Hans Kiene
Geb. 18.09.1888 in Bozen; gest. 24.01.1959 in Wolfsgruben am Ritten.
Besuch des Gymnasiums in Baden bei Wien. 1908 Beginn des Jusstudiums an der Universität Innsbruck, das er 1909 in Graz, 1911 in Innsbruck fortsetzte und 1913 mit dem Dr. jur. abschloss. Trat im März 1911 in brieflichen Kontakt mit Ludwig von Ficker, der seine ersten Arbeiten im Brenner publizierte. Kam in näheren Kontakt mit Richard Huldschiner, Max von Esterle, Arthur von Wallpach, Carl Dallago und mit Carl Moser (dem Bruder von Dallagos Frau Franziska).
Im Ersten Weltkrieg geriet er, u.a. mit Esterle, beim Fall von Przemysl am 22.3.1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr Ende 1920 war er als Rechtsanwalt und Richter in Bozen tätig. 1939 optierte er für Deutschland und arbeitete seit 1940 am Gericht in Lienz. Dort heiratete er 1941 die vom Ritten stammende Elisabeth Maier. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Bozen zurück und lebte von 1957 bis zu seinem Tod in Wolfsgruben am Ritten.
Kiene war ein begeisterter Bergsteiger, der seine Bergerlebnisse in zahlreichen humoristischen Geschichten schilderte und seine profunde Kenntnis von Land und Leuten in seinen erfolgreichen Gebietsführern vermittelte.
Hat auf Wunsch des damaligen Präsidenten Kommerzialrat Gottstein, ihm das Perlagger-A-B-C geschrieben.
Perlagger-A-B-C [Gedicht]. In: Dolomiten. Jg./Nr. 91, 1937, S. 5 und Innsbrucker Nachrichten 1939/143; Reimmichl Volkskalender für Südtirol 1971, S. 182-183
Abheben soll man mit Gefühl.
Wer achtzehn schreibt, gewinnt das Spiel.
Mit Aug` und Achsel deutet man
den Anteil an Perlaggen an.
Bedenk`, dass mit dem besten Blatt
schon mancher bloß blamiert sich hat.
Biete nicht blind, bleib´ stets besonnen!
Bock werfen bringt besondere Wonnen.
In China und im Czschechenland
ist das Perlaggen kaum bekannt.
Des Spieles Chance wird gedrechselt
wie das Chamäleon Farbe wechselt.
Der Daumen deutet dir Trumpf-As.
Drei bieten darfst du nie im Spaß;
Dampfplaudern hilft dabei zwar viel;
der dritte Stich erst deichselt´s Spiel.
1
Mit eingefleischter Ehrlichkeit
bringt ein Perlagger es nicht weit.
Kann ernstlich kaum Erfolg erwarten'
ein Esel mit elenden Karten.
Falsch spielt, wer nicht tut Farb` bekennen.
Das As hört` auch oft Fack man nennen.
Fein blufft, wer frech fingieren kann,
die Finger deuten Feger an.
Ganz auf den Geit gehn, geht oft schlecht.
Dem Gegner gönne gern, was recht.
Dem Geber auf die Finger schauen
ist kein Geständnis von Vertrauen.
Den Hanger sollt man dann halt haben,
wenn Hoffnungen aufs Spiel sich geben.
Hauptsache bleibt´s, mit vollen Händen
sich richtig hin und her sich wenden.
2
Innsbruckerisch wird meist gespielt.
Infam ist, wer den Martl stiehlt.
Das Irreführen und das Jagen
soll jeder gern als Jux vertragen.
Kein Kiebitz macht sich sehr beliebt,
der kräftige Kritiken übt.
Mit Karten ohne Krit und Assen,
ist´s klüger, Dreie kreiden lassen.
Leicht kann den Liter man erringen
mit Launen, List und losen Lügen.
Wer auf der linken Linie sitzt,
lern´ lachen, weil der Groll nichts nützt.
Mit Mischen schon möcht´ mancher streben,
möglichst sich selbst den Martl zu geben.
Mangel an Mut wird leicht verlacht.
Mitleid weckt, wer mit viel nichts macht.
3
Der Neuling macht oft nichts als Stuß:
wer nichts als nur nachgeben muß,
bucht Noggelen und Niederlagen.
Wenn nichts "natur" ist, sollst du´s sagen.
Der Ochse legt kein Osterei.
Auch ohne was schreibt man oft drei.
Ein Oberkellner muß viel laufen.
Auch den Trumpf-Ober darfst du taufen.
Beim Preis-Perlaggen brauchts auch Glück.
Wer packelt packle mit Geschick.
Den Partner hat man stets zu fragen.
Manch guten Punkt bringt promptes Jagen.
Mit einem Gleich von quattro Haxen,
ist es recht qualvoll einzudaxen.
Das Quatschen, bis der an´re geht,
den Spieler zeigt von Qualität.
4
Perlaggen ist ein Räuberspiel,
das recht oft geht, wie man´s nicht will.
Der raffiniertere Ratscher siegt,
wer redlich, ruhmlos unterliegt.
Des Spielers seltsamste der Gaben
sei es, für sich stets Sau zu haben;
sonst sind umsonst die schönsten Tricks,
er kriegt doch sicher seine Wix.
Wer rechtes Schulterzucken hat,
zeigt, dass Schellsiebner sei im Blatt;
Schneider zu werden gilt als Schand.
wer schlau schreibt, schriebt sich allerhand.
Gotteswort und Perlaggerstreit
stehn stark bis in die Ewigkeit.
Auswirft stets, wer im Stich geblieben.
Staudigen darfst du nach Belieben.
5
Die Gegner tüchtig Trümpfe schwitzen,
wenn sich´s takt trifft, Trumpf-As zu ritzen.
Den Trumpfperlagg, den tauscht und tauft man,
den Trostpreis aber, den versauft man.
Umwandle gleich, wenn´s ungewiss,
dass ´ne Figur sich machen ließ`.
Umsonst sind Übung oft und Umsicht,
wenn unversehens einer dumm sticht.
Mit einem Vierfach zu verlieren,
verstimmt und wird vielfach recht stieren.
Vorteil vergiebt und nichts versteht,
wer voreilig sein Blatt verrät.
Der Welli ist der höchste nicht,
weil ihn der Martl wirft und sticht.
Weh´dem, der sich beim Weisen irrt!
Wein auszuspielen liebt der Wirt.
6
Die Frage bleibt immer offen:
Wer hat den meisten Spielwein g´soffen?
Das oberste Perlagger-G`setz
sei stets: Die Hauptsach ist die Hetz!
Manchzweifelhafter Zwischenfall
7
zeugt stark von Zerwürfniss und Skandal.
Doch ziemlich zwecklos ist das Streiten,
da man den Zwist kann unterbreiten
dem Zunftperlagger-Schiedsgericht,
das zweifelsfrei sein Urteil spricht.
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