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Tiroler ...
Bieten, Watten und Perlaggen

1927

Teil II
Die zwei Regelbcher aus 1926 wurden von Hermann Schwaighofer 1927 noch einmal mit dem Bchlein ber die wichtigsten Tiroler Kartenspiele behandelt. Hier widmen wir uns den Vorstufen des Perlaggens, die schon einige Elemente enthalten, die aber zu eher stumpfsinnigen Spielen fhrten. Erst die richtige Mischung macht die Faszination des Perlaggens aus.

Die

Tiroler Kartenspiele

Bieten, Watten, Perlaggen


Von

≡ Hermann Schwaighofer, Innsbruck

Wagner'sche Universitts=Buchhandlung

(Eckart Schumacher)

Innsbruck, Museumstrae 4

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Der erste Welli ca. 1830-1835 von Johann Fasser in Htting
Man beachte: der Weli kommt von der ital. Bezeichnung fr einen Atout (Belli, der Schne). Erst spter wurde er zum gleichlautenden Welli und verlor dann samt Herkunft ein "L". Er hatte damals noch, da er alle Farben reprsentiert, ein Laub in der Mitte.

Das Bieten mit dem Weli

Um das Bieten komplizierter und interessanter zu gestalten, wird vielfach auch mit dem sogenannten Weli gespielt. Es sind dann statt 32 Karten 33 im Spiel. Der Weli, eigentlich

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Schellsechser, Schellweli genannt, unterscheidet sich schon uerlich von den anderen Karten; es sind auf ihm nicht nur sechs Schellen, sondern noch dazu eine Eichel und ein Herz, aber kein Laub abgebildet. Am oberen Rand der Karte steht in groen Buchstaben das Wort Weli, daher spricht man auch von einem geschriebenen" Weli. Der Weli ist beim Bieten eine Art Universalfarbe, das heit, derjenige, der ihn im Blatt hat, kann ihm, je nach Belieben, die Bedeutung einer anderen Karte beilegen, er kann ihn zu jeder anderen Karte machen, er kann ihn taufen, wie man sagt.
Die Naturkarte (Originalkarte), zu der man ihn tauft, ist und bleibt aber unter allen Umstnden hher und sticht den Weli. Also wenn man z. B. den Weli in der Hand hat und ihn zum Herzas gemacht hat, so ist dieses getaufte Herzas wohl besser als der Herzknig, aber nicht besser als das Herzas. Die Naturkarte (Originalkarte) ist also dem Weli gegenber immer hher.
Beim Bieten mit dem Weli ist folgendes zu beachten: Wird der Weli von dem zum Abheben Berechtigten (also dem vom Kartengebenden rechts Sitzenden) abgehoben, so darf er ihn herausheben und behalten. Er bekommt dann beim weiteren Geben nur mehr zwei Karten. Man kann mit dem Weli natrlich jede gebotene Figur anschauen, da man ihn ja zu jeder Farbe machen und ihm jeden Rang geben kann. Man mu aber dann, und das ist sehr wichtig, den Weli auch zum Machen der angechauten Figur oder Farbe benutzen. Es sei denn, da man die gebotene Figur nochmals in der Hand habe. Wenn man eine gebotene Figur mit dem Weli gut sein gelassen hat, darf man sie hinterdrein natrlich nicht mehr machen. Ein Beispiel wird das besser verstndlich machen.

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Also sagen wir, es wird zu dritt gespielt und A hat den Weli, den Schellneuner und den Laubneuner; B hat Herzunter, Laubzehner und Eichelunter und C hat Herzas, Eichelknig und Schellknig in der Hand. A hat gegeben und B spielt den Eichelunter aus; C sagt nichts und sticht mit dem Eichelknig; nun knnte A ja ohne weiteres den Eichelknig mit seinem Weli stechen, wenn er diesen in die Eichelas verwandeln wrde. A wird das aber nicht tun, sondern den Schellneuner zugeben und abwarten, was C aus wirft, da A ja hofft, mit dem Weli, den er ja auch zu Herz oder Laub taufen und beim letzten Stich in eine gute Karte verwandeln kann, in der Hinterhand mehr zu profitieren. Es bleibt alfo C mit feinem Eichelknig im Stich und wirft nun, weil er mit seinem Herzas passen will, den Schellknig aus. Nun ist A fast gezwungen, etwas zu bieten, und er wird, bevor er zugibt, das Laub bieten; wird das Laub angeschaut, so kann er mit dem Weli das Laubas machen, wird es gut sein lassen, hat er ja den Laubneuner in der Hand, mit dem er das Recht hat, die Laub zu bieten. Also A bietet mit seinem Neuner das Laub und verlangt von B Antwort; B, der nur den Laubzehner hat, wird das Laub gut sein lassen, ebenso C, der gar keines in seiner Karte hat. Nun gibt A seinen Laubneuner zu und B seinen Laubzehner, um nicht seinen Herzunter zu verraten. C, der das Herzas als unberstechliche Bockkarte in der Hand hat, kommt nun als Stichhabender zum Ausspielen, bevor er jedoch ausspielt, wird er Spiel oder Herz bieten; was er zuerst bietet, ist in diefem Falle Geschmackssache; also sagen wir, er bietet zuerst das Spiel; das wird A mit seinem Weli, den er ja zu einem beliebigen As machen kanni, selbstversstndlich anschauen. Darauf bietet C weiter, ohne auszu

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spielen, seine Herz, die A natrlich mit dem Weli auch anschaut. Dann erst spielt C sein Herzas aus. A sieht nun, da er mit seinem Weli verloren ist, denn er kann wohl auch ein Herzas machen, das aber schlechter ist als das naturige, das heit, das Original-Herzas des C. A wird daher jetzt noch, bevor er seinen Weli auf den Tisch legt oder herzeigt, trachten, eine Figur zu bieten, die er noch machen kann, und das ist in diesem Falle das Gleich; denn wenn er auch mit dem Weli das gebotene Herz angeschaut hat und daher mit dem Weli unbedingt ein Herz machen mu, bringt er mit dem Weli als Herzneuner drei Neuner zusammen, die besser sind als die zwei Knige des C. Er wird also das Gleich bieten; B, der zuerst Antwort geben mu, wird es mit seinen zwei Untern, die ja ohnehin schon schlechter sind als die zwei Knige des C, selbstverstndlich nicht anschauen und auch C wird es trotz seiner zwei Knige gut sein lassen; er braucht sich nur folgendes vor Augen zu fhren, um zu diesem Entschlu zu kommen: A hat zuerst das von ihm, dem C, gebotene Spiel und dann das gebotene Herz angeschaut, infolgedessen hat er sicher eine hohe Herzkarte in der Hand; da A mit dem Herzneuner Spiel und Herz anschaut, ist ganz unwahrscheinlich, infolgedessen ist es naheliegend, da A den Weli hat, mit dem er sich ja, wie man sagt, wenden kann, indem er entweder damit das Herzas oder den Herzneuner macht. Schaut nun C mit seinen zwei Knigen das Gleich an, macht A mit seinem Weli drei Neuner und schreibt damit zwei Gutpunkte. Lt hingegen C das Gleich gut sein, so schreibt A nur eins im Gleich, denn er kann mit seinem Weli, den er zu einem Herz machen mu, keine andere Figur mehr zufammenbringen. Wre aber z. B. sein Weli noch frei, oder htte er anstatt

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dem Schellneuner z. B. den Herzneuner in der Hand, so knnte er, wenn das Gleich gut gelassen ist, mit dem Weli immer noch den Herzzehner, und damit einen Hanger machen.
Man ersieht daraus, da es meistens vorteilhaft ist, sich mit dem Weli nicht schon gleich am Spielanfang zu binden, sondern etwas zuzuwarten; hat man zum Weli dazu ein kleines Herz oder Laub, so spiele man es getrost als Lockvogel aus, vielleicht bieten es dann die anderen und man kann einen Groschen geben; ist aber in diesem Fall das Original-Herz oder Laubas im Spiel, verliert man natrlich trotz dem Weli die Figur, hat aber noch immer die Mglichkeit, zur kleinen Herz oder Laub mit dem Weli ein Gleich oder einen Hanger, oder gar beide dazuzumaden. Z. B. man hat Laubneuner und Herzachter und den Weli, Laub und Herz sind geboten und man hat beide angeschaut; da aber Herz= und Laubas im Spiel sind und man daher mit dem Weli keine von diesen beiden Figuren macht, tauft man den Weli zum Herzneuner, bringt sfomit ein Gleich und einen Hanger zusfammen und macht auch zwei Punkte.
Noch mehr bluffen kann man mit Weli und z. B. einer mittleren Herz in folgendem Fall. Sagen wir, A hat den Weli und den Herzunter in der Hand, B den Herzober;B bietet sein Herz und A schaut es selbstverstndlich an. Wenn nun B seinen Herzober ausspielt, gibt man ruhig den Herzunter zu und kann ihm nun im geeigneten Moment (wenn man sich vergewissert hat, da das As nicht im Spiel ist) mit dem Weli einen Groschen geben. Wird der Groschen angeschaut, schreibt man drei, wird er gut sein gelaffen, zwei und der Weli wird frei und kann zum Machen einer anderen Figur, insbesondere zum Spiel, benutzt werden.

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Will man mit dem Weli das Spiel, das ist den letzten Stich, machen, mu man sehr darauf achten, da man die richtige Farbe hat; denn zum Spielmachen und um es in der letzten Runde bieten zu knnen, mu man unbedingt die Farbe der am Beginn der letzten Runde ausgespielten Karte haben und mu whrend der frheren zwei Runden immer richtig Farbe bekannt haben. Also sagen wir, B hat am Beginn der zweiten Runde das Eichelas ausgespielt, C hat eine kleine Schell und A, der den Weli und den Herzzehner in der Hand hat, den Herzzehner zugegeben. Nun bietet B das Spiel und A geht natrlich mit dem Weli nicht. Wenn nun B z. B. noch eine kleine Eichel hat, kann A mit seinem Weli nie das Spiel machen, weil er auf den vorletzten Stich, wo das Eichelas ausgespielt wurde, sein Eichel zugegeben, auch den Weli zu keinem solchen gemacht, und also deklariert hat, da er mit dem Weli auf das Eichelmachen verzichtet. Wohl aber knnte er das Spiel machen, wenn B eine andere Farbe, Schell, Herz oder Laub, ausspielt und die betreffenden Natur-(Original)-Asse nicht im Spiel find.
Selbstverstndlich darf A im obigen Fall auch nicht das Spiel bieten, wenn B einfach, ohne etwas zu sagen, bei Beginn der letzten Runde seine kleine Eichel auswirft; in diesem Falle wird der Welibesitzer vom Schreiber um eine Anzahl von vorher bestimmten Gutpunkten gestraft.
Fr den Bieter ist es ein groer Vorteil, sich die Karten, die im Spiel sind, einigermaen zu merken, nachdem die Wahrscheinlichkeit ziemlich gro ist, da zwei oder drei beieinanderliegende Karten auch durch Mischen und Abheben nicht auseinanderkommen. Wenn also in der ersten Runde z. B. ein Spieler den Herzknig und das Herzas in seinen

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drei Karten gehabt hat und das zweite Mal bekomme ich den Herzknig, so werde ich mich hten, mit dem Herzknig das Herz zu bieten oder anzuschauen, weil ich fast mit Sicherheit annehmen kann, da sich das Herzas im Spiel befindet.



Der Wel(l)i wurde um 1830/35 vom Httinger Johann Fasser erstmals gestaltet (soweit man wei). Damals hatte er noch das Laub dabei, und 2"l", vom ursprnglichen Belli, dem Schnen. Beim kritisch Watten heien brigens alla Atouts die Schnen.
Abb. 1 Der lteste Welli
Zum Wel(l)i bei Wikipedia

Die Geschichte, Ikonographie und Schpfer der ungarischen Karte* Wilhelm der Schreckliche in Ungarn.
Ich starte eine Reihe mit dem Titel Kartengeschichtliche Studien , die Spielkarten und Kartenspiele in Ungarn wissenschaftlich untersuchen und erklren soll.
Meine Vorgnger Vilmos Zolnay, Endre Csatkay, Lajos Nagy, Jen Kolb, Ben Zsoldos und andere erzhlten lediglich Geschichten ber die Welt der Karten, und obwohl sie unzhlige Beitrge zur Kartengeschichtsforschung leisteten, gingen sie nicht umfassend auf das Thema ein.
Die jngst wiederentdeckten industriellen und knstlerischen Werte von Spielkarten, eine Reihe von Ausstellungen, die Konferenz der in London ansssigen International Playing Card Society, die 1996 in Kecskemt stattfand, sowie Publikationen zur Geschichte der Spielkarten machten deutlich, dass es an der Zeit war, mit einigen Missverstndnissen und Fehlinformationen aufzurumen, die nicht nur in der ffentlichkeit, sondern auch in Fachkreisen kursieren.
Nach anderthalb Jahrzehnten Arbeit haben wir die materiellen und schriftlichen Zeugnisse ungarischer Bedeutung in ffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland erforscht. Als ersten Teil unserer Untersuchung prsentieren wir den Interessierten eine Studie, die sich umfassend mit Geschichte, Ikonografie und Schpfern der ungarischen Karte befasst. Die ungarische Karte, oder wie sie in der Literatur genannt wird, die Teli-Karte, ist in Mitteleuropa etwa im Gebiet der damaligen sterreichisch-ungarischen Monarchie nach wie vor ein beliebtes Spielmittel. Dieser regionale Bildtyp, hnlich der deutschen Serie, etablierte sich Mitte des 19. Jahrhunderts und lste seinen Vorgnger, die Soproner Karte, ab. Wir haben die Datensammlung unter Bercksichtigung der lokalen Gegebenheiten erstellt, da die Karte anderthalb Jahrhunderte lang vorwiegend hier als geselliges Unterhaltungsmedium fr Dutzende von Personen produziert und verwendet wurde. In unserer Studie stellen wir keine neuen Hypothesen zu Ursprung und Darstellung auf; wir haben uns vielmehr bemht, unser Wissen fr die Interessierten zusammenzufassen.
ANTAL JNOSKA Friedrich Schiller (17591805) schrieb sein Drama Wilhelm der Narr in den Jahren 1803/04 . Er vollendete das Werk im Februar, und die Urauffhrung fand im Mrz in Weimar statt. Aus politischen Grnden wurde der fnfte Akt damals nicht aufgefhrt. Die Urauffhrung wurde einen Monat spter in Berlin wiederholt, und das Drama erschien 1804 in Stuttgart als Buch. Das Wiener Publikum konnte das Stck erst 1810 im Theater An der Wien sehen.1 Die Geschichte von Wilhelm der Narr in Ungarn ist sehr kurz. Mglicherweise lenkte die nchste Wiener Urauffhrung 1827 die Aufmerksamkeit des ungarischen Theaterlebens auf Schillers Drama. Jedenfalls ist belegt, dass in jenem Jahr in Cluj-Napoca ein Liederstck mit dem Titel Wilhelm der Narr aufgefhrt wurde, dessen Handlung Der Autor dankt allen, die ihn bei seinen Forschungen zur Geschichte der Spielkarten untersttzt haben. Sein besonderer Dank gilt Ferenc Horvth und Gyula Zsigri fr ihre wertvolle Hilfe. Er freut sich ber weitere Informationen und Anmerkungen, die unser Wissen ber die ungarische Spielkarte vervollstndigen. Wilhelm Teli. Franklin Company, Budapest, 1911. Verffentlicht und kommentiert von: Heinrich Gusztv.