Alois Pöll, *1838 - †1915, geboren in Pians bei Landeck, also ein Oberländer felsenfest, von Beruf landsch. Lagerhaus-Verwalter, Innsbruck, Fallmerayerstrasse 9.
Angaben zum Werk
Das Perlagg-Spiel
Regeln
Im Selbstverlag des vorbereitenden Ausschusses für den Perlagger=Congress 1890 zusammengestellt.
Innsbruck; Druck der Wagner'schen Buchdruckerei.
Das Büchel ist vorhanden in der Universitätsbibliothek Innsbruck und folgend verlinkt: Persistent identification
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Alois Pöll ist ein relativ unbekannter Mensch. Allerdings war er in der Innsbrucker Bezirkskrankenkasse aktiv, die sich am 07.04.1889 konstituierte:
(Abb. aus: Innsbrucker Nachrichten, Sechsunddreißister Jahrgang, Dienstag, Nr. 81, 9. April 1889, S.6)
Die Deutsche Nanonalbibliothek listet Pöll unter der urn/nid: 1324387017 wie folgt:
Der Alois Pöll wurde 1938 (oder 1822) in Pians bei Landeck geboren. Bei ihm zuhause spielte man Bieten, kritisch Bieten und Gilt; und kurz bevor er geboren wurde, sollen
der südtiroler Saage nach vier Herren in Bozen das Perlaggen erfunden haben.
s.u., Sene 2
Seltsam ist aber der Befund, daß im Oberland mit drei Eichelperlaggen gespielt wurde und wird, und dass die Südtiroler 1890 beim Innsbrucker Perlaggerkongreß schriftlich darauf bestanden, ihre 4 Perlaggen (Radetzky, Welli, Schell- und Eichelsiebener) zu behalten.
Zugleich gibt es dem Bericht "einiger Vintschger" aus 1853, die berichtenten, dass in einigen Orten des Oberen Vinschgau mit Eichelperlaggen gespielt wird.
Schwaighofer berichtet auch 1926 von den beiden damaligen Theorien:
Dazu kommt die Saage aus dem hier zitierten Sagensammlungsbuch von ≡ Zingerle
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481. Die Spieler 1).
An einem Quatembertag im Jahre 182* barlaggten 4) etliche Bauern beim Waiblwirth in Meran. Sie kamen so in Eifer, dass sie trotz aller Abmahnungen spät in die Nacht hinein spielten, und dabei das Fluchen und Schwören nicht schonten. Der Teufel liess sich aber nicht
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umsonst rufen. Bald trat ein schlanker Jäger mit stolzer Spielhahnfeder in die Stube und setzte sich auf die Ofenbank ganz nahe zu den Spie= lern , die er grüsste und immer mehr anhetzte. Endlich fiel einem, der noch der beste war, eine Karte auf den Boden. Als er sich bückte, um sie aufzuheben, sah er, dass der Jäger Geisfüsse habe. Ertatternd machte er ein Kreuz und sprach die heiligen Namen aus. Doch alles umsonst — der höllische Jäger rührte sich nicht vom Flecke. Nun holte man den frommen Pater Antoni Marie, der endlich mit harter Mühe den Teufel zum weichen brachte. Dass die Spieler in Zukunft die Karten nicht mehr anrührten, darf einen nicht wundern. (Meran.)
1) S. Grimm Mlh. S. 958, wo er sagt: „Wuotan erschien als gott und erfinder des spiels, namentlich des Würfels und er ist es, der dem spielhansel im märchen den alles gewinnenden würfel verlieh, vielfach wird aber das würfelspiel auf den teufel bezogen, und in den volkssagen schaut der teufel dem spiel zu, zumal dem sonntags unter der predigt erfolgenden, und würfelt mit menschen, die ihre seele aufsetzen. in hexenakten heisst er Schenzerlein (spieler, würfler) von schanzen, würfeln, der teufel lauert auf die Spieler." Vrgl. Nork S. 252.
2) Vrgl. v. Alpenburg S. 249 , 283. Rochholz II, S. 203. Tirol. Sg. S. 216. Panzer II, S. 59.
3) v. Alpenburg S. 280. Vrgl. Wolf Nl. S. 565. Nork S. 253. :Kuhn Mark. S. 160. Vernalekeu S. 93. Panzer II, S. 60.
4) lieber dieses beliebte Spiel s. die Schrift: das Tiroler National - oder Perlaggspiel, erklärt von einigen Etschländern. Innsbruck bei Wagner 1853.
, dass bereits in den 1820er-Jahren in Meran perlaggt wurde.
Kann es sein, dass Gilt und Perlaggen älter sind, als die Pfaulegende?
Kann es sein, dass uns ein Märchen aufgetischt wurde, und dass die verschiedensten Formen des Perlaggen auf mehrere "Erfinder" zurückgehen, dass der Perlaggerstreit viele Gesichter hat, und dass die Versuche der Kodifizierung Anmaßungen sind?
Sehen wir uns dazu doch in diesem Aufsatz ¬ die Darstellung Pöll's an, der schließlich der Einzige ist, der mit dem Perlaggen aufgewachsen ist und namentlich für die damals gespielten Original Innsbrucker Regeln, aber auch die Kritik an den südtiroler Anmaßungen und Geschichtsschreibungen steht.
Unter den vielen charakteristischenn Eigenthümlichkeiten unseres wackeren Tiroler Volkes sind auch die verschiedenen Spiele zn rechnen, worunter das Perlagg-Spiel
wohl als das Haupt-Nationalspiel zu betrachten sein dürfte.
Die Spitzfindigkeiten und die schwer zu berechnenden Figuren-Zusammenstellungen dieses Spieles sind in vollkommener Uebereinstimmnng mit dem Charakter (Gemüthsart) der Bewohner unseres lieben Vaterlandes. Dieses Spiel nimmt nicht nur die ganze Aufmerksamkeit des Spielers in Anspruch, sondern auch das Herz ist mit thätig, es fördert neue Witzworte und heitere Kernsprüche zutage, weshalb es als ein Erholungsspiel im wahren Sinne des Wortes bezeichnet werden muss. Einem Fremden wird es überhaupt nicht leicht, unser Nationalspiel zu erlernen, weil er die Grundidee des Spieles schwer erfasst und durch Zuschauen den Schlüssel dazu nie finden wird.
Sie rathen hin, sie rathen her,
Das Rechte treffen sie nimmermehr.
Die Abstammung und das Geburtsjahr des Perlagg=Spieles kann dermalen nicht festgestellt werden, umsoweniger, als mehrere Ortschaften sich um die Vaterschaft streiten; so die Brixner, Kastelruther, die Imster und
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das Burggrafenamt [Hervorhebung durch den Verf.] Als feststehend wird angenommen und behauptet, dass es eine Abart des völlig verschwundenen Giltspieles ist.
Das im Jahre 1853 von mehreren Etschländeren herausgegebene Perlagger-Büchl weist darauf hin, dass das Perlaggen vom alten Giltspiele abstammt und wahrscheinlich vom untern Etschlande heraufgebracht worden ist. Da der Name Perlagg nicht deutsch ist, geht man wohl nicht irre, wenn man annimmt, daß er dem italienischen ,,Perliche-perloche" entnommen sein dürfte.
In diesem Büchelchen wird auch in weitläufiger, aber nichtsdestoweniger sehr leicht faßlicher Weise die Anleitung zur Erlernung dieses Spieles gegeben, und wir haben alle Ursache, den unbekannten Verfassern dieses Schriftchens über das so belustigende und sorgenzerstreuende Perlagg=Spiel unsern Dank abzustatten.
Wie aber nichts vollkommen auf der Welt ist, so hat auch das Perlaggen seine Schattenseiten.
Durch die abwechslungsreichen Zusammenstellungen, welche dasselbe bietet, durch unrichtige Auffassung im allgemeinen und durch die Streitsucht einzelner wird leider und nicht mit Unrecht demselben vorgeworfen:
,,Gotteswort und Perlaggerstreit" währen fort in Ewigkeit".
So schwierig es nun zu sein scheint, die bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu schlichten, so soll doch ein Versuch hierdurch gemacht werden, durch Aufstellung bestimmter Regeln den gewöhnlichen Streitigkeiten vorzubeugen. Die nachfolgenden Paragraphe, welche durch die Mitwirkung verschiedener anerkannter Autoritäten des
edlen Perlagg=Spiels festgestellt worden sind, müssen von allen Spielern beobachtet werden, und da sich eine Anzahl Gastwirte Innsbrucks bereit erklärt haben, diese Be=
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stimmungen in ihren Localitäten anzuschlagen, kann füglich erwartet werden, dass jeder ehrliche Freund dieses Nationalspiels sich denselben fügen wird, und dass nach und nach diese Bestimmungen sich als Spielgesetz im ganzen Lande einbürgern werden.
Nachdem hiermit lediglich bezweckt wird, die ungemüthlichen Streitigkeiten vom Spieltische zu entfernen, so kann wohl allseitig ein günstiger Erfolg dieser Bestrebungen
erhofft werden.
Haltet fest Perlagger an diesem aufgestellten Spielgesetze, und der Erfolg wird nicht ausbleiben, zum Vergnügen und zur Unterhaltung aller, welche dieses Spiel zur Kurzweil pflegen!
...
Man sieht, obwohl man die verschiedenen Gründungsmythen anerkennt, wird der sowjetische Gedanke, das frei sich entwickelten Spiel durch die Autorität der Experten und Wirte in ein einzig gültiges Korsett zu stecken, offensichtlich. Die Bedenken der Südtiroler zu den üppigen Perlaggen werden nicht erwähnt, die Formen im Oberland und Burggrafenamt sollen sich beugen. Manchem Leser wird jetzt ein kleines Dorf in der Bretagne einfallen, wo ein Schlauer und ein Dicker die Hauptrolle spielen. Ja, die Oberländer sind eben keine Bajuwaren, die Tirol überschwemmt haben. Hier, hinter den sieben Bergen will ma salt regiere.
Wir sehen, dass viele Elemente des Perlaggens in anderen Spielen vorkommen. Vielleicht haben morphogenetische Felder das Beste aus Watten, Bieten, kritisch Watten etc. die Evolution des Perlaggens aus dem Gilt notwendigerweise betrieben, und die Beharrlichkeit einiger Varianten zeugt eben vom Überleben der vergnüglichsten Formen - und viele Spieler, die bei den Perlaggerbällen in Imst und Tarrenz nach den Regeln des Eichelperlaggens um die Titel Perlaggerkönig und Perlaggerkaiser spielen müssen, geben es ja zu: so wie in Imst gespielt wird, ist es am interessantesten.
Halten wir fest: Das Huhn ist das Gilten, und die drei Eier sind der Eichelsiebener, der Eichelunter und der Eichelober. Diese Urperlaggen leben nur im Tiroler Oberland und Burggrefenamt fort. Wir werden also noch zu klären haben, wieso die Südtiroler diese Perlaggen durch die "ständigen" Perlaggen Radetzky, Welli, Schell- und Eichelunter ersetzten, und die Nordtiroler auch die Siebener, Unter und Ober der Trumpffarbe als Perlaggen einführten. 1890 waren die drei Varianten regional vorhanden, heute haben sich die Südtiroler den Innsbrucker Regeln von 1890,1924 und 1926 unterworfen, und nur im Westen blieben die ursprünglichen Perlaggen vorhanden, wurden aber durch die "ständigen" und die Trumpfperlaggen ergänzt.
Das Giltspiel
Leider spielen nur noch einige am Sonnenplateau von Fiss bis Serfaus Gilt. Niemand hat sich die Mühe gemacht, diese zu befragen und die Regeln schriftlich zu fassen. Wir wissen sehr wenig. Aber das sind die Eckpfeiler:
1. Gilt spielt man mit 5 Karten-
2. Als Figuren gibt es Spiel (drei der 5 Stiche), Gleich (gleiche Höhe) und Hanger (gleichfarbige lückenlose Sequenz). Als höchstes gilt die höhere Anzahl von Gleich oder Hanger, bei gleicher Anzahl zählt die Höhe des Gleichs, ansonsten "steht" es und wird niemandem gutgeschrieben-
3. Es gibt Trumpf, und
4. Es kann geboten, gegangen, gehalten, gesteigert werden. Jedes Bieten unterbricht den Spielfluß bis die Gegenpartei geantwortet hat. Steigern kann jeweils nur die antwortende Partei und das maximal bis 7 oder "Spiel aus". Gehen kann man jederzeit, einmal Gehaltenes muß gezeigt werden, und es ist egal, ob der Bietende oder sein Partner die Figur macht. Wie beim Perlaggen kann man beim Spielentscheidenden Stich nur bieten, wenn man die Farbe der gelegten ersten Karte hat (oder Trumpf) und nur dann, wenn man nicht schon auf 1 unter dem Spielmaximalstand steht, also "gestrichen" ist.-
5. Es geht auf 11 oder 15 Punkte-
Allgemeines.
Man spielt mit 32 Doppeldeutschen Karten mit dem Wilhelm-Tell-Muster (von 7 bis As).
Nach dem Mischen wird nach rechts abgehoben und nach links unter 2 Mal 5 Karten gegeben. Die 21. Karte wird aufgeschlagen und ist Trumpf.
Links vom Geber wird ausgespielt, man muß Farbe bekennen oder Trumpf spielen, muß aber nicht stechen. Wie auch sonst beim Perlaggen, werden die Karten nicht in die Mitte gespielt, sondern bleiben von links nach rechts vor dem Spieler liegen.
Wird das Spiel gemacht (drei Stiche oder Aufgabe des Gegners) geht es für die Führenden um das Nachweisen der anderen Figuren. Jede unentschiedene Figur, die gelegt wird, muss beantworted werden, durch passen, stellen, bieten opder besser machen. Auch in diesem Stadium kann man bieten; es gelten die normalen vorher genannten Regeln. Die Spielhabenden müssen immer besser ablegen, oder den Gleichstzand deklarieren (- dann dürfen sie auch später nicht erneut bieten oder die Figur verbessern), die Unterlegenen müssen nur zum Gleichsttand bedienen.
Nahe dem ENde werden oft mehr Punkte erreicht, asl man braucht - aber da kommt es auf die Reihenfolge der Zählung an.
Zuerst zählen Punkte für gutgelassene Figuren, dann gehaltene in der Bietreihenfolge und dann Gleich - Hanger - Spiel.
Zugleich gebotene Figuren zählen auch in der selben Reihenfolge. Nicht vorgewiesene gebotene oder gehaltene Figuren führen zu 2 Minuspunkten. Überbieten ist verboten.
Es wird dem Perlagger aufgefallen sein: Hier ist der erste Unterschied zum Perlaggen im Oberland (Spiel - Gleich - Hanger)
Bei Gleichstand und beide sind gestrichen, wird nicht mehr gespielt, es entscheided das bessere Gleich, gefolgt vom besseren Hanger; beide Figuren benötigen mindestend drei Karten (dritzig), sind in allen Karte keine dritzigen Figuren, entscheidet das Spiel.
Reden, lügen, Irreführen ist erlaubt, man darf dem Partner aber keine Karte zeigen und man muß gebotenes auch tatsächlich haben. Man darf jedoch nicht den Platz verlassen, um dem Partner etwas zu sagen, und man darf beim Deuten keine Vorkehrungen treffen, damit die Gegner das Deuten nicht sehen können.
Angeblich soll sich im Beginn des 19. Jahrhunderts eine Variante entwickelt haben, wo die Trumpf-Siebener, -Unter und _Ober zu Atouts gemacht wurden, zu Jokern oder zu dem, was heute die Perlaggen sind.
Andere Quellen nennen wie auch oben dargestellt, die entsprechenden Eichel als ständige Atouts.
Was wir noch lösen müssen, ist, wann der Herz König und die kleinen Schellen kamen.
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