebende Partei einen aufgefchlagenen Perlagg nicht austauschen, fo wei die andere Partei von vornherein, da beim Gegner fein Trumpf vorhanden ift, und wird fi) darnacdi richten, 3. B. Affen ausfpielen, da zum Stechen derfelben nun fchon ein PBerlagg hergenommen werden mu. ft nun alfo ausgegeben und ausgetaufcht, fo kann das Spiel beginnen. Auch beim Perlaggen genieen die Spieler wie beim Watten groe Freiheiten. Die Partner drfen fih durd Zeidyengeben (Deufen) ber ihre Ktarfen gegenfeifig ver- ffndigen; fie knnen fich die Anzahl, die Rangjtufe der Berlaggen und Trmpfe gegenfeitig anzeigen, ja fie knnen darber, was natrlich gegen das Deuten nacteiliger ift, auch Ddireft befragen. In der Negel wird daher gedeutet. Da diefes Deuten natrlich nur dann die gewnfchte Wirfung hat, wenn der Gegner davon nichts merkt, ift das unauf- fllige, jchnelle Deuten eine Kunft, die der gute Perlagger verftehen mu. 37 Ein routinierter Spieler wird feinem Partner, [don gleich wenn er die Karten aufhebt, andeuten, ob Tich darunter einer der vier flndigen Perlaggen befindet. Zu diefem Bwerke ift es natrlich notwendig, da ihn fein Partner unaufs fllig beobachtet, wobei der Deutende aber anderjeits wieder auf der Hut fein mu, da ihn feiner von der Gegenpartei beim Zeichengeben fieht. Schon daraus erhellt fich, da das Berlaggen nicht allein ein Kartenfpiel, fondern auch eine fehr anregende Kopfarbeit ift, die feine Beob- achtungsgabe und Menjchentenntnis erfordert. IE dann Trumpf aufgefchlagen, ift es einem Gpiefer, der fchon vorher feine ftndigen Perlaggen gedeutet hat, ein Leichtes, noch allfllige Trumpfperlaggen binzuzudeuten. Hegel ift, und man merte fich das, einen Perlagg, um den Partner nicht irrezufhren, nur einmal und mglichft deuflic) zu deuten. Der beifere Spieler wird beim Perlaggen immer Gpiel- fhrer fein und fich von feinem fchwcheren Partner deuten laffen; ift der Spielfhrer nicht im Elaren, was der andere ihm gedeutet hat, fann er ihn den Perlagg, von dem er glaubt, da ihn der andere gedeutet hat, ja wieder zurd- deuten mit der Frage: Haft du Diefen?" Auch wenn zwei gleich Ttarfe Spieler Partner find, it es vorteilhaft, wenn einer das Spiel fhrt und der andere deutet. Im Verlaufe der Jahre wurden in den einzelnen Orten, wo perlaggt wird, zum Deuten beftimmter Perlaggen bejtimmte Zeichen in Gebrauch genommen, von denen 3. 3. in Nordtirol folgende hufig angewendet werden: Dieje Zeichen find: Nach Aufwrtsichielen, alfo einen Augenaufichlag malen, wobei es aber nicht notwendig ift, da man gleich den ganzen 58 Kopf nad) hinten biegt, wie es Anfnger vielfach machen, bedeufef, dak man den Herzfnig (den Marfl), alfo die bdhjfte Karte, baf. Gerade beim Deuten diefer Karte ift es von groer Wichtigkeit, da die Gegner nichts davon merken, weil eben der Marti als hchite Karte oft den Ausfchlag im Spiel gibt. Den Mund zum Auffe formen und dabei das Zungen- fpil ein menig vorffreden bedenfel, Da man den geihriebenen Weli hat. Das Zungenfpibel beim Mund ein wenig nad) redyfs oder nad Tinfs hin herausffreden zeigt den Schelifiebener (den kleinen Weli) an. Den Eicelfiebener zeigt man duch Dlinzeln mit dem tehfen Auge, die Trumpfperlaggen durch Blinzeln mit dem linfen Auge an. Es wird aber aud) der kleine Weli mit dem rechten Auge (blinzeln) und der Eichelfiebener mit dem linfen Auge (blinzeln) gedeutet; in diefem Falle deufet man die Trumpfperlaggen dur leidhtes Achjelihupfen an. Es ift daraus zu erfehen, da das Deuten durdaus nicht einheitlich ift. Das ndert fich nach der Ortichaft, nach dem Wirtshaus und oft fogar nach dem Stammtifh. Wichtig ift es daher, da man fich mit feinem Partner vor dem Spiel verftndigt, wie man deuten will. Die Trmpfe werden mit den Fingern gedeutet, wobei das Ausftredfen des Daumens Die Trumpfas, und das unauf- fllige Trommeln mit dem Eleinen Finger und feinen Nach barn die Heinen Trmpfe bedeutet. Hat man weder einen Perlagg, nod) einen Trumpf in der Karte, ift es fehr wichtig, das feinem Partner mglichft unauffllig befanntzugeben, damit er fi) darnad) richten fann. Man tut dies gewhnlich dadurd, da man rajch, 59 aber nicht zu auffllig, den Kopf Ihftelt wie beim Nein- Tagen. In Htting fehneidet man, um anzuzeigen, da man feinem Partner nicht viel hilft, allo fchlechte Karten in der Hand hat, die fogenannte Hafenfoke, d. b., man blinzelt rafjh mit beiden Augen und zieht Dabei gleichzeitig den Mund zufammen; diefe Gebrde bezeichnet aber an anderen Drten, da man viele und fehr gute Perlaggen hat, da man aljo, wenn es fein mte, das Spiel allein machen wrde. Kann ein Spieler mit den Perlaggen etwas Viertiges (was weiter unten erflrt wird) machen, oder hat er etwas Viertiges Natur in der Hand, fo ift es von groem Vorteil, da er das feinem Partner fchon gleih) am Beginn des Spieles dur ein unaufflliges Zeichen befanntgibt. Hat man ein viertiges Gleich, alfo vier gleiche Karten einer Ranghhe, oder kann man mit feinen Perlaggen ein folches machen, fo macht man mit der Hand, mit der Pfeife, Zigarre oder Zigarette eine Bewegung vom rechten oder linken Mundwinfel in wagrechter Richtung gegen das Ohr hin, man fann fi) auch den Schnurrbart ftreichen, was unauf- flliger ausfieht. Hat man einen viertigen Hanger, das find vier in direkter Reihe folgende Karten derfelben Farbe, fo maht man eine Bewegung von der Mundmitte fenfrecht abwrts gegen den Hals, ftreicht fich den Voll: oder Spikbart, fofern man einen hat, nadh abwrts oder niet ein wenig. Auch durch die Art des Hinfegens der Spielfarten auf den Tifch, entweder der Breitfeite oder der Lngsfeite nach, fani man dem Bartner fein viertiges Gleich oder feinen viertigen Hanger Teicht und unauffllig anzeigen. Es wurde hier das Deufen etwas ausfhrlicher behandelt, weil es fr den ganzen Verlauf des Spieles von Kdjiter 6 Wichtigkeit ift. Denn die Partei, deren Partner ohne ein- ander zu fragen, willen, was fie fr ein Blatt gegenfeitig in der Hand haben, und durch fcharfe Beobachtung des Deutens der Gegenpartei auch fo ziemlich unterrichtet find, was dort fr Perlaggen liegen, ift natrlich weitaus im Vorteil. Beim Perlaggen gibt es wie beim Bieten Figuren, unb war: das Gleich, den Hanger und das Spiel, Das find die drei von einander unabhngigen Grund: elemente, um die fich das ganze Spiel dreht; die Partei, die beim Kampf um eine diefer Figuren als Sieger hervorgeht, fchreibt fi} einen oder mehrere Punkte auf. Und wer zuerft die vorher bejtimmte Anzahl von Punkten (gemhnfich 15) erreicht, hat gewonnen. Diefe drei Figuren find whrend des Spieles unter- einander gleichwertig. Zum Ausgehen jedoch ift das Gleich hochwertiger als der Hanger und diefer wieder beiler als das Spiel (wie beim Bieten das Herz 3. B. beim Ausgehen beifer ift als die anderen Figuren). Gleihy nennt man zwei oder mehrere Karten desjelben Ranges, 3. B. zwei Giebener, drei Knige ufm. Zwei Alle nennt man ein Gleich hchtt oder fagt, man hat ein Hchltes Gleich. Zwei gleich hohe Karten gelten als ein faches Gleich, drei als dribiges, vier als vierfiges und fnf als fnftiges. Befteht diefes mehrfache Gleich aus Affen, fo fpricht man von einem hchft drigigen, hchft viertigen ufw. Es verfteht fich von felbft, da man mit Hilfe der Perlaggen, die man ja taufen, das heit in jede beliebige Karte verwandeln darf, fehr oft ein briiges, nicht felten ein vierfaches und zumeilen fogar ein fnffaches Gleich zuftande bringen fann. 61 Die Gte des Gleiches wird zuerft durch die Anzahl feiner Glieder, aus denen es befteht, und bei gleicher Gliederan- zahl durch die Nanghhe derjelben beftimmt. So find zwei Affen befler als zwei Knige und drei Stebener heifer als zwei Affen, drei Affen Schlechter als vier Achter ufw. Sind Zahl und Rangordnung bei einem Gleich diefelben, haben 3. B. beide Teile, was hufig vorfommt, drei Affen, fo jagt man das Gfeid) ffeht und feine der Parteien darf fi) dafr Gutpunfte auffchreiben. Wie fchon vorhin erwhnt, ift es von groer Wichtigkeit, dem Partnrer durch Zeichen befanntzugeben, ob man ein viertiges Gleich in der Hand hat oder mit Hilfe von Ber: laggen ein folches fonftruieren kann. Der Hanger (Sequenz) befteht aus zwei oder mehreren Karten derfelben Farbe, die in ihrer Rangordnung unmite telbar aufeinander folgen. 3. B. Eichelfnig, Eichelas, Herz- neuner, Herzzehner, Herzunter ufw. Der Hanger heit bdhjlt, wenn er aus den hchften Karten, Knig und Us, derfelben Farbe beiteht. Er kann dribig, vierfach, fnffach fein, und aud) hier gibt, wie beim Gleich, zuerft die Anzahl der Glieder und bei gleicher Anzahl der Glieder die Ranghhe derfelben ber die Gte den Ausfchlag. Ober, Knig find aljo befjer als Unter, Ober; Knig, Us aber jchlechter als Giebener, Achter. Neuner ufw. Haben beide Teile einen gleich guten Hanger, fo ffeht er, und fein Teil hat etwas aufaufchreiben. Beim Hanger madjt fi) die vorteilhafte Eigenfchaft der PBerlaggen, fie in andere Karten verwandeln zu fnnen, noch bemerfbarer als beim Gleih. Denn man kann den oder die Perlaggen nicht nur an einen fihon in natura vorhandenen Hanger anreihen, 62 fondern fie aud) benen, um eine oder mehrere Lden auszufllen. Hat man 3. B. Herzas tind Herzober und einen PVerlagg, fo verwandelt man diefen in den Herzfnig und bat damit einen hchft drigigen Hanger. Befigt man 3. 3. Eicheladhter und Eichelunter, jo fann man mit Hilfe von awei. Perlaggen, die mari zum Eichelneuner und Eichelgehner macht, einen viertigen Hanger Eonftruieren. Mit Laub neuner, Laubunter, Zaublnig und zwei Perlaggen 3. 8. kann man fogar einen fnffahen Hanger zufammenbringen, wenn man aus den Perlaggen Laubzehner und Qaubober madjt. Man vergemiffere fich gleich am Beginn des Spieles, was fr einen Hanger man mit feinen Perlaggen zufammen- bringen fann und geige feinem Partner fofort an, werm man die Mglichkeit hat, einen viertigen oder gar fnftigen zu machen. Die dritte Zigur beim Perlaggen ift das Spiel. Da in jeder Hand fnf Karten find, fo mu notwendig die eine Partei drei oder mehrere, die andere aber nur zwei oder weniger Stiche machen.. Die Partei, die drei Stiche macht, hat das Spiel und fchreibt fich einen oder mehrere Gutpunfte, je nachdem die Gegner das Spiel gut, fein ge= laffen oder angefchaut haben. Gefpielt wird auf folgende Weile: Der Spieler Iints vom Ausgeber hat die Vorhand und fpielt aus, indem er feine Karte vor fich hinlegt, und fo geht es der Reihe nach nad) lints hin herum bis zum lebten. Der den Stich gemacht hat, zieht ihn nicht ein, fondern legt die zweite Karte, die er auslpielt, rechts neben die erfte, und diefem Beifpiele folgen aud) alle brigen. Wer den zweiten Stich gemacht hat, fpielt die dritte Karte aus und legt fie rechts neben die zweite; in 63 diefer Ordnung geht es fo lange fort, bis das Spiel zu gunften einer Partei entfchieden ift, das heit, bis eine Partei drei Stiche hat. Dabei ift zu bemerfen, da die Karten jo wie fie ausgefpielt wurden vor den einzelnen Spielern auf dem Tifch Tiegen bleiben mffen und nicht aufammengeworfen werden drfen, bevor nicht auch die zwei anderen Figuren, Gleich und Hanger, erledigt find. Das Herunterlegen der Karten bis eine Bartei drei Stiche hat, findet natrlich nicht ftatt, wenn eine Partei, fei es glei) am Anfang oder nach dem erjten oder zweiten Stich das Spiel guf fein lht, das heit, erflrt, da fie gar fein nterefje hat, drei Stiche zu madjen und daher den einen Gutpunft fr eine gut geleffene Figur (in diefem Falle das Spiel) dem Gegner berlt. Man lt hufig der Gegenpartei das Spiel gut fein, um nicht die eigenen Karten, die beim Kampfe um die zwei anderen Figuren, Gleich und Hanger, von Wichtigkeit fein fnnen, berunterlegen und fi) dadurch verraten zu mlfen. Trumpf ffichf alle Farben. Es mu unter allen Umftnden Farbe befannt werden, auch dann, wenn die Farbe des An fpielers von einem Swijchenmann mit einem Trumpf oder einem Perlagg geftochen worden ift. Farbe verleugnen zieht Strafpuntte nad fi. Berlaggen gelten weder als Tarbe noch als Trumpf; wenn alfo 3. 8. Herz Trumpf ift und es wird der Herzfnig in die Trumpfas verwandelt und als jolche ausgefpielt, jo mfjen wohl Herzas, Herzzehner, Herz= neuner und Herzachter zugegeben werden, nicht aber die Trumpfperlaggen Herzfiebener, Herzunter und Herzober. Hat man die Farbe, die ausgefpielt wurde und dazu Trmpfe oder PBerlaggen, fo fann man natrlid) au) mit Trumpf oder Perlagg ftechen. Hat man die ausgefpielte 64 Gerbe nicht, Jo ift man feineswegs verpflichtet, mit Trumpf oder Perlagg zu ftechen, fondern fann zugeben was man toill. Auch braudt man nicht Zarbe mit Sarbe zu berftechen, fondern fann nachgeben, Tafchieren. Die einmal aus- geipielte und losgelaffene Karte darf nicht mehr zurd- genommen werden, es fei denn, da es gejchehen mute, um Barbe zu befennen. (Siehe die Regeln $ 14 und 15.) Wird ein Perlagg ausgefpielt oder im Verlauf des Spieles beruntergelegt, fo mu derfelbe fofort von feinem Befiger getauft werden, d. h., es mu angegeben werden, als welche Karte derfelbe zu gelten hat. Sagt der Berlaggenbefier gar nichts, tauft er den Perlagg nicht (was oftmals auf ein Verfehen zurdzufhren ift), dann wird der Berlagg zur einfachen Karte. Alfo 3. 8. der Martl zum gewhnlichen Herztnig, der Weli zum Schellfechfer. Wenn 3. B. Herz Trumpf ift und es madt ein Spieler den Fehler, den Herz fiebener, der ja ein Berlagg ift, nicht zu taufen, fo gilt er nur als Trumpfliebener, der vom Trumpfachter geftochen werden fann. Ein einmal gefaufter Perlagg darf unter feinen Umffnden mehr umgelauft werden. 'tauff ift "tauft heipt es. Der getaufte Perlagg behlt feinen Rang, den er unter den Perlaggen einnimmt. Alfo der zum Trumpfas erhobene Ichlechtefte Trumpfperlagg ift wohl hher als das Driginal- Trumpfas; mit einem befjeren Perlagg fan man aber die Trumpfaffen, die mit einem rangniederen Perlagg gemadt wurden, ftechen. Ebenfo wird der Trumpfoberperlagg, wenn man ihm eine andere als die Trumpffarbe beilegt und ihn 3. B. Zaubneuner tauft, als befjerer Laubneuner den wirt: lichen (Natur-)Laubneuner berftechen, hingegen wieder 5 65 vom Trumpfunter, Trumpffiebener, Eichelfiebener, Schell- fiebener, Weli und Herglnig, wenn diefe Perlaggen eben- falls zum Laubneuner gemacht wrden, von noch befferen Zaubneumern geftochen werden. Der getaufte Perlagg kann aber immer nur den Wert einer einzigen Karte haben; tauft man 3. B. den Melt zum Herzfiebener, jo bleibt er durch das ganze Spiel der Herzfiebener und kann, obwohl er fonft die gweithcjite Karte ift, mit dem gewhnlichen Herzachter geftochen werden. Mit den Perlaggen braucht man weder Trumpf oder Farbe zu bekennen, weil fie gemiffermaen gu feiner bejtimmten Farbe gehren. . Die Partei, welche das Spiel, d. h. drei Stiche mad, oder den Hanger oder das Gleich beifer hat, zhlt fr jedes derfelben einen Gutpuntt. Das kann ftillfiehweigend ge- Ichehen, wenn es nmlich feine der beiden Parteien fr gut findet, von der einen oder anderen Figur Meldung zu maden. Sn diefem Falle wird Tediglih am Schlu des Spieles, wenn alle Karten auf dem Tifche liegen, feitgeftellt, welche Partei die drei Stiche, wer das befjere Gleich und den befieren Hanger hat und die betreffenden Punkte gut- geichrieben. . Diejes ftumme PVerlaggen fommt jedod) felten vor. (Wenn 3. 3. eine Partei nur mehr einen Punkt zum Ausgehen braucht und infolgedeffen nicht mehr bieten darf, die andere Partei aber fo fchlechte Karten hat, da fie nicht einmal ein Gleich oder einen Hanger hat oder machen kann, wird ein folches flummes Spiel zuftande fommen, die verlierende Partei jagt dann, fie. hat die Gegner ftillfehweigend aus- gehen Laffen.) Sn der Regel wird jedody wie beim Bieten . (fiehe Seite 9) fomohl ber das Spiel, als auch ber Gleich 66 und Hanger eine bejondere Wette angetragen, das heit, es wird geboten. Das Bieten beim Perlaggen geiteht mit den Worten: Sch biete mein Gleich! Ach biete meinen Hanger! Ich biete Spielt oder: Gilt mein Gleih! Gilt mein Hanger! Gilt Spiel! j Man achte wohl darauf, da der Spieler, ber bietet, wirk- fi die Worte ich biete, oder es gilt gebraucht. Sagt er 3. B. Gleich! oder Spiel! nur allein, fo hat er es nach den Spielregefn noch nicht geboten. Es wird diefer Trie von routinierten Spielern Anfngern gegenber gern an gewendet und viele find darauf fchon hineingefallen. Ein Beifpiel wird das verftndlicher machen. Sagen wir, ein Spieler hat zwei Aifen liegen, einer von der Gegenpartei Ihreit nun Gfeih!, worauf der Spieler mit den zwei Alfen, der noch einen Perlagg in der Hand hat und daher drei Affen machen fnnte, in der Meinung, das Gleich fei geboten, voreilig fagt, er fchaue das Gleich an. Der jchlaue Gegner aber, der nur herausbringen wollte, ob der andere wirtlic) ein fchnes Gfeich zufammenbringt, fagt feelenruhig, ich habe das Gleich ja gar nicht geboten, ich habe ja nur Gleich gefagt. Es find das natrlich nur Spikfindigkeiten, auf die fich Streithanfeln verfteifen, aber fie fommen vor, und daher gebe man genau Obacht, frage im Zweifelsfall lieber, ob die Figur wirklich geboten ift. Ift etwas gebofen worden, jo muf die Gegenparfei augen- blilih) daranf Antwort geben. (Siehe ber diefen und die folgenden wichtigen Buntte auch die Regeln Seite 77 u. ff.) Das Antwortgeben kann auf dreierlei Weife gefchehen: 1. Man lt die gebotene Figur guf* fein und drdt das mit den Worten aus: Gut das Bfeich, Gut der Eu v7 Hanger, Gut Spiel. Man wird das dann tun, wenn man fchlechte Karten hat und auch nach Berftndigung mit dem Partner, mit dem man fich offen beiprechen kann, nicht annimmt, da man die gebotene Figur beifer als die Gegenpartei aufammenbringt oder drei Sticje madt. In diefem Valle hat die bietende Partei das Recht, fi) fr die gutgelaffene Figur fofort einen Punkt gutzufchreiben; im weiteren Verlaufe ift dann von diefer guigelaffenen Figur nicht mehr die Rede. 2. Die gebotene Figur wird gehalten, oder, wie man auch) Jagt, angefhauf!, wenn man glaubt, die angetragene Wette annehmen zu fnnen. Man jagt in diefem Falle: Id halte das Gleich, Ich Ihaue das Gleich an, oder auch Id gehe nit vom Gleih*. Die Figur, die gehalten wurde, zhlt der Partei, die fie macht oder fie befjer hat, zwei Gufpunfte, 3. Es wird Drei oder ein Grofchen gegeben, wenn eine Partei glaubt, die von der Gegenpartei angebotene Figur ganz firyer befjer machen zu fnnen. Durch) diefes Dreifagen wird die Stellung beider PBar- teien geradezu umgekehrt; die angegriffene Partei ergreift nun felber die Offenfive, und es ift nun an der Partei, die auerft geboten Hat, entweder nachzugeben oder die Drei zu halten, oder aber die Wette noch mehr zu fleigern. Wenn nachgegeben wird, was man durd) die Worte Gut bei zwei! cusdrdt, fehreibt die Gegenpartei zwei Gutpunfte. Werden die Drei gehalten, fo jagt man: Sch geh nicht von Die Drei, Ich halte die Drei, oder Ich fchaue Die Drei an. Der Sieger fann fi) dann drei Gutpunfte qutichreiben. Will man endlich die Wette weiter fortfegen, fo fagt man Bier (foviel wie Nefontra) und es it dann wieder an 68 der Gegenpartei, es bei Drei gut fein zu laffen, alle Vier zu halten oder aber Fnf zurdgugeben. Auf diefe Weife fann die Wette bis zu Sieben, und als lebtes bis Spiel aus gefteigert werden, in welhem Falle die Partei, die die umftrittene Figur macht, das ganze Spiel gewinnt und ausgeht, auch wenn fie in ihrer Auffchreibung erft einen oder noch gar feinen Gutpunft gehabt htte. Schon aus dem Gefagten ergeben fi) folgende GBefee: 1. Nur die Partei, der es zufteht zu halfen, alfo die Bartei, die vom Gegner zum Eingehen einer Wette aufgefordert (das ijt die angeboten wurde), darf weiter fteigern und nicht auch die andere. Wenn alfo U 3. B. das Gleich geboten hat und B hat es angeihauf, jo darf A nicht Drei fagen; B hat aber Das Recht, dem A auf das Gebotene Drei zu geben, Das dann A einfach halten und damit dem Steigern eine Grenze feen fann. B darf dann nicht mehr weiter gehen und Pier fagen; erft wenn ihm A Bier erwidert, fanni er Fnf zurd- geben. 2. Die Steigerung lt feinen Sprung zu. U darf allo, wenn ihm B Drei gejagt hat, nicht Fnf, Sechs oder Spiel eus, fondern blo Vier zurdjagen. 3. Die Wette kanni in jedem Grade der Steigerung Dadurd) abgelehnt werden, da man den bietenden Teil die von ihm ausgelprocdhene Zahl weniger eins fehreiben lt. Wenn jemand Bier gibt und man fieht ein, da man die Figur verliert, fagt man alfo Gut bei Drei! Der Gegner fchreibt fih dann drei und die Figur ift erledigt. Man bietet oft und hlt und fteigert im vollen Bewut- fein, Diefe Figur zu verlieren, weil man darauf rechnet, eine endere Figur defto ficherer zu gewinnen; aber eben darin 69 liegt der Hauptzwed des Perlaggens in der gefchiedten bervorteilung feines Gegners. Beim Perlaggen ift ferner folgendes zu beachten: Die zwei Spieler, die zufammen eine Partei bilden, gelten gegenber der anderen Partei als eine einzige Perfon. Einer ift aljo fr den anderen verantwortlich und beide haften ge- meinfam. Deshalb ift es notwendig, da zwilchen den beiden Rartnern Klarheit herricht, was der eine oder der andere tun foll; man kann fi ja, um alle Mikverftndnijfe zu be- feitigen, gegenfeitig ausfprechen und ausfragen. Hat aber einer der Partner, ohne fich mit feinem Kollegen zu ver: ftndigen, voreilig eine Figur gut fein gelaffen, gehalten, geboten ufw., fo trifft die Verantwortung hiefr auch feinen Kollegen, weil ja beide fr ihr Tun und Laffen gemeinfam baften. Es ift beim Perlaggen zu viert keineswegs der Fall, daR die Wette ber eine Figur, 3. B. das Blei, nur von 3mwei Spielern der gegnerifchen Parteien angeftellt werden kann; es fnnnen drei und auc) alle vier Mitfpieler daran teil- nehmen, fofern fie die umftrittene Figur berhaupt haben. 3. B. U bietet jein Gleich, B von der Gegenpartei haltet es; D, der Partner des B von der Gegenpartei, fagt Drei und E, der zweite von der bietenden Partei, haltet Diefe Drei. Die Frage, wer die Figur gemadjt hat, wird von den Karten aller vier Spieler entichieden, auch wenn fi) nur zwei Spieler am Bieten und Halten beteiligt haben. 3. B. ich biete das Gleich und einer der Gegner fchaut es an; wenn ich nun im Berlauf des Spieles fehe, da mir der Gegner berlegen ift, fo fteht es erft noch meinem Partner, der die ganze Zeit ftillgefchwiegen hat, frei, ein befieres Gleich zu weifen. 70 Es ift natrlid) ganz ausgefchloffen, alle beim Perlaggen mglichen Kombinationen zu erflren, hauptfchlih auch deshalb, weil beim Perlaggen viel zu viel die Individualitt der Spieler ausfchlaggebend ift. Denn beim Perlaggen zhlt nicht, wie bei anderen Karten- Ipielen, nur das Ergebnis des Blattes; es zhlt ebenfogut auch die Figur, Die die Gegenpartei, objhon fie diefelbe befier gehabt htte, fei es aus berfehen, Berechnung oder Furcht gut fein gelaffen hat. Noutinierte Spieler, die den Gegner im richtigen Moment zu jagen (bluffen) verjtehen, fchreiben mit den fchlechteren Karten oft mehr Gutpuntte als die Gegenpartei. Diefes fehr bliebte Jagen oder Raf- Ichen, aljo fed mit fchlechten Karten, aber dafr mit dem groen Stimmenaufwand und wichtigtuenden Mienenfpief au bieten, trgt natrlich fehr zur Belebung des Spieles bei. Die Freude ift gro, wenn es gelingt, den Gegner zu jagen und der Betroffene hat meiftens fr den Spott nicht zu forgen. Sf man gegen die andere Partei in den Gutpunften fehr aurdgeblichen, jo verfucht man wohl, fi) dur tolffhnes Bieten oder Dreigeben mit jchlechten Karten noch zu retten, man beit das in der Verzweiflung bieten; doch meittens merft der Gegner in diefem Fall die Abficht und geht erft recht nicht. Im allgemeinen ift jedoch diefe auf VBerblffung ausgehende Methode nicht anzuraten, denn wenn auch der Natfcher feinen befonnenen Gegner gumeilen in die Flucht fehlgt und ihm einen Gutpunft abnimmt, jo fommt es doch viel hufiger vor, da ihn diefer feine berlegenheit fnftlich verbergend gehrig auffiken und das Kapital mit Zinfen aurcdzahlen lt, indem er ihm Drei gibt. 21 Unvernderter Abdruck der alten Negeln fr das Perlagafpiel feftgelegt auf dem Erften firoliihen Perlaggerfongreh in Innsbrud am 19. April 189. 1. Bei Beginn des Spieles gibt die abgehobene niederfte Karte (As ift niederft), im weiteren Berlauf des Spieles jedoch gibt die verfpielte Partie an. 2. Die beim Abheben zum Ausgeben abgehobenen, ftn- digen Perlaggen verbleiben dem bheber. Werden beim Xbheben Karten geftreut, fo mu neu aus- gegeben werden, in welchem Walle ein etwa hiebei abge- bobener Perlagg nicht behalten werden darf. 3. Beim Ausgeben etwa auffallende Karten fnnen zurd:- gemiejen und ein neues Musgeben verlangt werden; alfen- falls hiebei abgehobene Perlaggen verbleiben auch dann dem Abheber, wenn wegen Vergebens neu gemifcht werden mu. 4. Das Anfchauen der nach dem Ausgeben verbleibenden Karten, fei es von oben oder von unten, ift unftatthaft. 5. Die Zahl der Punkte, mit welcher das Spiel ausgeht, ift vor Beginn des Spieles zu vereinbaren. (Zu 9, 11,15 ufm.) 6. Die Rongordnung der drei Figuren ift folgende: 1. Gleich, 2. Hanger, 3. Spiel. 72 " 7. Der Bietende fjomohl als der Haltende mffen die von ihnen gebotene bezw. gehaltene Figur (Gleich) und Hanger) haben. Was einmal von einem Spieler geboten oder ger halten ift, felbft wenn es ohne Einwilligung des betreffen- den Partners gefchieht, darf nicht mehr widerrufen werden und mu der bietende oder haltende Spieler die gebotene, bezw. gehaltene Figur haben. 8. Auf jedes Gebotene mu fogleih Antwort gegeben werden. Wenn im Verlaufe des Spieles eine frher gebotene und gehaltene Figur von der einen oder anderen Partei neuerdings geboten wird, fo fteht der Gegenpartei das Recht zu, Diefelbe abermals zu halten oder auch gut fein zu laffen. 9. Die gebotene und vom Gegner nicht gehaltene Figur gilt als gemacht und gefchrieben und zieht felbft der vor- gebotenen Figur vor. In allen brigen Fllen entfcheidet die vorgebotene Figur, und zwar in der Rangordnung, in der fie geboten wurde. (Erft-, Zmeit-, Drittgebotenes). Be: vor eine gebotene Figur nicht entfchieden ift, fanin eine nicht gebotene Figur nicht als gemacht und gefchrieben angefehen werden. 10. Es fann nur 3, 4, 5, 6, 7, Spiel aus gefteigert werden. 11. Der Beginn des Gteigerns fteht nur der haltenden Bartei zu. 12. Die bis zum Spiel aus gejteigerte Figur zieht allen enderen Figuren vor. 13. Es darf nie Zarbe verleugnet werden, auer es wird geftochen. 14. Als ausgefpielt ift jene Karte zu betrachten, welde von bem Spieler auf Den Tifch geleat und fosgelaflen wird. 73 -15. Eine einmal ausgefpielte Karte darf nicht mehr aurdgenommer werden, es wre denn, da Barbe befannt werden mu.- 16. Ein irrtmlich ausgefpielter Perlagg darf felbft nicht im Falle des $ 15 zurdgenommen und mu fofort getauft werden. ($ 17.) . 17, Seder Perlagg mu fofort beim Ausfpiefen getauft werden, andernfalls er zur einfachen Karte wird. (Weli zur Scell-Sedhs ufm.) (Siehe $ 14.) 18. Ein einmal getaufter Berlagg darf nicht mehr umge tauft werden. 19. Jeder getaufte Perlagg fticht die gleichwertige Karte derfelben Farbe nad) Magabe der Rangordnung der Per- Taggen -jefbft. 20. Wer 1. bei erreichter vorlebter. Punktzahl oder 2. joniel Figuren zugleic) bietet, da Damit die ausgehende Punktzahl erreicht wird, berbietet fi), und find der fo fich berbieten- den Partei fofort zwei Bunkte zu Tfchen. . . 21. berjehen entjchuldigt nicht. Reklamationen beim Aufihreiben gelten nur jo lange, bis vom darauffolgenden Spiele die erjte ausgefpielte Karte auf dem Tifche Iiegt. 22. Die Partei, melde das Spiel hat, ift verpflichtet zu meifen, die allenfalls bereits aufliegende Figur abzu- weifen oder zu bieten, und hat die Gegenpartei fofort Ant- wort zu geben, bezw. zu ftelfen, abzumeifen oder zu bieten; im weiteren obliegt diefe Pflicht wieder ber erfteren Partei. Jede Partei ift berechtigt, um die gar nicht gemwiefene, nicht geftellte oder nicht beffer gewiefene Figur zu fragen, und die gefragte Partei ift verpflichtet, die fo unentfchiedene Figur zu weifen, zu ftellen oder abzumweifen, bezw. zu bieten ober gut fein zu lafjen. 74 23. Die das Spiel habende Partei hat nicht das Recht, eine von ihr als ftehend erklrte Figur |pter wieder beffer zu machen; diefes Recht fteht jedoch der Gegen- partei zu. 24. Sobald die Figur Spiel entjchieden ift, fteht es nur der fpielhabenden Partei zit, bezw. ift diefelbe hiezu ver- pflichtet ($ 22), au weifen oder zu bieten, und darf fie in der Erfllung diefer Pflicht in feiner Weije beirrt oder ge- hindert werden, fei es durch Vorbieten, Vorweifen oder fonftwie. Es ift nicht geftattet, da nach Entiheidung der Figur Spiel die bereits am Tifch aufliegenden Karten aufgenommen werden, bevor nicht alle drei Figuren ent- fchteden find. 25. Im Salle beide Parteien ein Drikiges, Vierfaches ufw. befigen, fo find felbe verpflichtet, den Hhengrad desjelben zu betennen, aber nicht die Karten abzumeifen, bevor nicht feftgeftellt ift, da ein Unterfchied vorherricht, im welchem Falle natrlich abgemiefen werden mu. Durd voreiliges Abmweifen wrde fr den Fall der Gleichheit der Figur ($ 26) das Darauf entjcheidende Spiel durch die aufgebedte Lage der Karten verraten. Sedoch mu zum Schluffe nachgewiefen werben fnnen, da die als gleichwertig erflrte Figur wirklich vorhanden war. (8 31). 26. Haben beide Parteien gleichwertige Figuren desfelben Ranges, jo entjheidet ausschlielich die Figur Spiel, wo- bei fodann die Spielenden nicht mehr an die frhere Figur gebunden find und die Perlaggen zur freien Verfgung haben. 27. Die beim fnften Gange zuerft ausgeworfene Karte gilt als Spielfarbe und fann das Spiel nur mit Farbe, 15 Trumpf oder Perlagg geboten und gehalten, bezw. gefteigert werden, ungeadtet, ob Trumpf oder Perlagg vorgelegt worden ilt. 28. Wird das Spiel im alle des vorjtehenden $ 27 mit einem Perlagg geboten oder gehalten, fo fteht es dem Bietenden, bezw. Haltenden frei, diefen Perlagg ohne Rd- fiht auf die Spielfarbe zu verwenden. 29. Es ift geftattet, da ungejehen eine, zwei oder auch alle drei Figuren von einer Partei gemeinfchaftlich geboten werden, in welchem Falle bie fo bietende Partei an die ' gebotenen Figuren gemeinfchaftlich gehalten ift (8 7), wenn . berhaupt die Mglichkeit, die jo gebotenen Figuren maden zu knnen, vorhanden ift. Wenn ungejehen alle brei Figuren zugleich geboten werden, das Vorgebotene aber nicht beftimmt genannt wurde, fo gilt als foldes: 1. das Gleich, 2. der Hanger, 3. das Spiel. Wird das ungefehen gemeinfchaftlich Gebotene von der Gegenpartei gemeinfchaftlich gehalten, fo. ift. diefelbe auf Befragen verpflichtet, zu erflren, welcher von den Partnern das eine oder das andere hlt. 30. Die diefen Regeln vorangehende Erklrung bes Spieles ift ein integrierender Beftandteil diefer Perlagger- ordnung. 31. Derjenige, welcher eine Figur bietet oder hlt, ohne diefelbe zu haben oder machen zu fnnen, verliert drei Puntte; follte diefe Partei die drei Punkte noch nicht haben, fo werden diefe oder die noch fehlenden im Laufe des Spieles in Abzug gebradt. Diefe Strafe gilt nicht fr das ungefehen Gebotene. 32, bertretungen diefer Perlaggerordnung fnnen mit vorher zu vereinbarenden Strafen belegt werden. 76 Anmerfung des Verfalfers: $ 25 und 26 werden jebt ge- whnfich nur dann angewandt, wenn beiden Parteien nur mehr ein Punkt zum Ausgehen fehlt; wenn allo feine Partei mehr bieten darf. Man frgt dann um fnftige, viertige, driige. Die Partei, die die bejjere Figur hat, ift aus. Haben beide Parteien nur einfache Figuren oder hat man durch Tragen jejtgeftellt, da beide Parteien eine gleich hohe Figur (3. 8. hchftviertigen Hanger oder drei Affen haben) fo geht das Spiel aus. Regeln wie fie am 5. April 1924 von einem Zeil der Innsbruder Perlagger anfgeffellt wurden. 8 1. Wenn feine andere Form zwifchen den zwei oder vier Spielern ausgemacht wurde, wird durch Abheben der Karten die Zufammengehrigfeit hergeftellt! Hoch zu Hoch! Nieder zu Nieder! As ift niederer als jelbjt der Welli. Die niederfte Karte gibt an. Im weiteren Verlaufe des Spieles gibt jedoch die verfpielte Partei die Karten aus. Die zwei Zufammengefommenen heien Pariner; fie tnnen fich durch Zeichen gegenfeitig verftndigen, find und bleiben folidarifch. (Siehe Erklrungen.) 8 2. Die beim Abheben zum Ausgeben abgehobenen ftn- digen Perlaggen verbleiben dem Abheber, ein aus Ber: fehen nicht abgehobener Perlagg verbleibt im Kartenpatet und darf von niemand angefordert werden. Es mfjen beim Abheben mehrere Karten abgehoben wer: den, um nicht den Anfchein zu erweden, da der betreffende Abheber auf leichte Art einen Perlagg erringen will. 27 Werden beim Abheberi Karten geftreut, wodurd) die Farbe erfichtlich wird, fo mu neu ausgegeben werden, in welchem Talle ein etwa hiebei abgehobener Perlagg nicht behalten werden darf. Nicht vom Geber verftreute Karten Ilieen ein neues Musgeben aus. 8 3. Beim Ausgeben etwa auffalfende Karten knnen zu= rdgewiefen und ein neues Ausgeben verlangt werden. Allenfalls hiebei abgehobene Perlaggen verbleiben auch dann dem MAbheber, wern wegen Vergebens neu: gemifcht werden mu. Werden zu viel oder zu wenig Karten aus Berfehen aus= gegeben, mu das fofort vom Spieler gemeldet und neu ausgegeben werden. 8 3. Sollte fi) aber am Ende des Spieles herausftellen, da abfichtlich mit mehr als fnf Karten weitergefpielt wurde, fo wird die Partei, welche dabei betroffen wird, jeder ge- machten Figur verfuftig erklrt und um zwei Buntte geftraft. _ $ 4. Das Anfchauen der nad) dem Ausgeben verbleiben- den, Karten, fei es von oben oder unten, ift unftatthaft. Schlgt der Geber einen Perlagg als Trumpf auf, fo hat er das Recht, denfelben mit einem Trumpf abzutaufchen, hat er feinen Trumpf, geht das Necht auf feinen Partner ber. Der Austaufch von Seite der Gegner ift ausgefchlofien. 8 5. Die Zahl der Punkte, mit welchen das Spiel ausgeht, ift vor Beginn des Spieles zu vereinbaren (zu 11, 15,21 ufm.). 8 6. Die Rangordnng der drei Figuren it folgende: 1. Gleich, _ 2. Hanger, 3. Spiel. 28 & 7. Der Bietende fowohl als der Haltende mffen die von ihnen gebotene, bezw. gehaltene Figur (Gleich und Han- ger) haben. Was einmal von einem Spieler geboten oder gehalten ift, felbft wenn es ohne Einwilligung des Partners gefchieht, darf unter feiner Bedingung mehr widerrufen werden und mu der bietende oder haltende Spieler die gebotene bezw. gehaltene Figur haben, fonft wird der be- treffende aller gemachten Figuren verluftig erklrt und auer- dem noch um zwei Puntte bejtraft. Dasfelbe gilt auch) bei der Figur Spiel. 8 8. Auf jedes Gebotene mu unbedingt Antwort gegeben werden; es geht nidht an, wenn zum Beifpiel Spiel und Gleich oder Hanger geboten wird, fi auf den 8 22 zu berufen, ber ein felbjtndiger Paragraph ift und nur den Grundzgen der fpielhabenden Partei gerecht zu werden hat. Die Antwort hat auf jede Figur fofort zu erfolgen. Wenn im Verlaufe des Spieles eine frher gebotene und gehaltene Bigur von der einen oder anderen Partei neuerdings ge- toten wird, fo fteht der Gegenpartei das Recht zu, Diefelbe zu halten oder auch gut fein zu Laffen. 89. Die gebotene und vom Gegner gut fein gelaffene Figur gift als gemadt und auch als gefchrieben und zieht daher felbft der vorgebotenen Figur vor. In allen brigen Fllen enticheidet die vorgebotene Figur, und zwar in der Rang: ordnung, in der fie geboten wurde (Erft-, Zweit-, Dritt- gebotenes). Bevor eine gebotene Figur nicht entfchieden ift, fanni eine nicht gebotene Figur nicht als gemacht betrachtet und ge- fchrieben werden. 810. Es fonnnur 3,4 5,6,7, Spiel aus gefteigert werden. 79 $ 11. Der Beginn des Steigerns fteht nur der haltenden Partei zu. 8 12. Die bis zum Spiel aus gefteigerte Figur zieht allen anderen iguren vor. 8 13. Es darf nie Farbe verfeugnet werden, auer es wird mit Trumpf oder Perlagg geftochen. Bi 8 14. Als ausgefpielt ift jene Karte zu betrachten, welche von bem Spieler auf ben Tifch gelegt und ausgelaffen wurde. 8 15. Eine einmal ausgefpielte Karte darf nicht mehr zu= rdgenommen werden, es wre benn, da Farbe befannt werden mu. 8 16. Ein irrtmlich ausgefpielter Perlagg darf felbft nicht im Falle des $ 15 aurdgenommen und mu jofort getauft werden ($ 17). 8 17. Seder Perlagg mu fofort beim Ausfpielen getauft werben, andernfalls er zur einfachen Karte von der Gegen- partei erklrt wird (Welt zu Schell-:Sechs, fiehe $ 14). 8 18. Ein einmal getaufter Perlagg darf unter keiner Be- dingung umgetauft werden. 8 19. Jeder getaufte Berlagg fticht die gleichwertige Karte derfelben Farbe nach Magabe der Rangornung der Pers Taggen Jelbft. 8 20. Die Partei, welche im Verlaufe des Spieles auf der vorleten der vereinbarten PBunttzahl angefommen ift und, wenn aud aus Berfehen, nod) eine Figur bietet, wird wegen berbieten fofort um zwei PBuntte beftraft. 8 21. berfehen entjchuldigt nicht, nad) dem Grundfae: . Ein Spieler jhlft nicht! Reklamationen beim Auflchreiben gelten nur fo large, bis vom darauffolgenden Spiel Die erfte 80 ausgelpielte Karte auf dem Tifche liegt. Nachtrglich Irrun- gen zu verbefjern oder deren Ridytigftellung ift nicht zulfig. 8 22. Die Partei, welcher das Spiel gut ift, hat die Verpflichtung, zu weifen, die allenfalls bereits aufliegende Figur abzumeifen oder zu bieten. Die Gegenpartei hat fo- fort Antwort zu geben ($ 8), bezw. zu ftelfen, abzumeifen oder zu bieten. Im meiteren obliegt diefe Pflicht wieder der ipielhabenden Partei; jede Partei ift berechtigt, um die gar nicht gewiefene, nicht geftellte oder nicht beffer gemiefene Figur zu fragen, und die gefragte Partei ift verpflichtet, die fo unentichiedene Figur zu weifen, zu ftellen oder ab- zumeifen, bezw. zu bieten oder gut fein zu lafjen. Der ein geriffene Unfug: Ich werde zum Schlu fchon mein Ge botenes oder Gehaltenes haben, ift unftatthaft. 8 23. Die das Spiel habende Partei hat nicht das Recht, eine von ihr als ftehend erklrte Figur fpter wieder beffer zu machen, ober noch einmal um Antwort zu fragen: Was macht diefe Figur? Diefes Necht fteht jedoch der Gegen- partei zu. 8 24. Sobald die Figur Spiel entichieden ift, Tteht es nur der fpielhabenden Partei zu, bezw. ift diefelbe hiezu verpflichtet ($ 22), au weifen oder zu bieten und darf fie in der Erfllung diefer Pflicht in feiner Weije von der Gegenpartei beirrt oder gehindert werden, fet es durch Bor- bieten, Bormeifen oder jonjtwie. Es ift nicht gejtattet, da ncch Enticheidung der Figur Spiel die bereits am Til arfliegenden Karten aufgenommen werden, bevor nicht alle drei Figuren entjchieden find. 8 25. Im Falle, da beide Parteien 14 14 ufw. haben und nur nod um den einen Punkt zum Ausgehen gefmpft 6 8 werden mu, ift vom Iinfen Spieler des WMusgebers um Dribiges, bezw. Vierfaches oder Fnffaches zu fragen. Er- Hrt die Gegenpartei, ein folches nicht zu Haben, ift die Partie gemacht. Erflrt die Gegenpartei, da fie ebenfalls ein folches befigt, find beide Teile verpflichtet, den Hhengrad desfelben zu befennen, eventuell zu riskieren, aber nicht die Karten auf den Tifh zu weifen, bevor der Grad nicht feftgejtellt ift. Haben beide Parteien zum Beifpiel ein dritiges oder vier- foches Gleich in gleichem Hhengrad, welche Figur den einen Punkt abforbiert, fann eine mindermertige Figur niemals in Betracht fommen, Jondern in diefem Falle enticheidet das Spiel. Durch voreiliges Ubweifen der Karten wrde fr den Fall der Gleichheit der Bigur (8 26) das darauf entfcheidende Spiel durch die aufgededten Karten verraten fein. $ 25a. Der vielumftrittene Fall 14 13 kann nur in fol- gender Weife ausgelegt werden: Zum Beilpiel die 13 bieten Gleich oder Hanger, die 14 Iajjen die gebotene Figur gut fein, jo haben die 13 auch 14, und nachdem ein minder- wertiges nicht in Betracht fommen fann, wenn eine hher- wertige Figur vorhanden ift, fo enticheidet analog dem 8 25 das Spiel. Bieten die 13 aber zuerst das Spiel, die 14 laffen dasjelbe gut fein, fo tritt wieder der 8 25 in An wendung, und bei Gleichheit der hherwertigen Figur mu unbedingt neu ausgegeben werden. 8 25b. Der fehr oft beftrittene Zall 14 12 wird dahin richtiggejtelft, da die 12 gezwungen find, zu bieten, um den 14 den Sieg zu entreien. Bieten zum Beifpiel die 12 Gleich und Hanger und wird von den 14 gut fein gelaffen, 82 fo haben die 12 auch 14. In diefem Falle entjcheidet wieder das Spiel" ($ 25). Schauen die 14 die zwei gebotenen Figuren an, fo werden die 12 auch die dritte Figur bieten, das ift fr die 14 eine Falle, in welche fchon viele 14 hinein- gefallen find, wodurd Streit entftanden ift. In dem guten Glauben, da die 12 nicht alles machen fnnen, laffen fie das Spiel gut fein, jomit Haben die 12 auch 13 und es geht das Erjtgebotene aus; wird das von beiden Parteien gleichwertig gemiefen, fo entfllt das Zmeit- gebotene und es mu nad) $ 25a neu ausgegeben werden. Haben die 14 das Drittgebotene auc) angefchaut, fo geht das weitgebotene aus. 8 26. Haben beide Parteien gleichwertige Figuren bes= felben Ranges, fo entfcheidet ausjchliefich das Spiel, mo- bei dann die Spielenden nicht mehr an die frhere Figur gebunden find und die Perlaggen zur freien Verfgung haben. 8 27. Die beim fnften Gange guerft ausgeworfene Karte gilt als Spielfarbe und fann das Spiel nur mit Farbe, Trumpf oder Perlagg (der nicht fchon frher zu einer ge- botenen oder gehaltenen Figur hat verwendet werden mffen) geboten, gehalten, bezw. gefteigert werden, unge- achtet, ob Trumpf oder Perlagg vorgelegt worden ift. $ 27. Im alle, als zum dritten Stich eine Partei den Martf oder den hdjften Perlagg auswirft, im guten Glau= ben, damit das Spiel zu haben, und den Gegner dadurd verhindern will, feine noch in den Hnden befindlichen Karten auszunen, irrt fie fih gewaltig, denn erft, wenn ber lebte Spieler feine Karte niedergelegt hat, ift das Spiel gemacht, wenn es nicht frher, um die Karten nicht zu 6* 83 verraten, gut fein gelaffen wird. Solange Karten in den Hnden fich befinden, fnnen diefelben nach Bedarf und Belieben ausgent werden, fonjt wre das eine Einfchrn- fung der perjnlichen Freiheit. 8 28. Wird das Spiel im Zalle des vorftehenden 8 27 mit einem Perlagg geboten oder gehalten, fo jteht es dem Bietenden bezw. Haltenden frei, diefen Perlagg ohne Rd fiht auf die Spielfarbe zu verwenden. 8 29. Es ift geftattet, da ungefehen eine, zwei oder alle drei Figuren von einer Partei gemeinfchaftlich geboten wer- den, in welchem Falle die fo bietende Partei an die ge- botenen Figuren gemeinfchaftlich gehalten ift (8 7), wenn berhaupt die Mglichkeit, die fo gebotenen Figuren maden zu knnen, vorhanden ift. Wenn ungefehen alle drei Figuren zugleid) geboten mwer- den, das Vorgebotene aber nicht bejtimmt genannt wurde, fo gilt afs folches 1. Gleich, 2. Hanger, 3. das Gpiel. Wird das ungefehen Gebotene von der Gegenpartei ge- belten, fo ift diefefbe auf Befragen verpflichtet, zu erklren, welcher von den Partnern das eine oder das andere hlt. 8 30. Die diefen Negeln vorangehenden Erklrungen, Beilpiele und Einleitung des Spieles find ein integrierender Beftandteil diefer Perlagger-Drdnnung. 8 31. Derjenige, welcher eine Figur bietet oder hlt, ohne diefelbe zu haben oder machen zu fnnen, verliert alle ge- machten Bunkte und wird auerdem um drei Puntfte beftraft. Sollte diefe Partei noch feine drei Punkte haben, jo wer- den Diefe im Laufe des Spieles abgezogen. Dieje Strafe gilt nicht fr Das ungefehen Gebotene, 84 8 32. bertretungen diefer Perlagger-Drdnung fnnen mit vorher vereinbarten Strafen belegt werden. Es mu natrlich den Spielern felbjt berlaffen werden, ob nach den alten oder nad) den fogenannten neuen Regeln gejpielt wird. Das fogenannte Strafperlaggen wird von drei Spielern gefpielt, von denen jeder felbftndig ift. Die Regeln find die- felben wie beim gewhnlichen Perluggen. Unterfchied befteht nur in der Auffchreibung der Punkte; wer nmlid) eine jelbft gebotene oder angefchaute Figur nicht macht, wird um foviel Puntte als gefteigert wurden, geftraft; das heit, fie werden ihm von feiner Schrift abgezogen. Kleine Feinheiten und goldene Regeln, die jeder Anfnger beachten foll, Wie jchon eingangs erwhnt, achte man genau, ob und welcher Berlagg abgehoben und ob und welcher abgetaufcht wurde; auch ift es wichtig, zu willen, wer von der Gegen- partei abgetaufcht hat. Da man mglichjt rafch und unauf- fllig deuten joll, wurde fchon gefagt. Der Ausipieler tut gut, feinen Partner zu fragen, welche Sarbe er ihm bringen foll. Untwortet der Gute oder eine! fo ift das ein Zeichen, da er Trmpfe hat und gemillt ift, damit zu ftechen. Hat der Partner feinen Trumpf, fo ift es oft gut, Trumpf zu werfen. Zu diefem Zwede eignet fich em bejten das Trumpfas. Trumpfas ift die Seele des Spieles, heit es. Mit einem Berlaggen gleih fon am Spielbeginn Trumpfas werfen tut man nur, wenn man den Berlagg fonft zu nichts bentigt. 85 Dede Partei wird fich genau merken, welde Farbe von der Gegenpartei verlangt wurde, jomohl um fi) zu hten, diefe Farbe auszufpielen und dadurd) dem Gegner einzu- werfen, als auch um im weiteren Verlauf einen Anhalts= puntt zu haben, die Karte des Gegners zu erraten. ft das erfte Blatt gefallen, dann trifft es vor allem den teten von der Gegenpartei, aufzupaffen. Wenn er nidfs fagt, ift das ein Stillfchweigendes Zeichen, da er imftande ift, mit Farbe oder Trumpf zu ftechen. Wer nichts Tagt fticht! heit es. Kann er das nicht, fo ift es feine Schuldig- feit, jeinen Sreund davon in Kenntnis zu feen, damit diefer nicht verfume, zur rechten Zeit einen Trumpf hineinzulfegen. Der zweite, dritte und vierte bejtreben fic) mit Farbe oder Trumpf zu ftechen. Vorhandene Trmpfe zurdzubehalten, ift eine bel angewendete Sparjamteit; dur das recht: zeitige Vorlegen eines kleinen Trumpfes, eines fogenannten Reigenfteins, lodt man oft dem Gegner einen Perlagg her- aus oder zwingt ihn zum Bieten. Sit der Spieler, der mit einem Perlagg ftechen kann, im HBweifel, was er tun foll, ift es angezeigt, feinen Partner zu fragen, ob der Stich von Enticheidung ift. Man frgt: Nbt es (nmlich zum Spielmadjen), wenn id} fteche? Wenn nad der Karte des Freundes feine Ausficht vorhanden ift, das Spiel zu maden, lt man es lieber gut fein und verwendet den Perlagg zu was anderem. Wer den erjten Stich gemacht hat, wird, wenn nicht fein Bartner verlangt, da er Trumpf fchlgt, womglid eine Bodfarte ausipielen. Kann er das nicht, foll er fich mit feinem Partner beraten, was er werfen foll. Bod heit jede Karte, die vom Gegner nicht mit Tarbe geftochen werden 86 kann, entweder weil er fie nicht befitt oder weil in der- lelden fehon alle hheren Karten herauen find. Beim Sicheren bleiben, it immer das beite. Man frgaue elfo nicht Gleich und Hanger, fondern nur eine Figur an, wenn man mit den Perlaggen, die man in der Hand hat, 3. B. einen fchnen viertigen Hanger zufammenbringt. Man verlege jich alfo nur auf eine Figur, Die man vorausfichtlich madt. Am Beginn des Spieles Hanger bieten, befonders wenn man ihn nicht Natur in der Hand hat, ift nicht gut. Man fchaue immer auf die Schrift, d. H. man vergewiffere fi, wie viel Gutpunfte man felbft und wie viele der Gegner bat und richte fi) darnadi. Sft man weit vor, fpiele man fiher, da man fid) feinen Vorfprung erhlt. It man welt zurd, kann man frecher fpielen. Immer aber hte man fich, eine Figur unntigerweile anzufchauen und dadurch dem Gegner vorwrtszuhelfen (auffihelfen). Wenn man eine fchne Figur macht, oder mit Hilfe von Perlaggen die eine oder die andere Figur zufammen- ringen fann, fie aber nicht Natur hat, frgt man zuerft den Partner und lt fie, wenn Diefer fie Natur hat, von ihm bieten. Bieten, wenn man eine Figur nicht Natur bat, ift faft immer jchlecht. Wenn man das Spiel fiher zu machen glaubt, bietet man nicht nur Spiel allein, fondern gleichzeitig noch eine Figur, und zwar gewhnlich das Gleich mit. Der Gegner mu dann auf beide gebotenen Figuren antworten. j Hat man feinem Partner 3. B. ein vierfaches Gleich ge- deutet, jo ift es an ihm, im rechten Moment das Gleich zu bieten oder anzufchauen, auch wenn er nur ein ganz 87 tleines hat. Man bleibt dabei mit feinem viertigen ftill- fehweigend fchn im Hintergrund, um erft dann bei ber Enticheidung berrafchend einzugreifen. Man lt auch oft aus freien Stden Spiel gut fein. Man zwingt dadurch die Gegenpartei zum Weifen oder Bieten und verrt fic) feine eigenen Karten nicht. Anderjeits fehaut man oft auch mit fehlechten Karten Spiel an, um eine andere Figur, insbefondere den Hanger, zu retten, denn wenn Spiel angefchaut ift, mu die Gegen partei, wenn fie es machen mill, ftechen; wenn fie aber ihre Perlaggen zum Stechen verwendet, Fann fie wahrfcheinlich feinen Hanger mehr machen. Htte man aber das Spiel gut fein gelaffen, htten die Gegner die Perlaggen frei be- fommen und damit zum Hanger gehen fnnen. So fdhreibt man 3. B. mit einem fleinen driigen Hanger in diefem Valle oftmals eins und die Gegenpartei drei; whrend man fonft, wenn man Spiel nicht angefchaut htte, felbft nichts und die Gegner drei gefchrieben htten. Man hat alfo eins gereitet. Und mit dem Schreiben geht man aus, heit ein alter Spruch. Sehlen der Gegenpartei nur mehr zwei oder drei Punkte zum Ausgehen, hat fie alfo dreizehn oder zwlf, wenn das Spiel auf fnfzehn geht, und bietet fie eine oder zwei Figuren, fo jei man mit dem Halten fehr vorfichtig, denn wenn man die Figur nicht macht, ift der Gegner aus. Menn man alfo nicht ganz ficher ift, Iaffe man es lieber gut fein, man hat dann den Vorteil, noch einmal fpielen zu fnnen. Und das Blatt fanri fich beim Perlaggen ja fehr rafch ndern. Man verbiete fich beim Perlaggen ein fr alle Mal, da Zufchauer, Nichtmitfpieler, fogenannte Kiebie, dreinreden; 88 das fhrt nur zu Unannehmlichfeiten und Gtreitereien. Ge- wi fieht oft ein Unbeteiligter beim Perlaggen mehr als der oft aufgeregte Spieler; vielleicht ift er au) ein routi- nierter Spieler, der die Situation beffer auszunuben ver- ftnde. Aber als Nichtmitjpieler hat er feine Weisheit fr fi zu behalten. Daber die Grundregel: Kiebib, halt 's Maul! die in allen Zofalen, wo perfaggt wird, gro angejchrieben fein jolf. Denn nichts ftrt das edle Perlaggerfpiel mehr als das unberecdhtigte Dreinreden. Es gehrt fich nicht und ift nicht fehn, wenn man feinem Partner, weil er etwas berfehen oder fonft einen Pluer gemadt (3. 3. felbflndig geboten) hat, einen Mordspaer heit und aufs grblichfte befchimpft, da er in feinen Schlappfchuh mehr hineinpat. Hat er wirklich einen groen Tehler gemacht, fo fage man ihm, in wiefern er gefehlt hat und Elre ihn auf. Mit Abficht pat ja feiner. Man fagt, es mffen jehr fchlechte Spieler fein, die fich gegenfeitig ber ihre Spielweife Vorwrfe machen und einander befeken. Daher der alte Sprud: Ein guter Spieler fchimpft nicht umd ftreitet auch nicht. Auch der befte Spieler ift nicht unfehlbar und macht hie und da einen Pluer. Nicht unerwhnt mge bleiben, da. nad) fterer Bengung derfelben Kartenbltter (insbefondere im Bafthaufe) die Per- laggen, auf der NRdjeite dunkler werden als die gewhn- lihen Karten. Man ift alfo bei einiger Uufmerffamfeit im- Itande einen Perlaggen von hinten zu fennen. Diefe Er- 89 fcheinung rhrt daher, da die Spieler die Perlaggen beim Spiel gewhnlich bis zum Schlu aufbewahren und daher lnger in der Hand behalten. Da die Finger der Karten: fpiefer im Wirtshaus oft nicht gerade peinlich fauber find, werden vom Halten die Karten auf der NRdfeite natrlic) Ihmuig; da es nicht angenehm ift, wenn die Karten fchon von hinten zu erkennen find, perlagge man nur mit fauberen Karten. Da es aud vortommt, da fErupellofe Spieler die Per- faggen auf der Ndfeite Durch irgend ein Zeichen (Uus- tragen des Randes ufw.) abfichtlich kenntlich machen, unter- fuche man die Karten vor dem Spiel genau, befonders ' wenn man mit Unbekannten fpielt. Auch dringe man darauf, da nach jedem Spiel gut ge- mifht wird und verbiete fi das fogenannte Radeln, wobei der Mifcher die Perlaggeri fo zufammenftedt, da er genau wei, wie fie im Spiel. liegen. Nach dem Abheben kann er dann beurteilen, wer die Berlaggen befommen hat. 0 > Bolktiimliche Redewendungen und Kraftausdrde wie: fie bei den Tiroler Nationallartenfpielen Biefen, Waffen und Perlaggen in Nordfirol blidy und gebrudlid find. Beim Spielbieten. Perlagger, die Abwechflung ins Spiel bringen wollen, denen das Kartenipiel nicht allein . totes Spiel der Karten, fondern eine geiftanregende Unter- haltung ift, jagen, wenn fie Spiel bieten wollen, nicht ein- fach Das Spiel ift geboten! oder Ich biete das Spiel, fondern fie bedienen fich dabei origineller Umfchreibungen. 3.8. fie fagen: Spielleut fein auen! oder nur Au'n fein fiel (Nm fih die Gpielleut.) Die Mufig! (Mufit.) Die Mufitanten fein. do! Mufitalienhandlung! Wobei intereffant ift, wie hier Mufitmachen, die andere Bedeutung des Wortes Spielen, angewendet wird. Aud) das Hineinhauen mit der Fauft auf die Tifchplatte gilt in manchen Gegenden als Spielbieten. Immer aber mu betont werden, da es fr den Anfnger unbedingt notwendig ift, durch die Rdfrage Dit alfo Spiel geboten?, fi zu vergewilfern, ob der Gegrter mit dem volfs- 941 tmlichen Ausdrud, der ja nicht das Wort bieten enthlt, auch wirklich bieten oder ob er einem nur eine Falle jtellen wollte. Beim gutfeinlaffen oder Halten. Bietet eine Partei eine Figur und die Gegner Iaffen fie, ohne lang zu berlegen, gut fein, fo mffen fie wohl hren, da die Bieten- den ihnen jagen: DO mei, d fein ja vom Schredbdl dahoam!, d. h. foviel, als fie erfchreden gleich und haben Angft. S5 feids jo Henneler! (Soviel wie Feiglinge, Furdt- bennen.) D je, dd laffen ja glei davim! oder D je, d Iaffen glei bis Holf oil (Sie laufen gleich nad) - Hell hinunter.) DB laff'n jo ber neun Zun aus! Seids jo gar Dottirearer! Anftatt anfchauen oder halten find aud) die NAusdrtte nicht gehn gebruchlich). Auch Redewendungen fommen vor wie: Mir bleiben do, wo mir fein!, Koan Schritt gian mir und wenns Graz foftet! oder nur Roan Schritt!, werden allgemein ange- wendet. Wenn eine Partie gar fo berlegen tuend bietet, und die Gegner feine fchlechten Karten haben, entgegnen diefe wohl: Meants s, mir fein auf der Brennfupp'n daher- gihwummen? Mir fein do nit von Schredbchl dahoam! Mir gian jo nit, und wenns Gtoaner regnet! Wenn fie gar drei geben knnen, fagen fie mohl An Srofchn auf die Gofchn! 92 Mir werdn enf fon s Hennenmeahl aufanen! Bom Stehen und Zugeben. Hat der Partner fleine Trmpfe, fo fagt der Spielleiter wohl zu ihm: Traߒn nur a bil! (Traߒn = reizen.) Zu an Reitenftein eini! (Ein Hleines Trmpfel zum Reizen.) Lg'n nur fo an Riefr vr, nocher mu er auer mit die tiafn Tn! (Riefer, foviel wie Eleiner Trumpf; tiefe Tn, foviel wie die Perlaggen.) Sagt ein Spieler zu feinem Partner: Stich nur! und er fann nicht, jo entgegnet er ihm: Moanft i funn die Kart'n moln! (malen) oder Moanft i bin der Kart'nmaler Faffer! (Anfpielung auf den Innsbruder Spielfartenfabritanten Faller, der vor Sahren in der Pfarrgaffe fein Gefchft hatte und die Spief- farten felbjt mit der Hand olorierte.) Will ein Spieler haben, da der Partner fticht, fagt er: Haun nur obi! Ro nur nig lbn! 9 lamm damit! Zeatn nur! (Tten.) Hau di un! Hat man mittelmige Karten, alfo 3. 3. einen [chlechten Perlagg, gute Barbfarten, fleine Trmpfe, und bringt da mit Eleine drigige Figuren aufammen, fagt man zu feinem Partner auf Befragen, man hat raffete (raufende) Karten. Sieht eine Partei, da fie zu viel gehalten hat und nun alles verliert, fo hrt fie wohl fpottende Kraftiprche des Gegners, wie: 93 D mei, jet friagts Kalbt Lust Bel, jegt gian ent die Hoar aus! Sit aber nod) gelinde Hoffnung, eine ober die andere Tigur zu machen, fo antworten die mit obigen Ausdrden Bedacdhten etwa: Na, na, fo jchnelf fchieߒ'n die Rreu'n no nit! Sit wirklich jede Rettung ausgefchlofjen, fagen die Ver: lierer wohl: Dsmal hobn mir in an Dred einigriffin! und trften fih, indem fie den Sieg der Gegner nur ihrem Gld, ihrer Sau, zufchreiben. Sie fagen dann: Mit der vollen Hofn, ift leicht ftintn! D mei, mit die Hnd voller Perlagg'n fonns mei Gro- muattr al Die PBerlaggn hobn en jo derdrudt! und froeln dazu: Ds hobts heint gwi a Schweinernes gefn! D mei, a Schweinernes hobn fie halt ghobt! Lot s ent ngftimol die Hand vergolden! Braucht ein Spieler recht Tange zum Musgeben sder zum berlegen, wird ihm wohl zugerufen: &chlein di, moanft i fun do heint bernacht'n? oder Tua a bil gichwinder, i mua ja morgn um adti in der Kanzlei (Geichft) fein! Bgert eine Partei mit dem Anfchauen, heits: s traut ene ja eh nit, 5 Dottirearer! (Vom Dattelen, dem Augel- fpiel der Buben.) Hat eine Partei, die im Spiel noch weit hinten war, in der Verzweiflung geboten, und die Gegner, die die Figuren gehalten haben, fehen, da fie fichere Sieger find, fo jagen fie zu den Berlierern: 94 D mei, jeht feids fon beim Johannes au'n!, d. h. fo- viel wie verloren, hin, gejtorben, und fpielen auf bie Io- bannestirche am Innrain an, bei der die Leichen am Weg zum Sriedhof eingefegnet wurden. Hat eine Partei verloren und mu den Wein zahlen, hat fie natrlich auch fr den Spott nicht zu forgen. Um die Verlierer noch zu froeln und zu. rgern, gibt es eigene Sprde. Einer der Gewinner erhebt das Glas und fagt 3. B.: Nach alter Sitte und Braud, j Reben die Seltgeber auch! Heint ift aber der Wein guat! Da, und billig, i woa gor nit, wos er koftet! fagt der andere Sieger. Jedes Zofomotiv hat feinen Tender, Es leben die edlen Spender! . oder Jeder Lotomotivfhrer raucht feine Rurzen, s leben die edlen Wurzen! find befiebte Sprde, um der eigenen Giegesfreude Aus drud zu verleihen und die Unterfegenen zu rgern. 95
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Wird das ungesehen gemeinschaftlich Gebotene von der Gegenpnrtei gemeinschaftlich gehalten, so ist dieselbe auf Befragen verpflichtet zu erklren, welcher von den Partnern das eine oder das andere hlt.
30. Die diesen Regeln vorangehende ,,Erklrung des Spieles" ist ein integrierender Bestandtheil dieser Perlagger-Ordnung.
31. Derjenige, welcher eine Figur bietet oder hlt, ohne dieselbe zu haben oder machen zu knnen, verliert drei Punkte; sollte diese Partei die drei Punkte noch nicht haben, so werden diese oder die noch fehlenden im Laufe des Spieles in Abzug gebracht.
32. Uebertretungen dieser ,,Perlaggerordnung" knnen mit vorher zu vereinbarenden Strafen belegt werden.